l

hm

ti;

mm

t

l^^ftfluil i <

m

1

1

P ■' . .*1

'/

y^^

V

V

-+.U-C,

^rr

«^

DIE

um JULIUS CAESAR

VORKOMMENDEN

KELTISCHEN NAMES

IHRER ECHTHEIT FESTGESTELLT UND ERLÄUTERT

CHRISTIAN WILHELM GLÜCK.

MÜNCHEN 1857.

LITERARISCH -ARTISTISCHE ANSTALT

DER J. G. COTTA'SCHEN BÜCHHASDLCNC.

Pb

1 3 1967

DRICK VON Dr. C. WOLF d: SOHN.

Vorwort.

Die vorliegende Schrift beschäftigt sich mit den in Caesars gallischem Kriege vorkommenden keltischen Namen, bezüglich deren die Handschriften und Ausgaben verschiedene, zum Theile höchst falsche Lesarten bieten. Ihr Zweck ist jene Namen in ihrer echten Form festzustellen.

Ich benützte bei meiner Arbeit von den älteren Ausgaben Caesars die oudendorpische und von den neueren die schneidersche und nipperdeyische, die sich um die Kritik des Textes grosse Verdienste erworben haben. Von der schneiderschen Ausgabe stunden mir Anfangs leider nur die vier ersten Bücher zu Gebote. Das fünfte Buch erhielt ich während am dritten Bogen meiner Schrift bereits gesetzt ward und die beiden folgenden Bücher erst nachdem der Satz des eilften Bogens fast vol- lendet war. Diess war mir um so unlieber, als Schneider gerade in den letzten Büchern die Les- arten der besseren Handschriften vollständiger und

1*

IV Vorwort.

zum Theile auch genauer mittheilt, als diess von Nipperdey geschehen ist. Ich war daher genöthigt das Wichtigste von dem, was ich dort noch fand, unter der Aufschrift Zusätze und Bericlitigungen bei- zufügen. Neben jenen Ausgaben ward von mir auch die von Whitte besorgte berücksichtigt.

Was nun die Art und Weise, wie ich den Gegenstand behandelte, betrifft, so habe ich dar- über das Folgende zu bemerken. Ich stellte bei jedem keltischen Namen die Form, die ich für die richtige erkannt hatte, gleich an die Spitze. Hierauf führte ich die Lesarten der Handschriften, so weit sie eine Berücksichtigung verdienten, an. Es sind diess vornehmlich die Lesarten der Handschriften, die Nipperdey bei seiner Ausgabe benützt hat, nämlich der ersten bongarsischen , der ersten Pa- riser, der ersten vossischen, der egmondischen, der ersten Breslauer, der zweiten Pariser, der ersten Leydner, der skaligerschen , der kujasischen, der ersten Kopenhagner und der ersten Wiener. Ich bezeichne mit Nipperdey die fünf ersten Handschrif- ten mit A B C D E und die übrigen sechs mit a b c d e f . Über den AVerth jener Handschriften hat Nipperdey bereits ausführlich gehandelt. Die erste bongarsische und die erste Pariser sind die besten. Sie bieten, die letzte jedoch häufiger als die erste, in der Regel die richtige Lesart. Mit ihnen stimmen die übrigen guten Handschriften (CDE) häufig mehr oder weniger überein. luden andern Handschriften dagegen, die der Klasse der

Vorwort. V

gefälscliteii angehören, sind die keltischen Namen oft entstellt. Nach den Lesarten der Handschriften ward von mir die gewöhnliche angeführt und dann bemerkt, welche Lesart Schneider und Nipperdey in den Text aufgenommen haben. Beide folgen in der Regel den guten Handschriften, weichen aber in der Auswahl der Lesarten öfter von einander ab. Hierauf suchte ich die richtige Namensform fest- zustellen. Zu diesem Zwecke benützte icli die In- schriften, die Münzen und die Schriften der Römer und Griechen. Unter diesen Hülfsmitteln nehmen die Inschriften den ersten Rang ein. Dort finden sich nämlich nicht nur mehrere keltische Namen, die bei Caesar vorkommen, sondern auch in grosser Menge solche, die das eine oder das andere Wort, woraus jene Namen abgeleitet oder zusammengesetzt sind, enthalten. Sehr viele Namen aber, besonders die in den Inschriften Frankreichs und Oesterreichs vorkommenden, sind unrichtig gelesen, so dass eine neue kritische Lesung der Inschriften , die jedoch nur Männer wie ein Mommsen vornehmen können, dringend nöthig ist. Geringe Ausbeute gewähren die Münzen, da die dort erscheinenden keltischen zum grossen Theile abscheulich falsch gelesen sind. Bedeutender sind die Schriften der Alten vornehm- lich in Bezug auf die Namen der Völker und Orte. Von den römischen Schriftstellern sind Mela, Pli- nius und Tacitus, und von den griechischen Strabo und Ptolemaeus die wichtigsten. Je älter der Schrift- steller, desto werthvoller ist er. Die Griechen

VI Vorwort.

stehn jedoch den Römern weit nach, indem die keltischen Namen von ihnen häufig unrichtig ge- schrieben und von ihren Abschreibern noch häu- fio-er entstellt sind. Die in den Inschriften vor- kommenden Namen dienen als Richtschnur. Stimmt daher die Lesart einer Handschrift mit denselben überein, so ist sie für die richtige zu halten. Bei- spiele sind die Namen Segusiavi, Treveri, Vtro- mandui Bieten die Handschriften eine andere Form als die Inschriften, so steht sie zurück. Beispiele sind Ddnuvius , Genava, Raiirici, Veliocasses. Eben so ist die Lesart, die von den übrigen Schriftstel- lern unterstützt wird, als die richtige anzuerkennen. Beispiele sind Agedincum, Cenahum^ Lemonum. Weichen aber die Handschriften von jenen Quel- len ab, so ist die dort erscheinende Form nur dann aufzunehmen, wenn alle oder doch die vorzügli- cheren Schriftsteller in derselben übereinstimmen. Als Beispiele mögen die Namen Ändecavi, Cehenna, Venelli dienen. Die Griechen, für sich allein ohne Gewicht , entscheiden nur dann , wenn sie mit den Römern in Einklänge stehn.

Wo aber die genannten Hülfsmittel nicht aus- reichen, muss die Sprache entscheiden. Ohne Kennt- niss des Keltischen ist es dem Herausgeber des Caesar nicht möglich die richtige Lesart zu er- kennen. Was will er anfangen, wenn die besseren Handschriften verschiedene Lesarten bilden? Er wird nach blossem Gutdünken die eine oder die andere Lesart aufnehmen. Ich verweise z. B. auf

Vorwort. vii

den Namen Conconnetodumnus. Wer die keltische Sprache versteht, wird unter den verschiedenen Lesarten nur die aufgestellte Form Avählen. In welcher Verlegenheit aber muss sich erst der Her- ausgeber befinden, wenn der gleiche Name in den Handschriften an verschiedenen Stellen in verschie- denen Formen erscheint. Ihm bleibt nichts an- deres übrig als den Handschriften an jeder Stelle zu folgen oder willkürlich die eine oder die andere Form aufzugreifen. Die erste Aufgabe des Kriti- kers ist zu untersuchen, ob der Name nach den Gesetzen der Sprache richtig gebildet ist. Es ist nun zuweilen der Fall, dass die Handschriften zwei verschiedene Formen geben, von welchen die eine so richtig als die andere ist. So bieten z. B. die guten Handschriften Andocumborius (für Ändecum- horius) , mehrere der gefälschten dagegen Ände- hrogius. Beide Formen sind, wie ich gezeigt habe, gleich richtig gebildet. In einem solchen Falle entscheidet, wie sich von selbst versteht, der AVertli der Handschriften. Enthalten dieselben aber eine unkeltische Form, so hat der Kritiker mit den ihm zu Gebote stehnden Hülfsmitteln die richtige her- zustellen. Bei keinem Schriftsteller, als gerade bei Caesar, der selbst in Gallien war und daher die Namen selbst vernahm, ist es so wahrscheinlich, dass er dieselben auch richtig niederschrieb. Die unrichtigen Namen, welche die Handschriften ge- ben, sind daher der Schuld der Abschreiber bei- zumessen. Ich zeigte dann, wie jeder Name ge-

VIII Vorwort.

bildet ist und fülirte andere gleich gebildete kel- tische Namen als Beispiele an. Eben so suchte ich die Wörter, woraus die Namen abgeleitet oder zusammengesetzt sind, in anderen keltischen Na- men nachzuweisen. Endlich versuchte ich auch die Namen, wo es möglich war, aus dem späteren Keltischen zu deuten. Hiebei muss man vor allem wissen, wie sich die Laute der heutigen Sprachen zu den der älteren verhalten. Diese Verhältnisse waren früher unbekannt. Erst Zeiiss hat in seiner heltischen Grammatik die Lautverhältnisse der kel- tischen Sprachen dargelegt. In wie viele Irrthümer muste daher Diefenbach, der als er seine Celtica schrieb, diese Verhältnisse nicht kannte, verfallen! So stellt er, um nur ein Paar Beispiele anzuführen, (1, 44) das irische uasal (nobilis, =i ösat) mit dem kymrischen gwas (puer, servus, früher guass zu vass) zusammen, vermuthet (53. S.) das armorische (bretonische) roue, roe (rex, =i reg) sei aus dem franz. rot entlehnt, und führt dann zum Beweise, dass das armor. rouanez (regina, rz reganes) nicht aus dem altfranz. roine entlehnt sei, das komische ruifanes (regina, =: remanes, von ruif zz rem, alt- irisch rdm zz lat. remus) an, worin sich f wol erst durch u erzeugt hätte (!!), leitet (113. S.) das kymr. cyii (primus, praecipuus, früher cynn, eint) von cwn (altitudo, zz cmi) her, stellt (146. S.) zu dem gall. Traiectum die kymr. Wörter trigaw (ha- bitare, zz trtcau)^ tref (habitaculum , zz treh) und die gall. Namen Trevidum, Treveri, Wörter und

Vorwort. IX

Namen, die Avie die Faust aufs Auge passen*). Doch nicht bloss in den LautverhUltnissen , auch in den Wortbiklungen steht er auf der gleichen Stufe. So vermuthet er z. ß. (107. S.) in KapfSamo-piyov**) das kymr. euer (castrum, oppidum, für eade?' = cater, altir. eatJur zz: catir), zerlegt (48. S.) Arverm (abgeleitet von Cugerni, ügernum u. s. w.) in ar (die Partikel are- ad, in) und rem (alnus), d. h. an den Erlen und vermuthet dasselbe ver7i in dem ersten Theile von Ver-nemeü's („fanum ingens")***). Doch Diefenbach ist einem Mone, Leo, Spar- schuh, Keferstein und den übrigen Keltomanen gegenüber noch golden. Wenn man liest, wie der eine alle möglichen deutschen Wörter und Namen, der andere die malbergische Glosse, worin kein sterbendes keltisches Wörtchen vorkommt, aus dem jetzigen Keltischen deutet, wie der dritte die grie- chische Sprache für die abgeschliffene keltische er- klärt, der vierte an allen Enden und Ecken Eu- ropas die Spuren der Kelten wittert und sogar in den Halloren in Halle eine keltische Pflanzung entdeckt wenn man solches und ähnliches Zeug liest, so* glaubt man wirklich in einem Irrenhause zu sein. Doch keiner treibt die Tollheit so weit

*) Ein Paar andere Beispiele s. unten 27. S. Anm. *)

und 129. S. 2. Anm. **) Das erste Glied carhanto (gebildet wie Caranius, No- vantae , Decantae u. s. w.) entspringt von carh. *^'*) Über die keltische Verstärkungspartikel ver- s. unten die 175. S.

X Vorwort.

als Mone. Er begnügt sich nicht alte Namen, deutsche wie keltische (Ihm sind nämlich alle deutschen Namen, die er nicht versteht, keltisch), aus dem jetzigen Keltischen zu erklären, sondern er gibt noch mehr als seine Vorgänger und schreibt eine Art Grammatik, die an Unsinne alles, was je die Unwissenheit und der Aberwitz auf dem Ge- biete der Sprache ausgebrütet haben, w^eit über- trifft. Hier nur ein Paar Proben aus seiner Schrift Die gallische Sprache (Karlsruhe 1851). Die bel- gische Sprache ist ihm die kymrische und die gal- lische die irische. Unter den belgischen Wortfor- men erscheinen allerlei Ableitungssilben, die er für belgische Mehrheitsformen hält, unter anderem (74. S.) lon und unter den Beispielen der deutsche Volksname Vangiones. Derselbe Name wird dann später (203. S.) von ihm aus dem Irischen also erklärt: fang heisse Hürde und ion Fleitz, fang- ion ein Hürdenplatz; ionadh heisse eine Ebene ^oder ein Feld, fang-ionadh , das lateinisch auch vangionas geschrieben werden könne, ein Hürdenfeld. Dieser Name und der Ortsname Wangen, bemerkt er hier- auf, bestätigten die grosse Viehzucht der Kelten!! Im Altkeltischen geht das erste Wort in der Zu- sammensetzung, wie in den andern alten verwandten Sprachen, regelmässig auf einen Stimmlaut aus. Der gewöhnlichste ist o. Mone erklärt nun (123. S.) denselben in den Ortsnamen Julio-dünum, Aiigusto- dünum u. s. w. für eine gallische Genitivform. Was würde man wol einem Anfänger des Griechi-

Vorwort. xi

sehen sagen, der denselben Endlaut o in lovXio- noXii; u. s. w. für eine griechisclie Genitivform hielte? Dieselbe Endung o aber ist Monen in an- deren Namen wieder ein Artikel, z. B. Vasso-rix (d. b. juvenis dominus) ist ibm gleich Vass-o-rix, d. h. Diener des Königes (107. S.). In den Na- men mehrerer weiblicher Gottheiten erscheint das Wort neJia als zweites Glied, z. B. Vacalh'-nehae, Ruma-nehae, so wie auch als erstes in Neha-lennia. Mone zerlegt nun (126. S.) jene in der dritten Endung der Mehrheit vorkommenden Namen in VacalUn-ehi-s , Ruman-ehi-s und stellt elii als eine Mehrheitsform der ersten gall. weiblichen Beugung auf. Aus solchen närrischen Einfällen besteht der grammatische Theil seiner Schrift. Nun ein Paar Beispiele ans seinen Glossaren. Aquitama (103. S.) ist ihm aus dem belgischen Artikel a (Derselbe besteht nämlich nach seiner Grammatik in den Vo- kalen a, e, i, 0, u, y) und den kymrischen Wör- tern gwytJi (zz Vit) Kanal, und tan, breit, zusam- mengesetzt (also Ä-quit-tan-ia) und bedeutet der breite Kanal. Man sieht Mone kann noch gut buch- stabieren! Das in zahllosen deutschen Namen vor- kommende toin (ahd. wini, amicus) erscheint in den fränkischen Urkunden auch in den Formen um, oin^ oen, z. B. Eburioinus, Ehruinus, Ebroinus. Jene Formen sind Monen (101. S.) das kymrische gwyn (albus, candidus , früher guinn , guind zr. vind). Das Wort ehur (zz: lat. «pe?-) erklärt er (97. S.) durch das von ihm. selbst gemachte Wort ebior , Eeiter,

xn Vorwort.

und jenen Namen durch schöner Heiter. So wird also der aper zum eques! Das deutsche ulf für wuIf (hipus) ist ihm (202. S.) eine zusammengezo- gene Form des irischen ullamJi (promptus). So er- klärt er alle deutschen Wörter und Namen, die er für keltisch hält*). Wenn man solche Ergüsse der Unwissenheit und Thorheit liest, so begreift man es leicht, wenn ein Pott und andere Sprachforscher die zeussische Grammatik mit Freuden begrüssten. Man sollte nun glauben, die Keltomanen, wenn sie noch einen Funken gesunden Menschenverstandes besässen, hätten seitdem ihre Irrthümer und Toll- heiten erkennen und sich derselben schämend ent- schliessen müssen, entweder, was das Beste gewe- sen wäre, ganz zu schweigen, oder die zeussische Grammatik zu studieren und auf der dort gelegten Grundlage fortzuarbeiten. Allein wie es bei Leu- ten, die ein Mal einen Sparren im Kopfe haben, zu geschehen pflegt: Die Keltomanen (d. h. Kel- tennarren) beharrten in ihrem Irrwahne. Ja Mone zeigt in seiner neuesten Schrift Keltische Forschun- gen zur Geschichte des Mittelalters (Freiburg 1857), dass sein Irrwahn seitdem vielmehr zugenommen und in jenem Machwerke den Gipfel erreicht hat. Hier nur ein Paar Proben. Das deutsche Wort Gold in Goldbach, dessen Bedeutung jedes Kind kennt, ist ihm (86. S.) „germanisirt" von einer al- ten Form gol für das gälische cuil, Bach. (Zu-

*) Einige Proben, wie er kcit. Namen erklärt, findet der Leser in den Anmerkungen meiner Schrift.

Vorwort. xiii

fällig bedeutet dieses Wort im Gäliscli. ii. Irisch, angulus, torus, conclave.) Goldbach heisst also Bachbach. (Mone bildet sich nämlich ein, dass das zweite Wort eine Übersetzung des ersten ist.) Dasselbe Wort ist ihm (20. S.) in Goldberg, Gold- bühl aber das „germanisirte" kjmr. gallt, Abhang, oder col, schroffer Hügel. Das deutsche qmh, queh (vivus), das noch in Quecksilber, erquiken lebt, ist nach ihm (29. S.) in Quekborn, Quekaha eine Verkleinerung des kymr. gwy (aqua, früher ^W2' = vi) und bedeutet kleiner Bach, Quelle. Den deutschen Namen Fvidu-ricli (d. h. pacis rex) erklärt er (80. S.) durch das irische friik (zu vrii) Dienst, und reac (:= rec) Mann, d. h. Dienstmann ; jedoch lasse sich die (spätere) Form Fridericli auch von dem ir. friotJiaireacli {zu vritarec von friotJiaire =z vritare und dieses von früh =i vrit) wachsam, herleiten. Die gallischen Matronen Gavadiae sind ihm (222. S.) Schutzgöttinnen der Empfängniss und Geburt und in dieser Beziehung genau das niederdeutsche lieve- moder, Hebamme; selbst das Wort lieveri, sagt er, scheine in dieser Verbindung aus gav, das er im ir. gahhaim (capio, accipio, z= gabiin) findet, „germa- nisirt" zu sein. Diese Deutung ist wirklich eine Geburt, worüber die Hebammen selbst lachen wer- den. Den Gottesnamen Mori-tasgus (S. unten die 33. S.) theilt er in Mo-ri-tasgus ab, hält die erste Silbe für das irische mo (meus), das den Namen der Gottheiten, im Christenthume den Heiligen vorgesetzt werde (228. S.), schneidet dann dieses

XIV Vorwort.

mo weg und setzt in sein Glossar (237. S.) ri-tasgu mit der Bedeutung König des Ruhmes von ir. rt (rex, für righ^ früher rig, gall. rix, Gen. rigis) und tasg , tasc (rumor). In der Endung des Wortes tasgus ist ihm nämlich u eine gall. Genitivform, s aber ein römischer Schweif. In dieser Narren- weise erklärt er alle Namen, deutsche wie keltische, von Anfange bis zu Ende. Von Sprachverwandt- schaft, Sprachentwickelung, Lautgesetzen, Wort- bildung hat er keinen Begriff. Was bei vernünf- tigen Menschen Sprachgesetze sind, wird bei ihm durch närrische Einfälle vertreten. Daher kommt es, dass er das gleiche Wort oder den gleichen Namen bald so bald so deutet*). In seinen neuesten

*) Einen seiner närrischsten Einfälle, die bekannte gal- lische Ortsnamenendung äcum, i'dcuni sei eine Mehr- heit, theilte ich in einer Abhandlung (S. unten die 4. S. 1. Anna.) des Spasses halber mit. Hr. Mone diess sehr übel nehmend spricht in seinen neuesten Forschungen von Irrthümern und x^nmassung. Diess ist bei einem Menschen; der einen Sparren hat, ganz begreiflich. Ich bemerke hier bloss, dass ich im .lahre 1853, als ich vom Keltischen noch nicht das Jota verstund, die Bedeutung jener Ortsnamenendung durch blosse Vergleichnng herausbrachte. Zeuss, dem ich meine Deutung nebst einer Beleuchtung der mo- nischen vorlegte, schrieb mir unter dem 3. des Maies: „Die gallische Ableitung äcum, iäcum kann unmög- lich ein Plural sein; Sie haben diess selbst schon ge- funden und sich aus den Träumerelen Mones schön hinausgearbeitet". Dieser Brief steht jedem Leser zur Einsicht offen. Übrigens bin ich weit entfernt,

Vorwort. xv

Forschungen erklärt er jedocli nicht bloss deutsche und keltische, sondern auch slavische und grie- chische Namen aus dem jetzigen Keltischen. Hier nur ein Paar Proben von seinen Deutungen grie- chischer Namen, die er für „gräcisirte" keltische hält. ' EAXijvE^ (264. S.) d. h. fremde Männer, von ir. all, alle oder eile, fremd, und a7i Mann; "Aprj^ (265!f S.) d. h. Schlachtmann, von ir. dr (aus agr, kymr. aer iz. ager , caedes, pugna) Niedermetzelung und eis (= es) Mann; KvnXcdxp (26G. S.) d. h. ein Mann der Schmiedezange, ein Schmied, von ir. cu, Kriegsmann, Held, und clohadh Zange (also ein Zangtnheld!); nodei^c^p (268. S.) d. h. Wasser- mann, von ir. hais, Wasser, und diäne (zu dune, kymr. dgn aus dun) Mann. Die Philologen werden dem Hrn. Mone besonders ob der letzten Deutung Dank wissen.

Menschen, die solchen gräulichen Unsinn zu schreiben fähig sind, widerlegen oder belehren wollen, wäre nicht bloss eine vergebliche Mühe, sondern eine Entweihung der Wissenschaft. Gegen die Keltomanen gibt es nur ein Mittel: ihre Narr-

die Person des Hra. Mone beleidigen zu wollen. Ich habe es hier bloss mit seinem keltischen Treiben zu thun. Ich achte vielmehr in ihm den Archivar und bedaure nur mit mehreren seiner Verehrer, dass er nicht bei seinem Fache blieb , sondern sich in ein Gebiet verirrte, auf welchem er nichts Vernünftiges hervorbringen wird, so lange er nicht die Vorbe- dingungen erfüllt.

XVI Vorwort.

heiten lächerlich zu machen, damit sie zuletzt zum Kindergespötte werden. Möchten daher die Sprach- und Geschichtsforscher zur Ehre der deutschen Wissenschaft dem Beispiele des Dr. Steuh, der jüngst die Thorheiten zweier Keltomanen, Math. Koch und Siegert, zur grossen Freude aller ver- nünftigen Menschen öffentlich an den Pranger stellte*), folgen**).

Während die Keltennarren alles Deutsche, das sie nicht verstehn, für keltisch halten und in der bezeichneten Weise aus dem jetzigen Britannischen oder Irischen erklären, sucht der Hr. Hofrath Holz- mann in seiner Schrift Kelten und Germanen (Stutt- gart 1855) zu beweisen, dass die Gallier Deutsche, die Britten und Iren dagegen gar keine Kelten seien. Wie er diesen Beweis führt, davon ge- ben die Anmerkungen meiner Schrift mehr denn zwanzig Proben. Sie beweisen, dass er im Kelti- schen nicht das Jota versteht, im Deutschen aber ein Stümper ist. Diese Proben könnten zur Würdi- gung seines Machwerkes genügen. Allein in Sachen der Wissenschaft, die er herabgewürdigt, und als Schüler und Freund Zeusses, den er schnöde an- gegriffen hat (Derselbe hielt es unter seiner Würde ihm zu antworten), halte ich mich verpflichtet das

*) BeiLage zur 11. u. 12. Nr. der Allg. Zeitung v. 1857.

■'"*) Sobald Icli ]\Iussc bekomme, werde ich in einer be- sonderen Schrift die Narrheiten der Keltomanen, be- sonders des Hrn. Mono, näher darlegen.

Vorwort. xvii

Erzeugniss seiner Thorheit und Unwissenheit noch, in einer eigenen Schrift zu beleuchten.

Die Erklärung der alten keltischen Namen ist mit grossen Schwierigkeiten vei'bunden, wovon Leute wie Mone gar keine Ahnung haben. Die Namen enthalten die ältesten Wörter. Sie erben sich von Geschlechte zu Geschlechte fort, indess ihre Be- deutung oft ganz verschwindet. Sie verdanken ferner nicht selten besonderen Anlässen, die uns unbekannt sind, ihren Ursprung. Dahin gehören besonders viele Namen der Völker. In solchen Fällen wird man sich mit einer grammatisch richtigen Erklä- rung begnügen müssen. Bei den Namen der Orte gewährt oft die Lage, sofern sie ermittelt ist, eine Stütze. Stimmt die den Regeln der Grammatik ge- mässe Deutung mit der Lage überein, so wird an ihrer Eichtigkeit nicht zu zweifeln sein. Eine be- sondere Schwierigkeit liegt in dem Zustande der heutigen Sprachen. Ich habe hier bloss die beiden wichtigsten, die kymrisch - britannische und die irische, vor Augen. Sowol die eine als die andere hat sich im Laufe der Zeit sehr verändert. Viele Laute haben sich in andere verwandelt, manche sind hie und da abgefallen, andere ganz ver- schwunden. Das Kymrische hat sich jedoch im Geiste des Romanischen nach bestimmten Gesetzen verwandelt, während im Irischen eine grosse Re- gellosigkeit herrscht. Hier werden Laute willkür- lich mit einander vertauscht, in der Mitte und am Ende aus- und abgeworfen, wodurch die Wörter

II

XVIII Vorwort.

oft bis auf wenige, ja einen Buchstaben zusammen- schrumpfen. (Durch solche Wörter weiss Mone viele deutsche Namen zu erklären.) Gräulich aber ist die jetzige Schreibung der Stimmlaute. Sie er- schwert hauptsächlich die Erkennung ihrer ursprüng- lichen Gestalt, ja macht sie oft unmöglich. Dazu kommt noch die Erbärmlichkeit der Wörterbücher. Man denke sich ein deutsches Wörterbuch, das von einem der älteren Sprache unkundigen Men- schen aus früheren und späteren Schriften und aus verschiedenen Mundarten sinnlos zusammenge- stoppelt ist, und man hat O'Reillys ir. Wörterbuch. Und diess ist noch das beste. Dort erscheint ein und dasselbe Wort oft in den verschiedensten For- men , bald ist es mit diesen bald mit jenen Lauten geschrieben, viele Wörter, die zusammengehören, sind nach ihren verschiedenen Bedeutungen aus- einander gerissen, andere dagegen, die verschie- denen Wurzeln angehören, zusammengestellt, da- von gar nicht zu reden, dass bei vielen Wörtern das Geschlecht, so wie die Länge der Laute gar nicht oder falsch angegeben ist. Aber auch die kymr. Sprache erfreut sich noch keines guten Wör- terbuches. Das von Owen verfasste ist das voll- ständigste. Hätte derselbe einfach die vorhandenen Wörter mit ihren im Leben vorkommenden Bedeu- tungen zusammengestellt, er hätte sich ein grosses Verdienst erworben. Allein er gibt Tausende von Wörtern und Bedeutungen, die nirgends als in seiner Einbilduns: bestehn. Er will Wörter ableiten

Vorwort. xix

und deuten (Er verstellt auf diesem Gebiete unge- fähr so viel wie Mone), schafft daher Wurzeln mit beliebigen Bedeutungen und erklärt darnach die vorhandenen Wörter. Die. von ihm angege- benen ersten Bedeutungen sind regelmässig das Er- zeugniss seiner Einbildung. Die eigentlichen Be- deutungen folgen erst später und lassen sich haupt- sächlich in den Belegstellen erkennen. Hier nur ein Beispiel seiner Unkunde. Der altkymrische Name Gatman (bellator, s. unten die 59. S. 1. Anm.) lautet jetzt Cadfan, indem sich die ursprünglichen Laute t und m in der Mitte später in d und f verwan- delten. Im späteren Kymr. geht aber auch h in der Mitte in f über. Owen hält nun das zweite Glied für das Wort han (früher hann, s. unten die 176. S. 1. Anm.) cornu, und gibt demnach dem Worte cadfan zuerst die Bedeutung the hörn of battle; dann folgt die richtige a warrior: also a proper name of men. Solche Beispiele kommen in Menge bei ihm vor. Und jener gräuliche Unfug, den dieser Wörterbüchler treibt, so plump er auch ist, entging unseren Gelehrten. Alles, was seine Unwissenheit erzeugte, hielten sie für Wirklichkeit. Diesen Erzeugnissen hat man unter anderem Hrn. Sparschuhs wichtige Entdeckung, die griechische Sprache sei eine abgeschliffene keltische, vorzugs- weise zu verdanken. Als ich Owens Wörterbuch zu benützen anfing, fiel mir bald bei mehreren Wörtern die Ungereimtheit ihrer Bedeutungen auf. Ich wendete mich daher an Zeuss, der mir die

II*

XX Vorwort.

Augen in Bezug auf die etymologischen Faseleien Owens öffnete: Obstupui steteruntque comae, vox faucibus haesit. Die Wörterbüclier von O'Reilly und Owen sind für die Narrheiten der Keltomanen wie gemacht. Aus ihnen können sie die Wörter und Namen aller möglichen Sprachen erklären.

Die Hauptsprache für die Erklärung der gal- lischen Namen ist die britannische, weil sie der gallischen am nächsten steht (S. Zeuss V. S. u. ff.). Die kymr. Mundart, die reinste und wortreichste, ist die wichtigste. Erst wenn die britann. Sprache nicht ausreicht, ist bei der irischen (Die gälische ist bloss eine Tochter derselben) Hülfe zu suchen. Eh man ein Wort anwendet, muss man mit seiner früheren Gestalt im Reinen sein. Darnach fragen freilich Leute wie Mone nicht. Bei den brit. Wörtern gibt oft das Irische Auskunft. Besitzt es dieselben nicht, so sind die verwandten Sprachen, namentlich die deutsche wegen ihrer nahen Verwandtschaft, zu Rathe zu ziehen. Hiebei aber muss man wissen, wie sich die Laute der keltischen zu den der ver- wandten Sprachen verhalten. Am schlimmsten ist man mit den irischen Wörtern daran. Geben die verwandten Sprachen keinen Aufschluss, so ist die Erklärung in manchen Fällen gewagt, in anderen unmöglich. Übrigens möge der Leser meine Er- klärungen bloss als einen Versuch betrachten.

Habe ich in meiner Schrift den Zweck er- reicht, so verdanke ich diess hauptsächlich meinem unvergesslichen Lehrer und Freunde Zeuss. Seine

Vorwort. xxi

Sprachlehre machte mich nicht nur mit den im Keltischen waltenden Gesetzen bezüglich der Laute und Wortbildung bekannt, sondern bot mir auch einen grossen Wortschatz aus den älteren keltischen Sprachdenkmälern zur Erläuterung der hier be- handelten Namen*). Nächst Zeuss bin ich meinem Freunde Vollmer verpflichtet. Ich verdanke ihm namentlich die Nachweisungen vieler keltischer Wör- ter in den verwandten Sprachen, so im Sanskrit und Altdeutschen (Gothischen, Altsächsischen, An- gelsächsischen, Altnordischen, Althochdeutschen), Nachweisungen, die meine Deutungen der keltischen Namen auf das trefflichste beleuchten.

Damit der Leser eine Einsicht in die Verhältnisse der keltischen Laute bekommt, habe ich die Wörter imd Namen des späteren Keltischen auf ihre älteste Form , wie sie uns in den römischen Denkmälern entgegentritt, zurückgeführt. Manche Bemerkungen, die ich an einzelne keltische Wörter und Namen knüpfte, wird manchem Leser, namentlich dem Sprach- und Alterthumsforscher nicht unwillkommen

*) Über den Hm. Becker, der im Keltischen nicht das ABC versteht und dennoch die Stirne hat sich über Zeusses Sprachlehre, der unsere ersten Forscher die gröste Anerkennung zollen, schnöde auszulassen (Neue Jahrbücher für Philol. und Pädag. 73. Bd. 1. Abth. 300. S.), spare ich wegen Raummangels das Urtheil auf meine nächste Schrift auf. Einige Pro- ben von seiner Sprachgelehrsamkeit findet der Leser in den Anmerkungen dieser Schrift.

XXII Vorwort.

sein. Habe ich mich hin und wieder geirrt, so bitte ich den gi'ündlichen Sprachkenner mich zu berichten.

Hier noch eine kurze Bemerkung über die griechische Schreibung des keltischen v. Strabo, Ptolemaeus u. A. schreiben es nämlich im Anfange mit ov und in der Mitte ebenfalls mit ov oder v. Man hat nun diese Schreibungen wie die griech. Laute behandelt und demgemäss betont, z. B. 2"fA- yoovai (=1 Selgovae), BEÄXovaKoi (= Bellovaci). Diese falschen Bezeichnungen beizubehalten w^ar mir nicht möglich. Ich behandelte daher jene Schrei- bungen wie V und betonte darnach die Namen. Am besten aber wird man thun, wenn man sie gar nicht betont.

Zum Schlüsse noch das Folgende. Über die von Schneider aufgenommenen Namenformen Blan- novü, Cavillonum, Trinovantes , auf die ich leider zu spät aufmerksam gemacht ward, werde ich meine Meinung in den Gelehrten Anzeigen der k. baier. Akad. der Wissenschaften nachträglich abgeben.

München den 26. des Februares 1857.

Chr. W. Glück.

Erklärung der Abkürzungen.

Bonner Jahrhiicher: Jahrbüclier des Vereins von Alter-

thumsfreunden im Rheiulande. üourson: Histoire des peuples Bretons. 2 Bde. Paris 1846.

(Die zweite Zahl bezieht sich auf die angehängten

Urkunden.) Duchalais: Description des m^dailles Gauloises. Paris 1846. Hefner: Das römische Bayern. 3. Aufl. München 1852. lolo: A selection of ancient welsh manuscripts etc. Llan-

dovery 1848. Lib. Land.: The Liber Landavensis, Llyfr Teilo, or the

ancient register of the cathedral church of LlandafF etc.

Llandovery 1840. Mabinog.: The Mabinogion from the Llyfr coch o Her-

gest etc. by Guest. 3 Bde. London 1849. Momms.: Mommsen, Inscriptiones confoederationis helve-

ticae lat. Turici 1854. Morice: Memoires pourservir de preuves ä l'histoire eccl^-

siastique et civile de Bretagne. 1. Bd. Paris 1742. Nennius und Gildas: hg. v. San-Marte. Berlin 1844. Wal: Mythologiae septentrional. monumenta lat. Traj. ad

Rhen. 1847.

ags: angelsächsisch.

ahd. : althochdeutsch.

altn. : altnordisch.

alts.: altsächsisch.

arm. : armorisch (bretonisch).

gäl.: gälisch. ir. : irisch, körn. : kornisch, kymr. : kymrisch.

Adiatunnus (HI, 22). Die guten Handschrif- ten (A B D E und an der zweiten Stelle aucli C) bieten Adiatunnus. Von den verscliiedenen Lesarten der anderen Handscliriften sind liier noch Adia- tonnus und Adiatunus zu erwähnen. Die gewöhnliche Lesart ist Adcaniuannus. Schneider loi?it Adiatunus, Nipperdey dagegen Adiatunnus in den Text aufge- nommen. Bei Atlienaeus (VI, 249 b) liest man ^^biärojuos. Auch auf Münzen soll der Name vor- kommen. Duchalais (16, 30) nämlich führt rex ADiETVANVs au; nach Lagoy (Eevue numismat. 3, 145) dagegen sollen die Münzen jaletvp.nvs, adi- DVAJ, ADiETVAA habcu. ^) Dicss aber sind Unge- thüme, wie sie uns von den des Keltischen un- kundigen Münzforschern zu Dutzenden geboten werden. Da auch Duchalais, wie viele von ihm angeführte falsch gelesene Namen bezeugen, nichts weniger als zuverlässig ist, so können wir auch auf seine Lesung keinen Werth legen. Die von den guten Handschriften gebotene Lesart Adiatun- nus ist vollkommen richtig. Der Name ist von adiatu abgeleitet. Dieses Wort liegt mehrfach vor.

1) Vgl.Lelewel, Etudes numismatiques et arch^ologiques, Bruxelles 1841. 227. S.

1

2 Adiatunnus.

nämlich in dem abgeleiteten Namen Ädiatullus (Schriften des histor. Vereines von Innerösterreich. Gratz 1848. 1, 36) und in den zusammengesetzten Namen Ädiatu-mdrus (Wiltheim, Luciliburgensia. Luxemb. 1842. 256. Nr. = Steiner 1969. Nr.)') und Ädiato-rix'^) (Cic. ad Fam. II, 12, Liv. Epit. CXXXIU, 84, 'Abiaropit, Strabo XII, 543. 558),

1) Wiltheim und Steiner haben unrichtig adiäivmar für

ÄDIATVMAR.

2) Ein schönes Pröbchen, wie der Hr. Hofrath Holz- ma7in in seiner Schrift „Kelten und Germanen" die gallischen Namen zu deutschen stempelt, ist folgen- des. Nachdem er zuerst erklärt hatte (125. S.), „Toutiorix'^^ sei unbedenklich Dietrich" , sagt er, „denselben Namen (Dietrich) glaube er auch im ga- latischen Adiatorix zu erkennen. Ein a werde öfter fälschlich vorgeschoben, bei Cicero stehe ad Adiato- rigem, was sehr leicht aus ad Diatorigem entstanden sein könne. Diato aber sei dasselbe Wort, das in Dejot-arus (Diess sei, wie er auf der 127. S. sagt,

*) Toutiorix (Orelli 2059. Nr.), ein Beiname Apollos, ist aus toutio (von toitt , kymr. tut, jetzt täd =:: tot, ir. tuath zzz tot, popukis, regio, aus tout, ursprünglich taiit aus der Wurzel tut j vgl. lett. tauta, populus, genus, goth. tliiuda für tliiuika aus der Wurzel thuih, ahd. diota, diot, populus) und rix (=: rigs, gen. rigis, kymr. ri , jetzt rlil ■=: rig , das noch bei Nennius 75. S. erscheint, ir. rig, jetzt rigli , riogh , rex, prin- ceps, dominus; vgl. lat. rex, goth. reiks , ahd. rieh) zusammengesetzt. Bei den Kymern finden sich viele mit tat zusammengesetzte Namen (S. Zeuss 118. S.), darunter auch Tütri (Append. lib. Land. 271. S.) = Totrig, Toutorix = goth. Thiudareiks, ahd. Dietrich.

Adlatunnus.

nur dass hier, wie diess öfters vorkommt, der End- vokal u mit 0 vertauscht ist. Die Eichtigkeit der

DiutJiari, Theuthari*^ in anderer Form erscheine; es sei unser Diot"\\ Wie flüchtig doch der Hr. Hof- rath ist! Auf der 121. S. führt er Ädiatorix nicht bloss aus Cicero, sondern auch aus Strabo an und schon auf der 125. S. vergisst er, dass der Name auch bei Strabo vorkommt, und lässt ad Adiatorigem bei Cicero aus ad Diatorigem entstehn! Dass aber adiato, wie wir sogleich zeigen werden, von adi ab- geleitetist, ferner <\.?is,'s, Deiotarus (Cic, Caes.), zlr)i6- rapof (Strabo XII, 547 u. oft.) aus deio (von de) und tai'us zusammengesetzt ist (Vgl. Brogi-tarus, Cic. pro Sest. 26. K. u. oft. , mit Brogi-märus , Brogimära, Archiv für Kunde Österreich. Geschichtsquelleu 3, 170, und Tapö-hovi'ov, Ptol. II, 10) und dass, wenn es im Gallischen ein Wort deiot gegeben hätte, diess von deio abgeleitet wäre(wie higot in Lugoto-rix, Caes., von lugo) das Alles weiss freilich der Hr. Hofrath nicht. Er lässt ein und dasselbe Wort im Gallischen in drei Formen erscheinen, nämlich in tout und den von ihm selbst gemachten Formen diät und dejot und beurkundet dadurch nicht bloss seine gänzliche Unkunde des Gallischen, sondern auch seine grobe Unwissenheit in den Lautverhältnissen. Denn in der That nur der, welcher von jenen Verhältnissen nichts versteht, kann in dem Wahne stehn, dass in einer Sprache dasselbe Wort in solchen von einander ganz verschiedenen Formen hätte vorkommen können. Doch noch nicht genug. Der Hr. Hofrath findet das

*) Der ahd. Name Biot-liari müste im Gallischen, wo c

dem deutschen li entspricht (z. B. gall. catii , kymr.

cat, ir. catli aus catii =: ahd. hadu, pugna), Touto-

carius lauten.

1*

Adiatunnu3.

Ableitung aber beweisen die folgenden gallischen Namen: Äntunnus (in dem abgeleiteten Ortsnamen Antunndcum ,^) Itin. Ant., Tab. Peiit. , Ammian.

ahd. diot auch in dem gall. Namen Divitidciis*) (Caes.). Wenn; meint er (153. S.) nämlich, das zweite t in Divitiacus nicht berücksichtigt werden müsse, so sei Dmtacus gleich Diutinc, DeotingW So springt er mit den gallischen Namen nm, um zu be- weisen, dass sie deutsche und folglich die Gallier und die Deutschen dasselbe Volk wären. 1) Antonnacensis castelli promptus ad arces. Veuant. Fortunat. X , 10.

Über die gall. Ableitung äc , läc (kymr. auc, iauc, jetzt awg , iawg = de, täc), die so vielfach missverstanden ward, s. Zeuss 772. S. u. f. und un- sere Abhandlung „Die Bisthümer Norikums" in den Sitzungsberichten der phil.-hist. Kl. der k. Akademie der Wissensch. Wien 1855. 17. Bd. 110. S. 2. Anm., wo wir bei Anlass der Erklärung des Ortsnamens Lauriäcum über jene Ableitung ausführlich gehan- delt und gezeigt haben, dass die Behauptung des Hrn. Hofrathes Holzmann (a. a. 0. 153. S.), die Gallier hätten für Patronymika dieselbe Bildung wie die Deutschen, aber in dialektischer Verschiedenheit, iac für ing gehabt, ein leeres Hirngespinnst ist.

*) Divitiacus ist abgeleitet (wie Valetiäcus , Caes.) von diviti {Divito, Steiner 1829. Nr.) und dieses von divo {Diüo, Steiner 1281. Nr., Divo- durum, Tac, Itin. Ant., Ptol.), wovon Divona (Auson. Cl. urb. XIV, 32), Divico (Caes.), Divicia (Orclli 2780. Nr.) u. s. w., altkymr. diu (Zeuss 116. S.) aus divo, ir. dia = de aus devo (deus; vgl. skr. deva, gr. 3iof für biFOf, lat. divus) , wovon diade (gl. divinus, Zeuss 764. S.),

Adiatunnus. 5

XVIII, 2, 4, in der Not. dig. unriclitig Antonacum) von aiitu (wovon Äntullus^ Grut. 864, 13, Momms. 35. Nr.), Masunnms (Grut. 793, 8) von masu (wo- von Masuinnus ,^) Intelligenzbl. des baier. Reinkr. 1828. 32. Nr. Beil. V. Fig., Masuonia , Steiner 1685. Nr., Masuco, Momms. 295. Nr., Masucia, ebend. 292. Nr.), Cernunnos (Orelli 1993. Nr.) von cernu, Vesunna (Itin. Ant., Grut. 105, 1, Vesunnici, Sidon. Apoll. Ep. VIII, 11) von vesu (wovon ve- subi in dem abgeleiteten Volksnamen Vesuhtdni, Orelli 626. Nr.), Vibunna (Murat. 2073, 1) von vibu u. s. w. Aus diesen Beispielen ergibt sich, dass

1) Bei Steiner 804. Nr. unrichtig masvinnivs und bei Hefner XLII. Dkm. völlig entstellt mansvinivvs. Masuinnus ist von masu (kymr. masw ^= masu, hi- laris, lascivus, petulanS; levis) abgeleitet, wie Ar- ditinna (Grut. 314, 3, Arduenna bei Caes., Tac., Strabo) von ardu (ir. artu, gl. altltudo, Zeuss 70. S., für arddu = ardu, Adj. ardd, altus, ebend., jetzt ard, Subst. u. Adj.; vgl. lat. arduus). Aehnliche Ablei- tungsbildungen s. bei Zeuss 736. S.

jetzt diadha (divinus , religiosus , pius) =:= dete aus devte , devite = gall. diviti, diadliach (divinus, theo- logicus; gäl. diadliach, vir religiosus, rerum divina- rum Studiosus) aus deviiac (ursprünglich devitidc) = gall. Dwitidcus. Im Gallischen erscheint übrigens auch devo , z. B. in Devo-gndta (Muchar, Geschichte des Herzogth. Steiermark. 1, Bd. Gratz 1844, 397. S.), so wie sich auch im Kymrischen das Wort mit e findet, nämlich jetzt dwyw =: duiu := deu aus devo. Über den Wechsel zwischen i und ^ im Keltischen s. Zeuss 116. S. u. f.

6 Adiatminng.

man im Gallischen von Wörtern, die auf u ans- gehn, mit doppeltem n abzuleiten pflegte. Es ist daher bei Athenaeus 'Atiärovi'ro: herzustellen. Was nun das Wort adiatu betrifft, so ist es abgeleitet (wie velatu in Velatu-dürum , Itin. Ant. , helatu in BelatU'Cadrus '), de Wal 31. 32. 34. 35. 298.— SOl.Nr., Belatu-mdra , Heiner CLXXXII. Dkm., BdatuUus, ebend. 280. S., Steiner 1484. Nr.^), Momms. 129. Nr., Belatulla, ebend. 98. Nr., Hefner CCXXXV. Dkm.) von adi (wovon auch Ädianto ') , Momms. 284. Nr.,

1) Für cadrus (kvmr. ca.dr, gl, decorua, Zenas 1098. S., arm. kaer = Tcadr, formoäus, pulcher) erscheint auch cardus {Belatu-cardus , Orelli 1966. Nr.), das man mit Unrecht fiir fabch hält (de Wal 33. Nr.). Solche Lautversetznngen kommen zuweilen vor. So findet man im Kymr. und Armor. gualart '=- valart für yua- latr (jetzt kjmr. gtcahdr, rex, gubemator) = valatr, in dem kymr. Namen Cafgualart (Xenniuä 73. S., Ancient lawä and Institutes of Wales. 1841. Vorr. 4. S.) =^ Catuvaiartus, in den arm. Namen Berthwalart (Courson 1, 9) "=■ Bertoralartus , Ttettivcalari (ebend. 1, 7. 38) = Rectoxalartus (Vgl- Zeuss 795. S.j; im GriecL näprof für npdros, ^paGoi für ^äprsoi (Vgl. goth. gadar», audeo, Stamm dars, litt, drastu), audax, kymr. traha = trasa, arrogantia, snperbia, ir. tresa, tressa j gl. fortior, Zeusa 28.5. S.) u- s. w. ; im Ahd. hrehi für herht, goth. hmrht , clarus, u. s, w.

2) Bei Steiner unrichtig RELArvLifvä) für HELATVLLfvs). Das Wort Mmu ist abgeleitet von hei (kymr. hdy bellnm), das auch mit doppeltem l erscheint {Bdla- tulhu, Grat. 763; 6, Orelli 4983. Nr.).

3) ADiASTosi TovTirjyfn (filio). Stelncr (2040. Nr.) faast Adianttyni unrichtig als Genitiv.

'

.'.31 -

,».■»•-».• » »TTTTTTTTTT « » •^•^» ' i * t t t f i t m t i I c t » i i « i t f t « t ir

.■^«f^*.«.» »»•■fiiiiffiit

t » i t t »f*»ttttttttt

J ^'JJJ *J »•»•iitif»f«t

f i ttt«tiiit«tfttttt«t

H t% *JJ t*«»fittfttl»«

t » $ « t f t t 1 « y f 1 * t I 1 < » t t t i i i t t m t ft « > i t f r f

Adiatunnus. 7

abgeleitet -wie Carantus^), Steiner 261. 801. xsr., von car"^)^ Meduantiim, Tab. Peut. , von medu, u. s. w.) und in dem jetzigen kymr. addiad (deside- rium) =z adiat^) noch vorhanden. Der Xame Adia- tunnus bedeutet demnach etwa cupidus.

1) Kymr. carant (amicitia), wovon die gall. Xamen Ca- rantiUus (Grut. 8, 2), Caranfimis (Steiner 1944. Nr.), Carantcmus (Auson. Mos. 463)^ der kymr. ^ame Ca- rantauc, KararUoc (Lives et" the Cambro Brit. Saints. 101. S.) ^=: Carantäciis, die arm. Namen Kerentin (Courson 1, 37) = Caratitinus, Caranton (Morice 304. S. , Courson 1, 25. 36) abgeleitet sind.

2) Kymr.. ir. car (amicus; vgl. lat. carus), wovon anch der gall. Name Caratits (Momms. 276. Nr.), kymr. caraf , jetzt carad, ir. carad (gl. amor, Zeuss 6. S. : bei O'Reilly amicus) =: carcit abgeleitet ist. Von diesem AYorte entspringen die gall. Namen Caratul- lus (Grut. 862, 2. Steiner 2374. Nr.),, Carati'nus (Grut. 1110, 2) und der altbrit. Name Caratäeus (Tac. Annal. XII; 33 u. oft.*), bei Cassius Dio LX, 20 entstellt KarapaTaKo:, bei Zonar. XI. 10 richtig KapdraKOf). bei den Kymem Caratauc (Lib. Land. 71. 155. S. u. oft.), Caraidcus (ebend. 4. S.), jetzt Caradairg, bei den Armorikem C<irad6c (Courson 2, 12^. Karadüc (Morice 432. S.) = Caratäeus (d. h. plenus amoris).

o) Im Kymr. findet sich auch addiant r= adiani (Vgl. den obigen gall. Namen Adianto) mit derselben Be- deutung.

*) Der Hr. Hofrath Holzmann (152. S.) fahrt die fal- schen Lesarten Curacatus , Caiaracafus, C<iractacus an, um dem Leser zu zeigen, dass sich die britti- schen Namen von den gaUischen deuthch unterschie- den und daher die Britten mit den GalHem nichts

y.vy

.(.«.

6 Adlatunnus.

man im GalHsclien von Wörtern, die auf u aus- gelin, mit doppeltem n abzuleiten pflegte. Es ist daher bei Athenaeus 'Abiärowvo; herzustellen. Was nun das Wort adiatu betrifft, so ist es abgeleitet (wie velatu in Velatu-dürum , Itin. Ant. , helatu in Belatu-cadrus '), de Wal 31. 32. 34. 35. 298. 301.Nr., Belatu-mdra , Hefner CIjXXXII. Dkm., BelatuUus, ebend. 280. S., Steiner 1484. Nr.^), Momms. 129. Nr., Belatidla, ebend. 98. Nr., Hefner CCXXXV. Dkm.) von adi (wovon auch Ädianto '^) , Momms. 284. Nr.,

1) Für cadrus (kymr. cadr, gl. decorns, Zeuss 1098. S., arm. Tcaer = kadr, formosus, pulcher) erscheint auch cardus {Belatu-cardus , Orelli 1966. Nr.), das man mit Unrecht für falsch hält (de Wal 33. Nr.). Solche Lautversetzungeu kommen zuweilen vor. So findet man im Kymr. und Armor. (jualart =: valart für g^ia- latr (jetzt kymr. gicaladr, rex, gubernator) = valatr, in dem kymr. Namen Catgualart (Nennius 73. S., Ancient laws and Institutes of Wales. 1841. Vorr. 4. S.) = Catuvalartus, in den arm. Namen Berthicalart (Courson 1,9) = Bertovalartus, Retliioalart (ebend. 1, 7. 38) =: Rectovalartus (Vgl. Zeuss 795. S.); im Grlech. KCtpTOf für npärof, S-pdöo^ für ^äpffof (^'^gk goth. gadars, audeo, Stamm dars, litt, drasus, audax, kymr. traha = trasa, arrogantia, superbla, ir. tresa, tressa , gl. fortior, Zeuss 285. S.) u. s. w. ; im Ahd. hreht für herht, goth. hairht , clarus, u. s. w.

2) Bei Steiner unrichtig belatvli(vs) für BELATVLLfrs). Das Wort belatu ist abgeleitet von bei (kymr. bei, bellum), das auch mit doppeltem / erscheint (Bella- trdlus, Grut. 763, 6, Orelli 4983. Nr.).

3) ADiANTONi TovTioNis (fillo). Steiucr (2040. Nr.) fasst Adiantoni unrichtig als Genitiv.

Adiatimnus. 7

abgeleitet wie Carantus *), Steiner 261. 801. Nr., von car"^) , Meduantum, Tab. Peut. , von medtc, u. s. w.) und in dem jetzigen kymr. addiad (deside- rium) zz: adiat^) noch vorhanden. Der Name Adia- tunnus bedeutet demnach etwa cupidus.

1) Kymr. carant (amicitia), wovon die gall. Namen Ca- rantülus (Grut. 8, 2) , Carantinus (Steiner 1944. Nr.), Carantonus (Auson. Mos. 463), der kymr. Name Ca- 7'antauc, Karantoc (Lives of the Cambro Brlt. Saints. 101. S.) =- Carantdcus , die arm. Namen Kerentin (Courson 1, 37) = Carantinus, Caranton (Morice 304. S. , Courson 1, 25. 36) abgeleitet sind.

2) Kymr., ir. car (amicus; vgl. lat. carus), wovon auch der gall. Name Caratus (Momms. 276. Nr.), kymr. carat, jetzt carad, ir. carad (gl. amor, Zeuss 6. S. ; bei O'Reilly amicus) = carat abgeleitet ist. Von diesem AVorte entspringen die gall. Namen Caratul- lus (Grut. 862, 2, Steiner 2374. Nr.), Caratinus {ßxwi. 1110, 2) und der altbrit. Name Caratäcus (Tac. Annal. XII, 33 u. oft.*), bei Cassius Dio LX, 20 entstellt liaropaTaKOf, bei Zonar. XI, 10 richtig Ixapäranof), bei den Kymern Caratauc (Lib. Land. 71. 155. S. u. oft.), Caratocus (ebend. 4. S.), jetzt Caradawg, bei den Araiorikern Caradoc (Courson 2, 12), Karadüc (Morice 432. S.) = Caratäcus (d. h. plenus amoris).

3) Im Kymr. findet sich auch addiant = adiant (Vgl. den obigen gall. Namen Ädianto) mit derselben Be- deutung.

*) Der Hr. Hofrath Holzmann (152. S.) führt die fal- schen Lesarten Caracatus , Ccdaracatus , Caraciacus an, um dem Leser zu zeigen, dass sich die britti- schen Namen von den gallischen deutlich unterschie- den und daher die Britteu mit den Galliern nichts

8 Aduatuci.

Aduatuci (H, 4. 16. 29. u. oft). Die Hand- schriften haben Aduatuci^ Atuatuci, Atuatici (V, 38, D d) , Antuatici (ebend., A B C). Die gewöhnliche Lesart ist Aduatuci. Bei Orosius (VI, 7. 9) liest man Aduatici und bei Cassius Dio (XXXIX , 4) 'u^IrovaTiKoi (für '^-^bovarinoC). Es handelt sich hier bloss darum, ob die Ableitung tc oder uc lautet. Aduatici (abgeleitet wie Avatici, Mela II, 5, 4, Plin. III, 4, 5, 'Avarinoi^)^ Ptol. 11, 9, Vindelici, Plin. ni, 20. 24, Tacit. Annal. II, 17 u. A., u. s. w.) ist zwar an sich richtig. Für Aduatuci sprechen jedoch nicht bloss die meisten Handschriften, son- dern auch das nach dem Volke benannte Adua- tuca"^) (Caes.). Aduatuci ist abgeleitet (wie Sunuci, Plin. IV, 17, 31, Tacit. Hist. IV, 66, Bonn. Jahrb. 13, 64, Taranucus^ Orelli 2056. Nr., Tatucus^ Stei- ner 1067. Nr., u. s. w.) von aduat und dieses (wie Gutvuatus, Caes., Nanfuates, ebend., Plin. III, 20, 24, Narrovärai '^), Strabo IV, 204) von adu (wovon auch

1) Unrichtig AvariKoi.

2) S. Drumanii; Gesch. Roms. 3. Bd. (Königsberg 1837.) 332. S. Anm.

3) Unrichtig ISaiTovarai. da a kurz ist. Der Name ist von nantu, kymr. nant (vallis) abgeleitet und be- deutet vallcnses, vallis incolae.

gemein hätten. Er, der vom Brittischen so wenig als vom Gallischen versteht, weiss freilich nicht, dass die von ihm übergangene Lesart Garatäcus die rich- tige ist und dass dieser Name auch bei den Galliern erscheint (Grut. 902, 5), so wie die Britten noch

Aedui. 9

Adua, Tac. Hist. II, 40, Adriua, Plin. III, 16, 20. 19, 23, 'Jbova;, Strabo IV, 192 u. oft.). Das Kym- rische bietet zur Erklärung das Verb, addu (ire) zu adu (Vgl. griecb. a6ff, pedes, Hesych.). Adua- tuci bedeutet daher ungefähr so viel wie hyriKoi (von iVr^f, el/ii), audaces.

Aedui (I, 10—12, 14-19 u. oft.). Die Hand- schriften haben Aedui, Haedui, Iledui. Die ge- wöhnliche Lesart ist Aedui. Schneider und Nip- perdey haben an ihre Stelle Haedui gesetzt. In den Handschriften der übrigen römischen Schrift- steller, die des. Volkes erwähnen, liest man eben- falls Aedui, Haedui, Hedui. Eben so findet man in Inschriften Aedui (civit. Aeduorum, Grut. 371, 8, apud Aeduos, Orelli 2028. Nr., Aedims, ebend. 193. Nr., Aeduo, ebend. 184. = 185. Nr.), Haedui (Haeduorum civit., Momms. 192. Nr.) und Hedui (praef. coh. Heduorum, Orelli 3432. Nr.). Auf Mün- zen erscheint Edui (Annal. de l'instit. archdol. 17, 101, Duchalais 112, 348). Die Griechen (Strab., Ptol., Cass. Dio) endlich schreiben Äibovoi (unrich- tig Albovoi). Über die richtige Schreibung des Namens kann kein Zweifel sein. Das Keltische hat den Laut h nicht, wie er in anderen ver- wandten Sprachen vorkommt'). Wo sich h den- noch in keltischen Namen findet, ist es nichts als

1) Das Nähere s. bei Zeuss 56. S. u. f. 59. 139. S.

viele aridere Namen mit den Galliern gemein haben, zum deutlichen Beweise, dass beide Völker zu einem Stamme gehören.

10 Aedui.

ein Hauch, den die Römer (Schriftsteller und Stein- metzen) vor den reinen keltischen Vokal setzten'). So schrieben sie Hehü für ElviP) , Helvetii für El- vetü^), Hercynia für Ercynia (Ercunid)^). Eben so

1) Es konnte diess wol auch von den Galllern selbst zuweilen geschehen, so wie auch in irischen und bri- tannischen Handschriften h nicht bloss im Anfange der Wörter vorgesetzt, sondern auch in der Mitte zwischen Vokalen eingeschoben wird(S. Zeuss a. a. 0.). Dasselbe finden wir auch im Deutschen, z. B. ahd. herda für er da (terra), hahsala für ahsala (axilla), heber i\\v eher (aper), harbeit iüv arheit (labor) , hubilo für nbilo (male).

2) In Inschriften findet man richtig Elvus (Steiner 1876. S.), Elviiis (Grut. 728, 9), Elvo-rix (ebend. 12, 10), so wie auf einer Münze Elvio-mdrus (Du- chalais 396, 88).

3) In einer Inschrift erscheint richtig Elvetius {Rufus Coutus , Vati fil. , natione Elvetius) Steiner 466. Nr.

4) Bei Aristoteles (Meteorol. 1, 13) 'ApKvvia öpx), bei Eratosthenes nach Caesar (VI, 24) Orcynia, bei Pto- lemaeus (11,10) X)pKvviOf Spviiöi, bei Strabo (IV, 207 u. oft.) 'EpKv i> tof bpvjLiös. Hercyyüa für Er- cynia, Ercunia ist, wie diess Zeuss (109. 829. S.) bereits gezeigt hat, zusammengesetzt aus der Ver- stärkungspartikel er-, kymr. er- (z. B. erfawr -■=■ er- maur, er-viär, magnificus, bei den Armorikern Ermor und Hermorus = Ermdrus, Courson 1, 5. 6), ir. er- (S. Zeuss 867. 834. S.) und cunia von cun , kymr. cwn (altitudo , in Zusammensetzungen Adj. altus, s. Zeuss Vorr. 7. S.) := cun, cynu (surgere) =: cwnM^ erchynu (elevare, exaltare) = er-cunu, erchyniad (ele- vatio) := ercuniat (Vgl. Hercuniates, Plin. III, 25, 28,

Aedui. 11

fügten sie Ti deutschen Namen, die mit dem reinen

'Ephotvidrai , Ptol. II, 14)*). Das Wort c^in findet sich häufig in abgeleiteten und zusammengesetzten kelt. Namen, wie in dem gall. Namen Canatius (Hef- ner CXCIII. Dkm., kymr. cicnad = cunat, elevatio), in den altbrit. Namen Cunetion (Itin. Ant.), Cuiio- belinus (auf Münzen, Monumenta hist. Brit. Lond. 1848. 1, CLIII. CLIV, Cynohellimts, Suet. Cal. 44, Iit)vo/3f AAjvof, Cass. Dio LX, 21), Guno-tamus (Orelli 2779. Nr.), in dem kymr. Namen Conan (Lib. Land. 158. IGO. S. u. oft.), Kynan (Lives of the Cambro Brit. Saints. 266. S.) =: Cunamis, Conoc (Lib. Land. 145. S.), Comic (ebend. 155. 186. S. u. oft.), Ktjnauc, Kinauc (Lives u. s. w. 273. 278. S.) = Cunäcus, ConheUn, Kynvelyn (Lives u. s. w. 92. 265. S.), Cyn- felin (Jolo 102. S. u. oft.) = dem altbrit. Namen Cuno-helinus^ Condaf (Lib. Land. 132. S.) = dem alt- brit. Namen Cuno-tamus , Cunuor , Conmor, Cinmor (ebend. 171. 189. 260. S.) "=■ Cano-mdrus , Cunhran,

*) Im Kyrfr. erscheint auch ar- (Vgl. die griech. Ver- stärkungspartikel dpi , Ipi ), das wir auch im Gallischen in dem Frauennamen Är-ahlia (Steiner 1793. Nr., vgl. Ähilus, ebend. 1449. Nr.) und in dem Fluss- und Ortsnamen Är-lape (Itin. Ant., Not. dign., jetzt Erlaf) finden. 'Apnvvia bei Aristoteles ist daher richtig, so wie sich auch im Kymr. argicn, argon (apex) =■ arcun, arcon {Ärcon, ein Mannsname, Lib. Land. 71. S.), argyniad (elevatio) ^=- arciiniat findet. Derselbe Wechsel zwischen a und e zeigt sich auch in Aravisci (Tac. Germ. 28, 'Apaviönoi, Ptol. II, 14, Araviscus in einer Inschr., Sitzungsberichte der phil.- hist. Kl. der k. Akad. der Wissensch. 11, 329) und Eravisci (Plin. III, 25, 28, Eraviscus in einer Inschr., Ameth, Zwölf röm. Militärdiplome. Wien 1853. 67. S. XXV. Taf.).

12 Aedui.

Vokale beginnen, hinzu (wie Herminones, Hermun-

Conhran, Cinbran (ebend. 142. 145. 148. S.), Krpivran, (Lives u. s. w. 271. S.) = Cuno-bramis , Cynfarch, (Jolo 105. S.) =:^ Cuno-marcus , Conguas (Lib. Land. 165. S.) = Cuno-vassus^) , Maglo-cunus (Gild. Ep. IGl. S.), Mailcunus (Lives u. s. w. 51. S.), Maüco- nus (Lib. Land. 101. S.) ii. s. w. , in den arm. Na- men Cunan (Courson 2, 25), Cono-morus (Morice 16. S.) = Cuno-märus , Cunmarch (Courson 1 , 33) = Cuno- marcus, Cono-maglus (Acta SS. Mart. 1, 258. 15), Cun- maüus (Courson 1, 25) u. s. w. Wie im Britanni- schen, so erscheint auch im Gall. con neben ciin''^) in dem abgeleiteten Namen Conatius (Steiner 2022. S., vgl. oben Cunatiun).

Grimm (Wörterbuch der deutsch. Sprache 1052. S.) ist daher in einen grossen Irrthum verfallen, wenn

*) Kjmr. guass, guas (jetzt gicas, puer, juvenis, servus, kom. guas, icas, arm. was, goas, jetzt ^was) = vass'^ vgl. die gall. Namen Vasso (Steiner 1836. Nr.), Vasso-rix (Orelli 4967. Nr.), Dago-vassus (Steiner 948. Nr., d. h. bonus puer; dago, ir. dag, jetzt dagh, da, kymr. da = dag, bonus, wovon kjmr. daiaion '=■ dagdn, Subst. u. Adj., bonum, beneficium; bonus, beneficus, dai'onus = dagänus, bonus, beneficus, benevolus, benignus, wovon der gall. Frauennarae Dagdnia, Steiner 1601. Nr.), die kymr. Namen Guas- sauc (Lib. Land. 264. S.) = Vassäcus, Guasduin (ebend. 267. S.) ^= Vasso-denus , Drufguas (ebend. 265. S.) = Droto-vassus u. s. w. , die arm. Namen Wesillöc (Morice 331. S.) := Yassilldcus , Penwas (Courson 1, 53) = Fenno-vassus u. s. w. Das gall., brit. vass gehört zum deutschen Stamme wahs (goth. wahsjan, crescere).

**) Über die Veränderung des brit. u s. Zeuss 108. S. u. ff.

Aedui. 13

duri)^)^ während sie es in anderen deutschen Na- men, in welchen es wirklich bestund, tilgten (wie in Arwvi'stus für Hariovistus), Wo sich nun bei den römischen Schriftstellern , wie diess bei den obigen Namen der Fall ist, dieselbe Schreibweise findet, da mag man sie, ein Mal daran gewöhnt, wenn auch an sich unrichtig, beibehalten. Wenn aber, wie im vorliegenden Falle, die Schreibweise so schwankend ist, so hat man sich an jene zu halten, welche die Sprache, der der Name ange- hört, verlangt. Jene Schreibweise aber ist Aedui Bei den Kelten lautete übrigens der Doppelvokal ai, wie er sich noch hin und wieder findet (z. B. Bilcaisio Momms. 123. Nr.). Die Römer aber ver- wandelten das keltische ai, wie das griechische ai, in ae (z. B. Caeroesi, Paemani, Caes., Aenus, Tac). Im Kymrischen wechselt ai mit ae'^). Im Altiri- schen ist die gewöhnliche Schreibung di, woneben auch üi, 6e und de erscheint^); die jetzige Schrei- er meint, „die Griechen und E,ömer hätten aus dem goth. fairgum (mons) mit Wandelung des F in H 'EpKvvia, Hercynius gemaeht". Schon Aristoteles schreibt 'ApKvvia , das nicht (wie 'EpKvvla) aus rö- mischem, sondern aus gallischem Munde, offenbar aus Massilia, nach Griechenland gekommen war. Und wozu hätten auch die Römer, da sie den Laut F hatten, nöthig gehabt denselben in H zu ver- wandeln ?

1) In Arminius dagegen ward von den Römern der reine Vokal bewahrt.

2) S. Zeuss 119. S.

3) Ebend. 37. S.

14 Aedui.

bung ist ao , aoi. Die reine keltische Schreibung des fraglichen Namens ist also Ai'duP) von aidu, aedu, ir. m'd, aed, jetzt aodh (ignis), kymr. aidd (calor, Studium) ziz aid (Vgl. griech. alSo^, goth. at'd?, ahd. ai't, eit, ags. ad, ignis, rogus). Der Name bedeutet demnach ignei. Bei den Iren sind Aid, Äed, Aodh'^) zu Aiduus, Aeduus und Aidan, Aedan, Aodhan zu Akludnus, Aedudnus^) ganz ge- wöhnliche Namen ^). Ausserdem finden wir das Wort noch in dem zusammengesetzten ir. Namen ^e%a^(Annal. IV Magistror. bei O'Conor 3, 279) zzz

1) Die Schreibung Udui erklärt sich durch die Aus- sprache.

2) Der irische Lexikograph O'Reilly stellt unter aodh auch den englischen Namen Hugh (unseren Hugo) : Aodh, Hugh, the proper name of a man. Jenes aodh aber steht für aogh. (Die Laute gh und dh werden häufig mit einander verwechselt.) Hr. Mone liest jene Stelle und behauptet in seiner Schrift: „Die gallische Sprache" (174. S.) ohne weiters, die Eng- länder hätten aus aodh man sollte es kaum für möglich halten Hugh gemacht!! Und wie erklärt er den Namen Aedui'? „Die Endung ui sei der ir. Plur. von ua (-== ö, früher au, Plur. aui, gl. nepo- tes, Zeuss 39. S.), Abkömmling; Geschlecht, die Aedui seien hiernach die Abkömmlinge, das Geschlecht oder das Volk des ^e^"!!

3) Die Endung an ist eine Verkleinerungsform. Sie kommt auch im Kymr., aber mit kurzem a vor. S. Zeuss 281. 303. S.

4) Sie kommen bei O'Conor, Rerum hibernicarum scrip- tores vetcres unzählige Mal vor.

Agedincum. 16

Aedu-galus (Vgl. den ir. Namen Ärtgal zu Ärto-galus, ebend. 239. S.). Bei den Kymern erscheinen eben- falls die Namen Aedd (Jolo 126. S.) m Äeduiis, Aidan (Lib. Land. 77. S. u. öh.)yAeddan (Jolo 106. S. u. oft.) = Aiduanus, Aeduanus ^).

Agedincum (VI, 44. VH, 10. 57. 59. 62.). Von den Lesarten der Handschriften sind hier Agedin- cum und Agedicum anzuführen. Die gewöhnliche Lesart ist Agendicitm. Whitte und Nipperdej ha- ben Agedicum in den Text aufgenommen. Über das Stammwort aged waltet kein Zweifel. Es fragt sich daher bloss, ob die Ableitung mc oder ic lautet. Die erstere bieten die meisten Handschriften, da- runter die zwei besten, die erste bongarsische und die erste Pariser Handschrift. (Die letztere hat an drei Stellen Agedincum und an einer Egedincum) Eben so findet man in den besseren Handschriften des antoninischen Eeisebuches Agedincum (von Par- they und Pinder in den Text aufgenommen) und Agredincum, so wie auf der peutingerschen Tafel Agetincum (für Agedincum). Nur bei Ptolemaeus (II, 7), der so viele keltische Namen unrichtio^ schreibt

1) Man könnte vielleicht die kymr. Namen Äedd, Aeddan zu aedd (Subst. u. Adj,, sonus, clamor, strepitus; so- norus, clamosns, tumiiltuosus) stellen. Aed Ist je- doch mit aid dasselbe Wort. So wird im Latein. clarus , wie im Deutsch, hell, zur Bezeichnung des Lichtes und des Schalles gebraucht. Eben so gehö- ren das goth. hraini, ahd. hraini, hreini (purus) und das altn. hrina (sonare, clamare) zu der gemeinschaft- lichen Wurzel hrin.

16 . Agedincum.

und daher keine entscheidende Stimme hat, er- scheint ^AyibiHov ') (bei Wilberg unrichtig ^Aytjbi- Kov). Die richtige Lesart ist daher ohne Zweifel Agedincum^). Dieser Name ist abgeleitet (wie Äli-

1) Diese Lesart bietet die beste Pariser Haudschrift.

2) Longperier (Revue de philol. 2, 356) theilt eine zu Sens gefundene Inschrift mit, worin agied. vorkommt. Diese Schreibung fällt auf. Das Keltische kennt den Doppelvokal ie nicht. Wollte man aber ein Stamm- wort ayi annehmen , so müste die Ableitung agid lauten. Das Stammwort lieisst jedoch ag , wovon auch der Ortsname Aguntum (Plin. III, 24, 27, Itin. Ant., 'Ayovvroi', Ptol. II, 12, civitas Agountma in einer Inschrift, Hefner CCXXXVII. Dkm.) abge- leitet ist (wie Carnuntum, Vellei. II, 109, Plin. IV, 12, 25 u. A., von cam). Ist daher agied. nicht falsch gelesen für agiid, (^ aged.), so scheint i nach g eingeschoben zu sein, wie die jetzigen Griechen hin- ter ihrem k da, wo es vor ai, ei, r), f, oi und v steht, ein j hören lassen, z.B. KaTöap sprechen sie Kjcesar. Derselbe französische Gelehrte (Revue numismat. 9, 165) liest auf einer Münze afhd und deutet diess auf denselben Ort. Er mag vielleicht Recht haben. Nur ist das H falsch, da der Vokal kurz ist. Es ist auffallend, dass in den griechisch geschriebenen kelt. Namen nicht selten in der Ableitung t) für f gesetzt ist. So liest man z. B. nicht bloss bei Ptolemaeus (II, 8) ISiuijrai'^), sondern auch in einer, wie es scheint, von einem Gallier selbst mit griech. Buch- staben geschriebenen Inschrift nemhton (Blblioth. de

^) Dass der Name des deutschen Volkes Nemetes gal- lisches Ursprunges ist, werden wir in unserer gegen Holzraann gerichteten Schrift zeigen.

Agedlncura. 17

sincum, Itin. Ant. , Vaptncum, ebend., Lemincum, ebend., Tab. Peiit, u. s. w.) von aged und dieses (wie Curveda, wovon Curvedenses, Steiner 1G93. Nr., Voreda , Itin. Ant., Sembedo, Orelli 204. Nr., u. s. w.) von ag. Das Irische hat das Wort aighe (collis) =z age aus aged^). Ägedincum bedeutet wol montanum"').

r^cole des cliartes. II. 4, 312), d. li. sacrum. Dass aber der Vokal kurz ist, bezeugt das Britannische, das dasselbe Wort nemet mit kurzem Vokale hat, z. B. kymr. Neuet (Mabinog. 2, 243) = Nemet (Vgl. den gall. Mannsnamen Nemeto , Mittheilungen des hist. Ver. für Steiermark. Gratz 1853. 3, 99), Guor- nemet (Lives of the Cambro Brit. Saints. 87. S.) =: Ver-nemet, arm. Nemet („silva, quae vocatur Nennet", Morice 368. S.), Cat-nemet, Kadnemet,' Kadneviedus (ebend. 341. 389. 513. S.) Catu-nemetus. Richtig wird daher von Strabo (XII, 567) jdpv-vimrov und von Ptolemaeus selbst Avyovöro-vimrov {\1,Q), Nijus- Toßpiya (II, 5, vgL Nemeto-cenna, Caes.), ISejuiTaraL (kelt. Volk in Gallaecien, II, 5) geschrieben. Venan- tius Fortunatus (I, 9, 9) braucht auch jenes Wort mit kurzem e : Nomine Ver-nemetis *) voluit vocitare vetustas, Quod quasi fanurn ingeris gallica lingua re- fert. Doch beweist diess nichts, da der Dichter kei- nen langen Vokal setzen konnte.

1) Im Irischen fällt das ableitende d häufig ab. Vgl. Zeuss 726. 755. S.

2) Dieselbe Bedeutung hat das oben erwähnte Agunfum (Hie montana sedens in colle superbit Aguntus. Ve- nant. Fortunat. Vita S. Mart. IV, 650). Ag und aged

*) In Britannien erscheint ebenfalls der Ortsname Ver- nevietum (Itin. Ant., bei Parthey und Binder unrich- tig Verometum).

IS Ambibarii.

Diese Erklärung stimmt mit der Lage des Ortes (jetzt Sens) überein ').

Ambibarii (YLL , 75). Die meisten Handschrif- ten, darunter die erste Pariser, haben Ämhibarn. Die gewöhnliche Lesart ist Amhiban. Whitte und Nipperdey haben mit Kecht an ihre Stelle Am- bibarii gesetzt. Der Name ist aus der Partikel ambi-^ kymr. am- (em-^ ym-) =: amm-, amb- (S. Zeussl67. 870. S.), ir. imme-, imm- {im-, zuweilen noch imb-, ebend. 7. 75. 846. S.) aus ambi- (lat. amb-^ griech. aucpi^ ahd. umhi) und bari zusammengesetzt. Jene Partikel^) erscheint noch in mehreren gallischen

bedeuten collis, mons, wie im Kymr. carn (wovon das oben angeführte Carnuntum entspringt) und das davon auf dieselbe Weise wie aged abgeleitete car- nedd :^ carned einerlei Bedeutung (cumulus lapidum) haben.

1) „C'est une ville assise sur une Croupe de montagne, qui l'emporte au penchant vers la rivi^re d'Yonne." Du Chesne, Les antiquitez et recherches des villes, chasteaux etc. de toute la France. Par. 1648. 320. S.

2) Von der Partikel aiuhi ist das gleichlautende Sub- stantiv amhi zu unterscheiden. Von diesem Worte entspringt der gall. Volksuame Amhiani, so wie das ir. imled (gl. ops, copia, Zeuss 75. S.) , Adj. inida (gl. opulentus, ebend. 75. 765, jetzt iomdha) = imhde, imbide, imbiihe, imhite aus amhite , das kymr. amyl (Mabinog. 2, 64), aml (creber, frequens, mul- tus, amplus) = ammil, ambü (Vgl. den gall. Namen AmUllius, Grut. 960, 1). Jenes Wort erscheint auch in dem zusammengesetzten gall. Namen Ambio-rix (Oaes.), den der Hr. Hofrath Holzmann (124. S.) für den ahd. Namen Amhricho {Emhricho , Imhricho, j.

Ambibarü. 19

Namen, wie in den Volksnamen Ämbivareti, Amhi- variti, Amhiliati (Caes.), Amharri (ebend., Liv. V, 34, für Amharari, Araris accolae?), Ämhitouti (Plin. V, 32, 42)'), Amhüontes (ebend. IE, 20, 24, 'J,ußi- öövrioi, Ptol. II, 12. d. h. Isontae accolae)'^), A^- ßiXiKOi^) (ebend., vgl. ylina^^)^ ebend. II, 11, wo- von Licates, Plin. III, 20, 24, Aindnoi^ Ptol. II, 11, d. b. Ltcae accolae), 'Außibpavoi (Ptol. II, 12, d. b. Dravi accolae) , in den Mannsnamen Amhirenus (Ar- netb a. a. O. 44. 66. S. XV. XVIII. Taf., d. h.

Emmrich) erklärt!! Der Professor der deutschen Sprache weiss also nicht ein Mal, dass Ämhricho von ambro (wovon auch der Volksname Amhrones , Liv. Epit. LXVIII, 16) abgeleitet ist. So stellt er gal- lische und deutsche Xamen, die wie die Faust auf's Auge passen, zusammen.

1) Die gewöhnliche Lesart Ist Ämbitui, an deren Stelle Sillig die in mehreren Handschriften vorkommende Lesart Ämhitouti wol mit Recht gesetzt hat.

2) S. Zeuss, Die Deutschen und die Nachbarstämme. München 1837. 242. S.

3) Ebend. 244. S.

4) Ptolemaeus schreibt yliniaf. Dass aber der Name ylihaf heissen muss, beweisst der Volksname Licates, der von dem Flussnamen Lica {Licca bei Venant. Fortunat. Vita S. Mart. IV, 642, Licus in Urk., jetzt Lech, wie er schon bei Fredegar, Chron. 112. K. heisst) abgeleitet ist, kymr. lech {Lech, Ortsname, Lib. Land. 71. S.), jetzt llech, ir. Uac, liacc (gl. la- pis, Zeuss 21. S. vgl. 174. S., auch leacc, Annal. IV Magistr. O'Conor III, 5) -=■ lec (Vgl. alts. leia d. I. leja für lea := leha, lapls). Lica entspricht dem deutschen Flussnamen Steinaha, jetzt Steinach.

2*

20 Ambibarli.

Bern accola), Amhigdtus (Liv. V, 34), endlich in amhacti^) (Caes. ^ A?nhacttis , Ämhacti auf Münzen, Ducl^lais 158. 162. S., Amhactus als Eigenname, Steiner 1116. S.). Die Partikel amhi dient im Kel- tischen auch zur Verstärkung, wie in dem oben angeführten Namen Ambi-gätus (d. h. persapiens; ir. gdtli, gdd =: gdt, gl. intelligens, sapiens, Zeuss 19. S.), in den kymr. Wörtern amdlawd (valde pauper) = amhi-tldt (Vgl. griech. tAt^toV, rXijvai aus der Wurzel raX, wovon ra'Aaf, rdXavo^^ lat. tollere, tolerare, goth. thulan, alts. tholon, ahd. dolen\ amgadr (potens, validus) =: amhicatr, amwiw (per- dignus) = amhivm u. s. w., in den ir. Wörtern imldn, iomldn (perfectus, integer) =: amhüdn {Idn zu lat. plenus\ iomtrom (valde gravis) =z amhitrom u. s. w. Jene Bedeutung hat die Partikel auch in dem fraglichen Volksnamen. Das Wort hari ist das kymr. bar (ira^ furor, ir. hara^ ira) aus hari^ das in vielen Zusammensetzungen erscheint, wie morfar (maris aestus) zz: moribari^ aerfar (pugnae ira ; aei' =z ager , pugna) zz: agrohari (Vgl. den gall. Volksnamen Ver-agri^ Caes. , d. h. pugnaces^ helli- cosi)^ gwrddfar (ardens ira) für gwerddfavz^verdo- harius^ arthfar (saevus instar ursi, ferox) zz arto- harius u. s. w. Im Kymrischen findet sich auch

1) Wir werden in unserer gegen Holzmann gerichteten Schrift das kelt. amhactus erklären und zeigen, dass die alte und von dem Hrn. Hofrathc wieder aufge- wärmte Meinung, dasselbe sei das goth. andhahts^ auf einer groben Unkunde des Keltischen beruht.

Ambiliati. 21

das mit der Partikel amhi- zusammengesetzte AVort ainfar (irae pleniis) tz: amhibarius. Amhibarn be- deutet demnach so viel als furiosi, furibundi.

Ambiliati (in, 9). Die Handschriften, welche der Klasse der interpolierten angehören, haben fälschlich Amlnani. Eben so unrichtig hat Oro- sius (VI, 8) Ämhivariti, die auf dem linken Ufer der Maas wohnten (Caes. IV, 9). Die richtige Lesart Ämhiliati hat Oudendorp bereits in den Text aufgenommen. Der Name ist aus der Par- tikel ambi- , die hier ebenfalls verstärkt, und aus lUati zusammengesetzt. Dieses Wort erscheint auch als Eigenname {Hiatus^ Grut. 670, 3) und ist von ili abgeleitet (wie Teddiatius, Steiner 1849. Nr. von teddi, Magiatus, Orelli 1987. Nr., von magi^) u. s. w.). Es ist das kymr. Uiad (fermentatio , iliaio ziz iliau^ fermentare; vgl. ahd. tJJan, festinare, ags. tlan, fer- vere, festinare, altn. ilr, calor, tepor) z= iliat'^), dessen Bedeutung hier im bildlichen Sinne zu neh- men ist. Ambiliati bedeutet daher so viel als aestuosi.

Ambivareti (VII, 75. 90). Dieser Name ist an der ersten Stelle in den Handschriften mehr- fach entstellt. Eine jener Entstellungen, die in

1) Davon entspringen auch die gall. Namen Magidnus (Momms. 241. Nr.), Magissus , Magissnts (Orelli 1395. Nr.), Magidius, Magidia (Grut. 983, 10), Ma- giäcus (Orelli 4900. Nr.). Das Stammwort magi er- scheint auch in dem zusammengesetzten gall. Namen Magio-rix (Steiner 823. Nr.).

2) Früheres t verwandelt sich im späteren Kymr. in der Mitte und am Ende in d.

22 Ambivareti.

mehreren Handschriften vorkommt, ist Amhluareti. Dieses Ungetliüm Imt Nipperdey in den Text auf- genommen. Dort liat man, Avie diess oft der Fall ist, fälschlich / für i gelesen. So findet man z. B. bei Livius (XXXVIII, 19) Comholomdrus für Coni- hoiomdrus [Com-hoio-nidrus] und auf der peutinger- schen Tafel Bolodürum für Boiodürum {Boiobovpov^ Ptol. n, 11, Boiodoruvi^ Itin. Ant. ^), Not. dign., für BoiodüruTti). Dass dann das folgende v tm u werden muste, versteht sich von selbst. An der zweiten Stelle ist der Name in den Handschriften in Ämhüareti entstellt. Diese Lesart hat Nipperdey ebenfalls in den Text aufgenommen. Dass aber hier von demselben Volke, wie dort, die Rede ist, hat Nipperdey (106. S.) selbst eingesehen. Die ge- wöhnliche Lesart Arnhivareti ist vollkommen richtig. Der Name ist zusammengesetzt aus der Partikel amhi- und vareti und dieses abgeleitet (wie Toce- tus, Orelli 2049. Nr., Lusetus, Dicetus^ Lugetus, Di- setus, Steiner 1042. 1466. 1484. 1621. Nr.) von var. Jenes Wort erscheint öfters in kymr. Namen, wie Catguaret (Lib. Land. 188. 189. S. u. oft.) = Ca- tuvaretus, Domnguaret (ebend. 199. S.) =z Domno- varetus, Elguaret (ebend. 158. S.) =z EUovaretus, (Vgl. die kymr. Namen EU, ebend. 177. S., EUau =1 Eliavus, ebend. 217. S., und die gall. Namen Elius, Elia, Steiner 1754. 1891. Nr.), Tecguaret (Lib. Landt 239. 265. S.) - Tacio-varetus'^). Im

1) Auch mehrere Handschriften des antonni. Reisebuches haben fälschlich Bolodorum.

2) Im Britannischen wird kurzes a durch folgendes i in

Ambivaretl. 23

jetzigen Kymrisclien findet sich gwared (liberatio, ereptio, expeditio, redemptio ; givared und gioaredu^ Verb., liberare, eripere, expedire, redimere) zu va- ret, gwara (Subst. u. Verb., defensio, munitio; de- fendere, munire) = vara (Vgl. skr. vr, arcere, prohibere, goth. varjan, prohibere, ags. verjan, prohibere, defendere, ahd. loara, intuitio, conside- ratio, protectio, ags. loaru, cautio, ahd. warjan, werjan, prohibere, inhibere, defendere, loari, weri^ propulsio, propugnaculum, clypeus). Die Partikel amhi- drückt nun ausser den oben angegebenen Bedeutungen im Kymrischen und Irischen auch die Gegenseitigkeit aus (S. Zeuss 487. 870. S.) und erscheint im Kymrischen in dieser Bedeutung in der Form em- , ym-. Der Name Amh'vareti lässt sich daher durch mutuo se defendentes erklären, so wie auch im Kymrischen ym-icared (Subst. u. Verb.) =z amhwaret mit jener Bedeutung vor- kommt^). Der Name könnte aber auch von der

e veiTvandelt und zwar so, dass i nicht selten weg- fällt (S. Zeuss 97. S.). So ist tec (in Tecguaret), jetzt teg (serenus, pulcher, bellus, venustus) = taci, wo- von der kymr. Mannsname Tacit (Ancient laws and Institutes of Wales. Vorr. 5. S., Lives of the Cam- bro Brit. Saints. 82. S.), jetzt Tegyd, der auch bei den Galliern vorkommt. S. unsere Beurtheilung der hefnerlschen Schrift ,,Das römische Bayern" In den Gel. Anzeigen der k. baier. Akad. der WIss. 1854. Hist. Kl. 7. Nr.

1) Owen übersetzt ymwared In der Belegstelle mit af- fordlng mutual defence.

24 Andecavi.

Stellung des Volkes hergenommen sein und circum muniti bedeuten.

Andecavi (II, 35. HI, 7. VII, 4). Die Hand- schriften haben an der ersten Stelle ÄJides (Akk.), an der zweiten m Andibus (Eine Handschr. hat nach Schneider in Andegavis) und an der dritten Stelle Andos. Die gewöhnliche Lesart ist an der letzten Stelle Andes. Nipperdey hat Andos in den Text aufgenommen. Dasselbe Volk heisst nun bei Pli- nins (IV, 18, 32) und Tacitus (Ann. III, 41) An- decavi, bei Ptolemaeus (11, 7) 'ilvbinaovai für 'Avbc'- naovoi, in dem aus des Kaisers Honorius Zeit stammen- den Verzeichnisse der gallischen Provinzen') An- dicavi für Andecavi^ bei Orosius (VI, 8) Andegavi. Auf einer Münze findet man ÄNDECAr"^). Bei Cae- sar ist daher der Name offenbar verdorben^) und Andecavi herzustellen. Dieser Name ist aus der Partikel ande-, ir. ind- {int-, inn-, in-^ Zeuss 848. S. u. f.) aus ande (deutsch and-^ griech. dvri) und

1) Notitia provinciarum et civitatum Galliae bei Sirmond, Conc. Gall. Par. 1629. 1. Bd. nach der Vorr.

2) Eckhel, Doctrina numorum veterum. 1, 72.

3) Man liest zwar bei Lukan (I, 439) Andus, allein je- ner Vers ist erwiesener Massen unecht. Der Name Andes oder Andi wäre zwar an sich nicht unrichtig. Bekanntlich heisst auch Vergils Geburtsort Andes (Donati vita Vergil. 1. K.). Ferner finden sich die gall. Nanion Andus (Grut. 873, 12) , Andiccus (Stei- ner 430. Nr.). Allein nicht selten sehen verdorbene Namen wie echte aus.

Andecavi. 25

cavi zusammengesetzt. Jene Partikel erscheint noch in mehreren gall. Namen, wie in den Mannsnamen Ändedünis (Arneth a. a. 0. 28. S. 1. Taf.) , Ande- hrocirix [Ande-hroci-rix^ Grut. 921, 2), Ander oudus (Murat. 1577, 3), Andiourus (Ande-wurus ^ Steiner 2379. Nr.), in den Ortsnamen Andeca7nulum (wo- von Andecamulenses, Orelli 1804. Nr.), Andematim- num (Itin. Ant., Tab. Peut., bei Ptol. II, 8 unrichtig * Avbojudrovvvov für ' AvbEuärovvvov)^ Anderitum (Tab. Peut, bei Ptol. II, 6 unrichtig " Avb^ixjhov für ' Av- bdpiTov)^)^ Andetannale (Itin. Ant, bei Parthey und Pinder unrichtig Andetliannale). Das zweite Wort erscheint in dem Ortsnamen MrjXo-navo^ (Ptol. II, 10, bei Wilberg unrichtig MrjXönaßo^). Im Kymrischen findet sich caio (ligamen) =z cav (Caio z= Cavus, Mannsname, lolo 116. S.), caivi'au (l[ga,re) zz caviau. Ist es nun erlaubt die Partikel ande- hier, wie das griech. dvri-^ in der Bedeutung invicem zu neh- men, so könnte Andecavi durch invicem juncti, foederati erklärt werden.

1) In Gallien erscheint noch ein anderes Andei'itum, wovon die Anderitiani in der Not. dign. (bei Böcking 2, 119 unrichtig Anderetiani) benannt sind. Das zweite Glied des Namens {ritum) erscheint noch in mehreren Ortsnamen, wie Av^ovaro-pirov (Ptol. II, 6, auf der Tab. Peut. entstellt Ausritam) j Ovayö-pirov (Ptol. II, 7), Aanö-pirov (ebend. II, 10), Camho- ritum*) (Itui. Ant.), und ist das kymr. riV (gl. vadum, Zeuss 1079. S.), jetzt rhyd.

*) Die gewöhnliche Lesart Camhoricum ist falsch. Zwei Handschriften haben richtig Camboritum.

26

Andecumborius.

Andecumborius (II, 3). Die Handscliriftn ere- ben Andocurnhorius (ABCE u. zwei vatikaiiijiie), Andecumborius (nach Oudendorp), Andecomhoriu i d), Andehrogius (a, wo cumhorius über hrogtus gescrie- ben ist, e f ). Die übrigen Lesarten der Handsorif- ten verdienen keine Erwähnung. Die gewöhiiche Lesart ist Antehrogius. Schneider und Nipprdey haben an ihre Stelle Andommhorius gesetzt. Die Handschriften bieten also zwei ganz verschioene Namen, von welchen merkwürdigerweise der «ine so richtig als der andere gebildet ist. Andehrqius nämlich ist zusammengesetzt aus der oben age- führten Partikel ande- und hroghis von hrox (rz hogs, wie rix =: rigs)^ Gen. hrogis, kymr., arm. ^o (terra, regio, patria) =: hrog^). Dieses Wor er- scheint in den gall. Namen AUo-hrox (Horat. h]p. XVI, 6, Juv. VII, 214), Plur. Alhhroges^), (Ges.,

1) Früheres g fällt im späteren Kymrischen und Ano- rischen in der Mitte und am Ende weg.

2) Ällohrox, zusammengesetzt aus allo, kjmr. cM(ävA) und brox, ist das jetzige kymr. allfro {all-brt = allohrog und bedeutet wörtlich alienigena , wi* die kymr. Wörter allfud {tat, populus, regio) = cU/tot, allotout und allwlad {aU-giolad , regio, terra, prrin- cia, rus) ^ allovlat. Den Gegensatz von AUofox, Ällohroges bildet der kymr. Volksname Cymro (Cymro) Cymhrog*), Combrog, Combrox, Flur. CjmrjfiGymiry)

*) Das Armorische hat Kenvro {Ken-bro, contcrranei.i = Kenhrog , Konbrog , Komhrog (Vgl. den |kymr.NV men Cenbresel, Conbresel, Combresel, Lib. Land. 21. 202. 191. S.). S. Zeuss 873. S.

' i,i t f i- « f ,ft « i * i^t |f%^i

I 9, tim^iiji:.^ i K i * t f f f t:-! t 1

1 f »:»^i;,fri^-.i i r t i:,g f t *,'f:'*;1l, *

«ff«, t. t .t i » i t ff t f f ff. ' I i,<t^ i i..» I ft I. « t I t t. t I t'%

1 t i f i^t^tij i * iti^t t i f t i:f •■

1 .1

Andecuraborlus.

27

L?., Mela, Plin., Grut. 225, 5. 298, 3, 'JXAoßpo- ^., Ptol. n, 9, bei den übrigen Griecben unricb- ti; "AXXößpiye^) ') , Brogi-tarus, Brogi-mdrus, Brogi- 7wra (S. oben die 3. S. Anm.). Andebrox bedeutet da- hc wörtlich aVr/x-^co^, regio contraria und folglich Adebrogius regionis contrariae incola. Dass es aber bi den Kelten solche persönliche Namen, die eine Öiiiche Beziehung hatten, gab, werden wir sogleich soen. Was dann die Lesart Andocumhorius be- tiift, so ist das erste o, wie diess oft vorkommt, Ol verlesenes e. Andecumhorius ist aus der Par- tie! ande und aimhorhis zusammengesetzt. Das Icztere ist abgeleitet (wie Celorms^ Steiner 1089. Nr., VIorius, ebend. 1695. Nr., Cortorius, wovon Cor- tridcum, Not. dign. , vgl. Duro-cortorum, Caes.,

=: Cymhryg, Combroges*) , d. h. conterranei, popu- läres, jcarpi(a)rat (S. Zeuss 226. S.), so wie dem kymr. alltüd z=. allotout (alienlgena) der gall. Name Con-toutus (Duchalals 17, 31) d. li. conterraneus und dem kymr. allwlad z=^ allovlat (allenigena) cywlad = covlat {convlat) d. h. conterraneus, entgegengesetzt ist. 1) Von den ÄUohroges erbielt ihr Besieger Q. Fabius Maximus bekanntlich den Beinamen Ällobrogicus (Vellei. II, -10, Grut. 406, 6).

*) Eines der vielen Beispiele , zu welchen Albernheiten die Unkunde der kelt. Lautverhältnisse führt, ist die von mehreren Schriftstellern (z. B. Diefenbach) auf- gestellte Behauptung, dass der (erst nach dem Ein- falle der Sachsen in Britannien aufgekommene) Name Cymmj (=^ altem Comhroges) eins mit den alten Na- men Cimmerii und Cimbri sei!!

* .f.: t

WB'' iii W '►■v ^^- ''i

26 Andecumborius.

Andecumborius (II, 3). Die Handschriften ge- ben Andocumhorius (ABCE u. zwei vatikanisclie), Andecumborius (nach Oudendorp), Ändecomhorius (d), Andehrogius (a, wo cumhorius über hrogius geschrie- ben ist, e f ). Die übrigen Lesarten der Handschrif- ten verdienen keine Erwähnung. Die gewöhnliche Lesart ist Antehrogius. Schneider und Nipperdey haben an ihre Stelle Andocumhorius gesetzt. Die Handschriften bieten also zwei ganz verschiedene Namen, von welchen merkwürdigerweise der eine so richtig als der andere gebildet ist. Andehrogius nämlich ist zusammengesetzt aus der oben ange- führten Partikel ande- und hrogius von hrox (zz: hrogs, wie rix =: rigs)^ Gen. hrogis, kymr., arm. hro (terra, regio, patria) = hrog^). Dieses Wort er- scheint in den gall. Namen Allo-hrox (Horat. Ep. XVI, 6, Juv. VII, 214), Plur. Allohroges'), (Caes.,

1) Früheres g fällt im späteren Kymrischen und Armo- rischen in der Mitte und am Ende weg.

2) Allohrox, zusammengesetzt aus allo, kymr. all (allus) und hrox, ist das jetzige kymr. allfro (all-bro) =■ allohrog und bedeutet wörtlich alienigena, wie die kymr. Wörter alltud {tut, populus, regio) "-^ allotot, allotout und allwlad {all-g^olad, regio, terra, provin- cia, rus) '^=- allovlat. Den Gegensatz von Allohrox, Allohroges bildet der kymr. Volksname Cymro (Cymmro) 1= Cymhrog'^^, Gomhrog, Comhrox, Plur. Cymry {Cymmry)

*) Das Armorische hat Kenvro (Ken-hro, conterraneus) =■ Kenhrog , Konhrog , Komhrog (Vgl. den jkymr. Na- men Cenhresel, Conhresel, Comhresel, Lib. Land. 22L 202. 19L S.). S. Zeuss 873. S.

Andeciimborius. 27

Liv., Mela, Plin., Grut 225, 5. 298, 3, '^AAo/?po- yq, Ptol. n, 9, bei den übrigen Griechen unrich- tig 'u4XX6(3piyE;) ') , Brogi-tarus, Brogi-mdrus, Brogi- mdra (S. oben die 3. S. Anm.). A^idehrox bedeutet da- her wörtlich dvrix^(£)V, regio contraria und folglich Andehrogius regionis contrariae incola. Dass es aber bei den Kelten solche persönliche Namen, die eine örtliche Beziehung hatten, gab, werden wir sogleich sehen. Was dann die Lesart Andocumhorius be- trifft, so ist das erste o, wie diess oft vorkommt, ein verlesenes e. Andecumhorius ist aus der Par- tikel ande und cumhorius zusammengesetzt. Das letztere ist abgeleitet (wie Celorms^ Steiner 1089. Nr., Velorius, ebend. 1695. Nr., Cortorius, wovon Cor- toridcum, Not. dign. , vgl. Buro-cortorum, Caes.,

=: Cymhryg , Comhroges*) , d. h. conterranei, popu- läres, TtarpiwTai (S. Zeuss 226. S.), so wie dem kymr. alltiid =: allotout (alienlgena) der gall. Name Con-toutus (Duclialais 17, 31) d. h. conterraneus und dem kymr. allwlad =. allovlat (alienigena) cyivlad :=■ covlat {convlat) d. h. conterraneus, entgegengesetzt ist. 1) Von den Allohroges erliielt ilir Besieger Q. Fabius Maximus bekanntlich den Beinamen Allohrogicus (Vellei. II, '10, Grut. 406, 6).

*) Eines der vielen Beispiele , zu welchen Albernheiten die Unkunde der kelt. Lautvei-hältnisse führt, ist die von mehreren Schriftstellern (z. B. Diefenbach) auf- gestellte Behauptung, dass der (erst nach dem Ein- falle der Sachsen in Britannien aufgekommene) Name Cymry (=^ altem Comhroges) eins mit den alten Na- men Cimmerii und Cimhri sei!!

28 Andecumborius.

Gesoi'ius^ wovon Gesoridcum, Plin. R^, 16, 30, Itin. AntJ), rr)6opianov, Ptol. II, 8^), u. s. w.) von cumb^ kjmr. cwmm, cwm (vallis, convallis) zu cumh ^) (Vgl. griech. nviußrj, nvjußo;). In Gallien erschei- nen mehrere Orte, die Cumba, Cumbü^) heissen. Eben so ward im Kymrischen jenes Wort häufig zu Ortsnamen gebraucht, z. B. Cumm (Lib. Land. 165. S.) zu Cumba, Cum Mouric, Cummouric (ebend. 161. 265. S.) =z Guinba Mauricü, Cum Barruc, CumbarruG (ebend. 154. S.) = Cumba Bar ruci. Ände- cumba bedeutet demnach wörtlich vallis contraria.

1) Bei Partliey und Piiider unrichtig Gessoriacum. Ge- S07-IUS ist abgeleitet von ges, das in mehreren zu- sammengesetzten Namen erscheint, wie Volu-ges^is (Hefner 280. S.) , T/^crd-Souvov (Ptol. -II, 12). Von jenem Worte entspringt auch der Name Gesatia (Hefner CCXLVIII. Dkm.). '

2) Bei Wilberg unrichtig Ft^c^oppianov.

3) Das Kymr. leitet von ciwib das Wort cwmarch (con- vallis, vallis angusta) '-^^ cumharc ab, das Owen fälschlich für eine Zusammensetzung hält. Jenes Wort ist abgeleitet wie kymr. alarch (olor) = alarc, gall. emarcus (Colum. III, 2, 25, Plin. XIV, 2, 4), Isarci (Plin. HI, 20, 24).

4) Pardessus, Diplomata ad res Gallo - Francicas spect. 2. Bd. (Par. 1849) 10. 39. S., Polyptique de l'abbd Irmion par Gudrard. 2. Bd. (Par. 1844) 131. 179. S., Valesius, Notit. Galliar. (Par. 1675) 415. S.

Aus dem gall. cumba ging das altfranz. combe (convallis) hervor. Diez (Etymol. Wörterbuch der roman. Sprachen. 107. S.u. f.), dernicht weiss, dass das jetzige kymr. cwm z= cumm, cumh ist, leitet je- nes Wort aus dem lat. concava her!

Andecumborliis. 29

Dieses Wort ist eben so gebildet wie die griecli. Wörter dvTix^dii^, dvTiTtoXi^. (Ein von den Mas- siliern gegründeter Ort heisst Äntipolis, Mela, Plin., Strabo u. A.) Solche aus Partikeln und Haupt- wörtern zusammengesetzte Wörter und Namen sind im Keltischen ganz gewöhnlich, z. B. gall. are-mori (kymr. arfor, arm. arvor zz ar7nor^) aus aremori, terra ad mare sita , maritima) , wovon aremoricus (arm. arinoric , jetzt arvorek, TrapcjKiavioi;^ mariti- mus, s. unten Aremoncae civitates), Con-trebia'^) (dwoiKia^ s. unten Ätrehates), kymr. cyt-tref (coha- bitatio, öwoiKTf^i^) zu cü-treh, cet-treb aus cata-treha (S. unten Catamantdloedis), tra-mor (regio transma- rina, transfretana) , arm. tre-coet (silva ulterior, in Pou-trecoet, „pagus trans silvam", Courson 1, 5. 32. 50). Andecumhorius bedeutet daher vallis con- trariae incola. Im Irischen findet sich das abge- leitete cumar , comar (vallis) zz cummar , commar, cumbar, comhar. Hiernach lässt sich auch ein Wort andecumbor (vallis contraria) aufstellen. Auf die- selbe Weise ist das gall. commontor, das in dem Namen Kojujuovröpioi; (Polyb. IV, 45. 46 unrichtig KojuopTopio^) erscheint, gebildet. Jenes Wort ist nämlich aus der Partikel com- (für con-, s. unten Co7ico7metodumnus) und montor (ir. montar , muntar,

1) Früheres m verwandelt sich im späteren Brltanni- schen in der Mitte in u, v , w, f (S. Zeuss 129. S. u. ff.) Die jetzige Schreibung im Kymr. ist/", im Arm. V.

2) Trehia von treha (kymr. treh, jetzt tref , habitaculum, vicus, oppidum), wie griech. oinia von oihos.

30 Andecumborlus.

muinter , gl. familia, Zeuss 18. 743. 744. S., bei O'Eeilly muinntear , muintir , populus, familia, tri- bus) zusammengesetzt. VioiuLjmovTÖpio^ ist demnach ungefälir gleicbdeutig mit dem griecli. cTu^gjrAo,'. Auf diese Weise kann aucb der Name Ändecumho- rius gebildet sein. Im Keltischen sind solche Wör- ter und Namen, die mit Partikeln zusammenge- fügte Hauptwörter sind und adjektive Bedeutung haben, so häufig wie im Griechischen. So bedeutet z. B. im Kymr. arfor zz armor , aremori sowol terra maritima als maritimus, tramor sowol regio transmarina als transmarinus, cjt-ty ^) -zu ci'tü'g , cettig aus catatig sowol contubernium als contubernalis. Diese Wörter würden als Adjektive im Alten are- moriiis , tramoriiis , catatigus lauten. Beispiele aus dem Gallischen sind die Namen Amhi-renus (S. oben Amhibarn\ d. h. circum Renum habitans, Rem ac- cola, Amhi-dravi (S. ebend.), d. h. circum Dravum habitantes, Dravi accolae, Con-toutus, d. h. conter- raneus, Ttarpioörrj^^ Are-late (S. unten Aremon'cae civitates), d. h. in luto sita (S. unten Latovici). In diesen Zusammensetzungen erscheinen die Haupt- wörter mit unveränderter Endung, in anderen mit Ableitungssilben, wie Gommontorius , Are-hrigium (Itin. Ant., Tab. Peut.) , d. h. in monte situm, monta- num (S. unten Magefohriga) u. s. w. Dass es nun auch bei den Galliern persönliche Namen, die eine örtliche Beziehung hatten, gab, beweisen die Manns-

1) Ty =z tig, ir. teg, Gen. tige (gl. domus, Zcuss 72. S.); jetzt teagh und tigh. Vgl. griech. Ttyof, lat. tegere, ahd. dach, ursprüngl. tliak.

Aremoricae. 31

namen Amlnrenus, Litaviccus (bei Caes. und in einer Inschrift, Bullet, monmnent. 17, 310), Litavicos {md einer Münze, Duclialais 116, 357), AiTaovinö:;^) (Cass. Dio XL, 37), d. h. e terra litorali oriundus (S. unten Litaviccus).

Wenn nun gleicli die Lesart .Ändebrogius^ wie wir gezeigt haben, sprachlich richtig ist, so ist doch die andere von den guten Handschriften ge- botene Lesart Andecumhorius unbedenklich vorzu- A.^ ^ ziehen.

Aremoricae (civitates, V, 53. VIT, 75. VIU, 31). Die Handschriften und Ausgaben haben Armoricae. Hier ist der Endvokal der Partikel are- weggelassen. Dergleichen Weglassungen kommen zwar zuweilen in zusammengesetzten Namen vor; indes zweifeln wir sehr, ob jene Schreibung von Caesar selbst herrührt. Man findet nämlich nicht bloss bei Pli- nius (IV, 17, 31) Ay-emoi'ica^ sondern auch noch bei Ausonius Aremorica (Prof. X, 24), Aremorici (Ep. IX, 35), bei Kutilius (Itin. 1, 213) Aremoricae und bei Sidonius Apollinaris Aremoricus (Carm. Vn, 247. 369), Aremorici (ebend. VE, 548). Diese Dichter stammen bekanntlich aus Gallien und hät- ten wol die andere Schreibung, wäre sie dort üb- lich gewesen, gebraucht, da die richtige dem He- xameter Aviderstrebt und von ihnen daher das kurze e in are- verlängert werden muste '). Jene Schrei-

1) Unrichtig AiTaovinof.

2) Z. B. Ausonius (Ep. IX, 35) : Sunt et Aremorici qui laudent ostrea ponti.

32 Aremorlcae.

bung finden wir zuerst bei Eutropius (IX, 21), dann in der zu Anfange des fünften Jahrhundertes verfassten Notitia dignitatum (bei Bö'cking 2, 106), bei Orosius (VI, 11) und Zosimus (VI, 5 unrichtig ''^pjuopixoi; für "^p^OjjiKo;). Sie ward die gewöhn- liche'). Man liest daher auch bei dem Dichter Venantius Fortunatus (III, 8, 3) aus dem sechsten Jahrhunderte Armori'cus. Es ist demnach mehr als wahrscheinlich, dass diese späte Schreibung eines allgemein bekannten Namens erst durch die Ab- schreiber in Caesars Kommentare kam. Gesetzt aber auch , Caesar hätte wirklich Armoricae ge- schrieben, so kann diess für uns kein Grund sein, diese Schreibung beizubehalten. Denn es handelt sich hier nicht um einen eigenen Ausdruck des Schriftstellers, sondern um ein fremdes Wort, des- sen wahre Form herzustellen die Aufgabe der ver- ständigen Kritik ist. Jene Form aber ist Aremo- ricae^ zusammengesetzt aus der Partikel are-, kymr. ar- (ad, in), ir. cur-, ar- (er-, tr-^ Zeuss 839. S.) und moricus. Die Partikel are- findet sich in meh- reren gall. Namen, wie Are-comici (Caes., Mela 11, 5, 2, Plin. m, 5, 7, bei Sti-abo IV, 186 'Aprjno- luinoi^) für 'ApEKOMinoi^ bei Ptol. II, 9 unrichtig 'ApiKÖjuioi)y Are-late (Caes., Mela 11, 5, 2, Plin.

1) Am Ende des hierosolym. Rcisebuclies (bei Wesse- ling G17. S.), findet man unter der Aufschrift de ver- bis galllcis noch die richtige Schreibung Aremorid mit der säubern Erklärung : ante mare. Are ante ; Mori dicunt mare et ideo Morini, Marini.

2) Bei Kramer unrichtig 'Apr^KOjai^Koi.

Aremorlcae. 33

HI, 5, 7, "ApeXarc^ Strabo IV, 181, Ärelatmn, Tab. Peut., Itin. Ant., wo auch Arelate vorkommt, 'Ape- [o Aaroz/*), Ptol. 11, 9, Ärelas, Auson. Cl. m'b. VIII, 2, Ep. XXIV, 81 u. A.), Äre-hrigium (Itin. Ant., Tab. Peut.) , Äre-hrignus (pagus , Eumen. Grat. act. Const. 6. K.). Das Wort moricus ist abgeleitet (wie comi- cus in Are-comici, Rauricus, Arneth a. a. O., Büi- cus, Momms. 252, 33, Grannicus, Bullet, monum. 17, 309, Verh'cus, Scbriften des bist. Ver. füi- In- nerösterreich. 1, 36, u. s. w.) von mori, kymr., körn., arm. 7nor, ir. 77iuir (Gen. mord) aus mori (altdeutsch mari, lat. mare). Dieses Wort erscheint noch in mehreren keltischen Namen, wie Morini (Caes., Verg. Aen. VIII, 727, Mela HI, 2, 7, Plin. IV, 17, 31. XIX, 1, 2 u. A., d. h. maritimi, maris accolae), Mori-tasgus"^) (Caes.), Mori-marusa („hoc

1) Unrichtig ApeXärov , da a kurz Ist.

2) Der Hr. Hofrath Holzmaun (148. S.) „möchte auch den alten Namen Moritasgus bei Caesar in Modiras- gus ändern und im Femininum in der Modorascva des Reraigius wieder finden'', um seiner Grille, dass die Gallier und Deutschen dasselbe Volk wären, eine Stütze mehr zu geben. Dass aber der Name Mori- tasgus (Von dem zweiten Gliede des Namens ent- springt Tasgetius bei Caes. und auf einer Münze, Duchalais 124, 371, wie Taretius , Steiner 1G38. Nr., von tar , Cingetius, ebend. 645. Nr., von cvng, Moge- tius , Murat. 875, 2 von tnog , u. s. w.) nicht nur vollkommen richtig ist, sondern ausser Caesar auch in einer Inschrift (Orelli 2028. Nr.) als Gottesname erscheint (Bei den Kelten führen Götter und Men- schen nicht selten dieselben Namen, z. B. der gall.

3

34 Aremoricae.

est mortuum mare", Plin. IV, 13, 27), Mori'-dünum (Itin. Ant, bei Parthey und Pinder unrichtig Mu- rzdunum^), auf der Tab. Peut. entstellt Bidunum, beim Geog. Rav. V, 30 richtig Moridünum^ d. h. arx maritima), Mopi-ndußy^) (ettfxuö'ff, Ptol. II, 2,

Gottesnarae Avicantus, Orelli 2033. Nr., findet sich noch bei den Armorikern als Mannsname Eucant :zz Avi-cant, Morlce 307. S. vgl. Zeuss 97, S.): das ist dem Hrn. Hofrathe , der vom Gallischen, worüber er sich ein Urtheil anmasst, nicht das Jota versteht; freilich unbekannt.

1) Die Handschriften haben an der zweiten Stelle (234. S.) Moridunum.

2) Der zweite Thell des Namens ^lopi-nämßt) ist das kymr. , ir. camm, cam (ciirvus) —- camh (Vgl. gotli. hamfj alts. lutf =: liamf, ciirvns, ahd. hamf, mancus, griech. liaj.inr) , «a/iTr-ToV), das häufig in keltischen Namen erscheint, z. B. in den gall. Namen Camho (Hefner LXVI. Dkm.), Camlms (Fl. Kamp, Eginhard, Annal. bei Pertz, Mon. bist. Germ. 1, 77), Cavibo- num (Itin. Hierosolym.), Gamhidcum (Pardessus a. a. O. 1, 59), Camho-lectri (Plin. IV, 19, 33), Cambio- vicenses (Tab. Peut. , richtiger Cambovicenses von Gamho-vicus , d. li. curvus vicus; kymr. guic, jetzt gwig , körn, guik z=. vic , ir. fich ■= vic , vicus), Cambo-dünum{l\\\\. A.\\i*), Tab. Peut., Cami. in einer Inschr., Hefner CXLVII. Dkm., Tlaßßohowov, Strabo IV, 206, Ptol. II, 11, d, h. arx curva), in dem altbrit. Namen CambodCinum (Itin. Ant.), in den kymr. Namen Caman (torrens „proptcr vallium ita vocaba-

1

*) Bei Parthey und Pinder unrichtig üampodunum. Die besten Handschriften haben an zwei Stellen Cambo- dunum.

Aremoricae. 35

d. h. mare curviim). Diesen altkeltischen (gall. und brit.) Namen fügen wir noch den kjmr. Na- men Morhran (Lib. Land. 191. 263. S.), jetzt Mor- fran (d. h. corvus marinus) =: Mori-braniis bei. Das mit der Partikel are- zusammengefügte ai'e- mori, kymr. arfor^ arm. arvor zz: armor aus are- mori^ bedeutet terra ad mare sita, maritima') und

tur concavitciteni'^ Livcri of tlie Cambro Brit. Saints, 9. S.) := Camhanus, Camauc (Lib. Land. 205. S.) :== Camhäcus , Camdubr (ebend. 273. S.) =; Camho-duhra (d. h. aqua ciirva; d uh r , '^eizi duxfr, aqua; vgl. die gall. riussnamen Verno^')-dubrum,' Plin. III, 4, b, Duhra, j. Tauber, Geogr. Rav. IV, 24, den altbrit. Ortsnamen Duhris, Itin. Ant., Tab. Peut., Not. dign., den abgeleiteten kymr. Mannsnamen Duhricius, Lives of the Cambro Brit. Saints. 148. 150. S. u. oft., den ir. F!iTssnameni)oJ?<r_, Acta SS. Jun. 2, 207, dobhar, aqua), Camfrut (Fl, Lib. Land. 218. S.) = Camho- frutis (Vgl. den gall. Flussnamen <Ppovri;, Ptol. II, 8 unrichtig 0/)oi;c:'if '^^*), kymr. fnit, jetzt frwd, flu- men, rivus). 1) Hr. Mone (a. a. 0. 89. S.) tlieilt areniorl in ar e mor

*) Kymr. guem, jetzt gwern (alni, (jicernen, alnus), ir. fern, jetzt fearn (alnus) = vern, das in mehreren kelt. Namen erscheint, z. B. in dem gall. Ortsnamen Verno-sole (Itln. Ant.), In dem kymr. Ortsnamen Penngv-ern (lolo 109. S.) =: Penno-vernum , in dem ir. Ortsnamen Fernmagh (Annal. IV Magistr. O'Conor III, 411) = Verno-magus (d. h. alnorum campus). **) In 0po{;5(; ist nicht nur das 6, sondern auch das Dehnungszeichen auf ov falsch , indem hier ov = kurzem u ist. Wir haben daher jenes Zeichen oben weggelassen.

3*

36 Atrebates.

das davon abgeleitete aremoncus, arm. armoric, jetzt arvorek , i-tapaS-aXd66io^^ maritimus.

Atrebates. Atrehatibus (II, 16). Die Hand- schriften AB DE haben Atrehatis. Die gewöhnliche Lesart ist Atrehatibus. Ni])perdey hat an ihre Stelle Atrehatis gesetzt. Caesar hat in der Einheit Atre- has, Atrehati, Atrebatem, Atrehate und in der Mehr- heit Atrehatmm (V, 46), Atrehatibus (VII, 75), Atre- bates (n, 23), Atrehatibus (IV, 21) und sein Fort- setzer Hirtius Atrehatum (VIII, 47), Atrebatas *) (nach griechischer Weise, VIII, 7). Was die übrigen Quel- len, die des Volkes erwähnen, betrifft, so findet sich bei Plinius (IV, 17, 31) Atrebates^ in einer In- schrift (Steiner 1514. Nr.) und im antoninischen Eeisebuche Atrehatum^ bei Orosius (VI, 7. 11) Atre- bates (An der zweiten Stelle, wo der Akk. steht, haben mehrere Handschriften Atrebatas) und bei Sidonius (Carm. V, 213) Atrehatum. Bei den Rö- mern erscheint also überall Atrebates. Nur die Grie-

ab, das kymr. ar ?/ (der Artikel, früher ^'r) mor, auf dem Meere, wäre!! Nach dieser säubern Erklärung, die beweist, dass der grosse Sprachforscher nicht die einfachste kelt. Wortbildung versteht, wären die ci- vitates aremoricae Staaten, die auf dem Meere liegen !

1) Diese Lesart findet sich in den meisten Handschrif- ten, zu welchen auch die erste Pariser gehört. Da- mit stimmen mehrere Handschriften des Orosius (VI, 11) überein. Die erste bongarsische und andere Handschriften haben Alrehatos, die erste Kopenhagner Atrebates. Dass Atrebatas die richtige Lesart ist, hat Nipperdey durch ihre Aufnahme selbst anerkannt.

Atrebates. 37

cheii Strabo (IV, 194) und Ptolemaeus (II, 8), die hier nicht in Betracht kommen können, haben 'Arpeßarioi (bei dem letzteren unrichtig "Arpißärioi). Es wäre daher höchst auffallend, wenn Caesar Ätrehatis neben Ätrehatüms^ das zwei Mal bei ihm vorkommt, geschrieben hätte. Man berufe sich nicht darauf, dass sich bei ihm mehrere Beispiele finden, dass ein und derselbe Volksname nach verschie- denen Endungen gebeugt werde, wie Santonum (I, 10), Santonos (I, 11), Santonis (HI, 11. VII, 75); Turonis (VTE, 75), Turonos (VII, 4) und Turones (II, 35), Turonis (VIII, 46). Es sind diess die bei- den mit on abgeleiteten keltischen Volksnamen, die in den Quellen tlieils auf es theils auf i enden. Die übrigen auf dieselbe Weise gebildeten keltischen Volksnamen, die bei Caesar vorkommen, gehn da- gegen bei ihm, wie in den andern Quellen, auf es aus, wie Senones (Senonum, Senonibus, Senones)^ Pic- tones (Pictonum, Pktonibus, Pictones), Lingones {Lin- gonum^ Lingonibus, Lingones und Lingonas)^). Wie die beiden obigen keltischen Volksnamen, so lautet auch der eben so abgeleitete Name der deutschen Teutonen in den Quellen Teutones und Teutoni. Bei Caesar finden wir Teutoni (J^ 33), Teutommr) (VII, 77), Teutonos (II, 4), Teutoms (I, 40. II, 29). Verglei- chen wir damit jene beiden keltischen Volksnamen,

1) Eben so findet man in einer Inschrift (Orelli 2028. Nr.), bei Liikan (I, 398) und Tacitus (Hist. IV, 73) Lirir gonas.

2) In einer Inschrift (Grut. 436, 3) Teutonorum,

38 Atrebates.

so finden wir, dass sich Caesar in der Beugung derselben gleich bleibt: Gen. Santonum, Teutonum; Dat. u. Abi. Santom's, Turonü, Teutonis; Akk. San- tonos^ Turonos, Teutonos. Nur neben Taronos er- scheint auch Turones , das nicht auffallen kann. Was die übrigen bei Caesar vorkommenden ahr/e- leiteten kelt. Yolksnamen betrifft, so bleibt er sich in den Endungen gleich, mit Ausnahme des Volks- namens Caletes, der im Akk. zwei Mal Caletos lautet. (Die anderen Quellen haben Caleti.) Es ist also wieder der Akk., dessen Endung hier so wenig als dort auffallen darf, da die mit et abgeleiteten kelt. Volksnamen in den Quellen auf es und / enden. Ausser dem Nom. und Akk. aber finden wir keinen Kasus eines und desselben Volksnamens mit verschiedenen Endungen. Es ist demnach nicht anzunehmen, dass Caesar Atrehcdis neben Ätreba- tibus geschrieben haben sollte, und daher mit Schnei- der die gewöhnliche Lesart Atrehatibus unbedenk- lich beizubehalten. Man bürde Caesar nicht alles auf, was seine Abschreiber verschuldet haben.

Atrebates für Adtrehates ') ist aus der Partikel

1) In Atrebates, das für Ad-tvehates steht, ward das Schhiss-fZ der Partikel ad wegen des folgenden Lau- tes zu t und fiel aus, wie im altlr. atrehat (habitant, possidcnt) von atrehim (liablto, possidco). Die Par- tikel ad erscheint wieder in adrothreh (habitavit) ■=. ad-ro'*)-treh. Vgl. Zeuss 836. 838. S.

*) Ro ist das Zeichen der Vergangenheit, das in dem einfach zusammengesetzten Zeitworte zwischen der Präposition und dem Verbum eingeschoben wird. S. Zeuss 413. S. u. f.

Atrebates. 39

ad-, kymr. ad- (Zeuss 869. S. u. f.), ir. ad- (ebend. 838. S. u. f., lat. ad-, gotli., altn., alts. af, ags. at, ahd. az) und trehates zusammengesetzt. Jene Par- tikel erscheint häufig in kelt. Namen, wie Ädna- matus (Orelli 4983. Nr., Hefner CLXXXVII. Dkm.), Adnamaüus (Steiner 1139. Nr., Ygi. Namatius, Greg. Tur. H. F. II, 16. IX, 18), Ädgennia {ßmi. 11^, % vgl. Nitio-genna^ Momms. 61. Nr., Con-gennicus, Grut. 942, 5), Adginmus (ebend. 13, 15. 718, 9), Ädgentius (Orelli 2018. Nr.), Ädvolenus, Ädvolena (Murat. 1623, 7), Adlucca (ebend. 1353, 6), Adledus (Momms. 284. Nr., vgl. Ledus, FL, Sidon. Carm. V, 208, Ledum^ Mela 11, 5, 6), Advocisus (Momms. 352, 2), Adhogius (Steiner 342. Nr., vgl. Ahrextu-hogius, Murat. 22, 5, Ver-com-hogms , Grut. 758, 11), Ad- minius (Suet. Calig. 44). Das zweite Wort ist ab- geleitet (wie Licates, Plin. HI, 20, 24, Äindrioi^ Ptol. n, 11, bei Strabo IV, 206 unrichtig yliKarTioi, Cornacates , Plin. HC, 25, 28, Caeracates, Tac. Hist. IV ^ 70, u. s. w.) von treh, das in Con-trebia (Liv. LX, 32. 33, Vellei. E, 5, Val. Max. II, 7, 10. Vn, 4, 5 u. A.) erscheint, kymr. treb^ jetzt tref (habitaculum , vicus , oppidum) ') , trefu {habitare) zu trebu, trefat (habitatio, domus, domicilium) =: trebat, ir. treabhaim (aro, colo) = trebim, treabhtha,

1) In einer Glosse (Zeuss 1099. S.) erscheint der Phiral trehoio mit der Bedeutung turmae. Vgl. goth. tkaurp (ager; urdeutsch ihurpa), altn., alts. thorp (villa, vicus), ahd. Jo?y (villa, vicus, oppidum, praedium), griech. rvpßy , lat. turba.

40 Caeroesl.

(Part. Pass. aratus, cultus ; Subst. domiclllum, villa) trebte, tr einte aus trehate, treahhaldhe (arator, agri- cola, colonus) =i trehite aus trehate; mit der Par-, tikel ad-: kymr. athref (mansio, possessio) =: ad- treh^ ir. aitreahh (habitatio, domicilium) = adtreb^ aitreabliaim (habito , possideo) =: adtrehim , atrehat (gl. babitant, possident, Zeuss 11. 359. S.) zz ad- trehant, aürehthid (Gen. aitrehtJiado, gl. incola, pos- sessor, Zeuss 255. 766. S.) zz: adtrehtit , adtrehitit aus adtrehatat (Vgl. ebend. 766. S.). Ätrehates be- deutet demnach incolae, possessores *).

Caeroesi (IT, 4). Die Handschriften haben Caeroesi (AB DE u. eine vatik.), Ceroesi (C), Cae- rosi (eine vatik.), Cerosi (abdf). Die gewöhnliche Lesart ist Caeraesi Bei Schneider und Nipperdey findet man Caeroesi. Die Handschriften des Oro- sius (VI, 7) bieten Caerosi, Cerosi Es handelt sich hier bloss um die Ableitung. Wir haben zwar die Ableitung oes sonst noch in keinem keltischen Namen gefunden ; allein sie konnte so gut da sein, wie die Ableitungen aus (in Nemausus, Mela, Plin. u. A., Melausus Steiner 149. Nr., Pennausms, ebend. 1990. Nr., Carausms, Orosius VH, 25) und eus (in Geleusum, Tab. Peut.). Wir halten daher die von den guten Handschriften gebotene Lesart für richtig. Der gall. Doppelvokal lautete ohne Zweifel oi, wie

1) Nach Hrn. Mone (a. a. O. 90. S.) bedeutet Ätrehates Grossstädtcr (vom kymr. Präfix a, das die Bedeu- tung verstärke und tref)\\ Was möchte er sich wol bei dieser Erklärung denken?

Caeroesl. 41

er noch hin und wieder vorkommt (z. B. Coinagus, Steiner 342. Nr.). Von den Eömern aber ward er (wie ai in ae) in oe verwandelt (z. B. Moenis, Mela, Moenns, Plin., Tac., Ammian.). Das Altirische hat ebenfalls 6i, woneben auch 6e erscheint (S. Zeuss 40. S. u. f.). Die jetzige Sprache, welche die Dop- pelvokale ai und oi mit einander vermengt, bedient sich für beide der Schreibung ao, aot (z. B. altir. öin , oen, jetzt aon, aom, unus). Im Kymrischen dagegen ist der Doppelvokal in ü übergegangen (z. B. ün iz: ir. 6m, 6en^ unus, cül =z ir. cöil, jetzt caol^ macer). Doch findet man auch oi, oe (z. B. Goit, coet, jetzt coecl, silva. S. Zeuss 125. S. u. f.) '). Caeroesi lautet daher gallisch Cairolsi Zur Erklärung des Namens bietet das Irische das Wort cdir , jetzt caor (ovis). Daneben erscheint die abgeleitete Form cdir ach (jetzt caora, Gen. caoracJi) zz: cdirac, wovon cdirchuide (gl. ovinus, Zeuss 9. 765. 771. S.) =i cdirchüh, cdii^acMthe, cdi- racite rz gall. cairacat in dem Volksnamen Caera- cates (Tac. Hist. IV, 70'), abgeleitet wie Cornaca- tes von cornac, vgl. Cornacum, Itin. Ant., Tab. Peut.,

1) In mehreren Wörtern ist jedoch oi, oe durch Aus- stossung des Lautes ^ entstanden^ z. B. oen (körn. ein) ■=. ogen, ogn (= lat. agnus), oer (Subst. u. Adj., frigus; frigiduS; gclidus^ körn, oir, frigidus) '■=■ oger, ogr, ir. oighre (glacies) = ogre (Vgl. den gall. Na- men Ogri-genus , Steiner 469. Nr.).

2) Die Lesart Caracates ist falsch, so wie die Versuche den Namen zu ändern, auf Unkunde des Keltischen beruhen. Der Name Caeracates ist vollkommen richtig.

42 Caeroesi.

Not. dign., Kopvanov^ Ptol. 11, 14, Coddacatus, Orelli 2064. Nr., von coddac). Bei den Kelten finden sich mehrere Volksnamen, die von Tliieren hergenommen sind, wie die brit. Volksnamen '£:t/- biOL (Ptol. n, 2, abgeleitet von ep^), equus), Bibroci

1) Das Wort ep (eqiius) erscheint häufig in abgeleiteten und zusammengesetzten kelt. Namen, z. B. in den gall. Namen Epoyia (der bekannten PferdegöttinU; de Wal 106 115. 310—313. Nr.), Epo-redia, Epo- redii („boni equorum domitores", Plin. III, 17, 21), Epo-redo-rix (Caes., Eporedirtx, Orelli 1974. Nr.), Epo-manduo-durum (Tab. Peut. , Itin. Ant,, bei Par- they und Pinder unrichtig Epamanduodur^cm , Epa- mantudurum) , in den brit. Namen 'Enianov (Ptol. 11,2 unrichtig 'Erceianov, abgeleitet von dem Mamis- namen Ejnus), Ep>o-mulus (Grut. 700, 6, ^=- equomu- lus, kymr. mul , lat. mulus), und ist noch im Kymr. in abgeleiteten und zusammengesetzten Wörtern vor- handen, z. B. ehöl, ebmcl -^ e^^aZ (pullus equinus), eb7-an z=z ejjo-ran (pabulum equinum), ehrwydd :=^ epo-red (celer, citus, eigentlich celer instar equi, ijz- .ToSoo^); ir. each = ech, ec in den abgeleiteten Manns- namen Eocliaidh („Equitius", Acta SS. Jul. 5, 593) z=- Ecidius =■ gall., brit. Epidius, Eachach (Annal. IV Magistr. O'Conor III, 156) ;= Eciacus z=: gall., brit. Epidcus, und in dem zusammengesetzten Mannsnamen Eachceann (ebend. 20. S.) Eco-cennus =z gall., brit. Epo-pennus (caput equinum). Obgleich der Hr. Hof ratli Holzmann nicht bloss aus Zeuss, sondern sogar aus Dietenbach, den er fleisslg benutzte , wol wüste, dass das gall. ep noch im Kymrischen vorhanden ist, so verschwieg er es dennoch und führte statt dessen das kymr. osio an (103. S.), um dem unkundigen Leser zu zeigen, „dass die gallische Sprache von der brittischen ganz verschieden war".

I

Caeroesi. 43

(Caes., abgeleitet von hil)er, wovon die gall. Orts- namen Bibrax, Bibracte, Caes., körn, hefer zz: beher^ gäl. heabliar zz. hehar^)^ castor), FaßpavTinoi (Ptol. II, 2)'), abgeleitet, wie der gall. Volksname ^trm- tici, von gahrant und dieses, wie der gall. Manns- name Carantus, Yon gabr"^), hyrnr. gabr, j. gcifr, körn. gavar, arm. gavr , gaoiir zz: gahr , capra, ir. gabor, gl. caper, Zeiiss 744. S., gabliar zz gabar^ capra). Caletes (VII, 75). Die Handschrift des Ortel bietet Caletes; die übrigen Handschriften geben

1) Ahd. Mbar , litt, bebrus , \at. fber.

2) Bei Ptoleraaeus heisst der Name nnrlchtig I'aßpav-

TOVIKOI.

3) Das Wort gabr (Vgl. altn. Äff/V ^ ags. hafer =: lat. cajper) findet sich häufig in kelt. Namen, wie in den gall. persönlichen Namen Gabrus (Steiner 1484. Nr. unriclitig Cabrus), Gabra (ebcnd. 1968. Nr.), Gahril- Jus (ebend. 1484. Nr. unrichtig cabrilii für gäbrilli), (rabriUa (ebend. 1861. Nr., = röm. Caprilla, Grut. 1155, 5) und den örtlichen Namen Faßptra vjyt) (Strabo VII, 292 und Ptol. II, 10 unrichtig Faßpi^Ta), Gabris (Tab. Peut.), Gabro-magus (Itin. Ant., Tab. Peut. , = campus caprilis), in dem altbrit. Ortsnamen Gabro-sentum*) (Not. dign., = via caprilis), in dem kymr. Mannsnamen Gabran (Lib. Land. 150. 173. 178. S.), Gafran (ebend. 171. S.) und in den ir. Mannsnamen Gabliav (Annal. IV Mag. O'Conor 3, 411) ■:=. Gabrus, Gabrun (O'Conor 1,2, 83).

*) Das Wort sentum ist das kymr. hint (jetzt hynt) =: sint, arm. lient , hend ■=^ sent (Über das brit. h ^=- s s. Zeuss 144. S. u. ff.), ir. set (jetzt sed, sead) aus sent (ebend. 22. S.), goth. smths (via).

44 Caletcs.

Cadetes. Dass die erstere Lesart die richtige ist, hat man seit Oudendorp bereits erkannt. An zwei anderen Stellen (II, 4. VIII, 7) erscheint der Akk. Caletos. Bei Plinius liest man an der einen Stelle (IV, 18, 32) unrichtig Galeti, an der andern (XIX, 1, 2) aber richtig Caleti^ bei Orosius (VI, 11) Ga- leti, Sti-abo (IV, 189. 194) iiöAerot, Ptolemaeus (n, 7) KaXirai (bei Wilberg unrichtig KoA^ra/), auf einer Münze kalet (Ukert, Geographie der Griechen und Eömer. 11, 2, 378. Anm. 56''). In einer Inschrift (Steiner 1836. Nr.) erscheint der Mannsname Caletus und in einer anderen (Mitthei- lungen des bist. Ver. für Steiermark. I, 53) der Frauenname CaletP). Das \Yort calet (abgeleitet von caZ), wovon der Mannsname Caletinus (Steiner 1484. Nr.) entspringt, findet sich in allen keltischen Sprachen, kymr. calet, jetzt caled (durus, firmus), körn, cales (durus) = calet, arm. calet, caled (du- rus), wovon der arm. Mannsname Kaledanus (Cour- son 2, 2) = Caletanus , ir. caladh (dunis), früher calit^ Subst. cailte (dm'ities) = calite (Vgl. goth. hardu, ahd. harti).

Catamantäloedis (I, 3). Die Handschriften haben Catamantäloedis (B D E) , Catamantalohedis (A), Catamandoloedis (C). Die gewöhnliche Lesart ist Catamantaledis. Schneider und Nipperdey haben Catamantäloedis in den Text aufgenommen. Es

1) In den norischen Inschriften, zu welchen die oben angeführte gehört, kommen mehrere auf i ausgehnde gall. Frauennamen vor.

Catamantäloedis. 45

fragt sicli liier, ob in dem zweiten TLeile des Na- mens die Ableitung oed richtig ist. Diese Ablei- tung ist uns nocli in keinem anderen keltischen Namen vorgekommen. Wir finden bloss den Dop- pelvokal au mit ableitendem d (in Bayaudae, Eutrop. VIII, 13, Aur. Vict. de Caes. 39, Sapaudus, de Boissieu, Inscriptions antiques de Lyon. Lyon 1846 54. 499, 31, Sidon. Ep. V, 10, Sapaudia, Ammian. XV, 11, 17, alauda, Plin. XI, 37, 44, Cassauda, Pardessus a. a. O. 2, 373)'). Indes er- scheinen die Doppelvokale mit verschiedenen ab- leitenden Lauten. Es konnte daher wol auch oed vorkommen. Catamantäloedis ist aus cata und man- tahedis zusammengesetzt. Das erste Wort erscheint noch in den gall. Namen Cata-launP) (Duchalais

1) Die Ableitung oud in OUoudius (de Wal 210. Nr.) ist := aud. Über ou z= au s. Zeuss 38. S.

2) Das Wort laun findet sich noch in den gall. Namen üohdauno (Murat. 1493; 9; für Gohidauno , wie Goh- nertus , Momms. 351, 1, Steiner 1884. Nr., Coh-nerta, ebend. 808. Nr. für Gohi-nertus , Cohinerta- Cohener- dus, Hefner 278. S., ist fehlerhafte Schreibung für Cobinertus; vgl. Ver-cohius, Orelli 2728. Nr., ir. cobh aus cohl , victoria , wovon der ir. Name Cohtacli := Cohitacus, d. h. victoriosus, Ann. IV Mag. O'Conor 3, 268, abgeleitet wie der gall. Name Neptdcus , Ne- j)itäcus, Orelli 4595. Nr.) und Orodaunum (Itin. Ant., vgl. Oro-maräsci, Plin. IV, 17^ 31), so wie in vielen brit. Namen, z. B. in den kymr. Namen OraÜaun (Lib. Land. 227. 244. S.) Orato-launus (Vgl den kymr. Namen Grat, Lives u. s. w. 82. S.), Euüaun (ebend. 230. S.) = Avi-launus , Catlon (Lives of the

46 Catamantäloedis.

224, 551. 552, Eutrop. IX, 13, Eumen. Grat. act. Const. 4. K., Not. provinc. Gall., Cate-launi, Am- mian. XV, 11, 10. XXVH, 2, 4), Duro-catalaunos (und mtelaunos in den Handschriften des Itin. Ant.), Cata-sextus (Momms. 352, 42), Cat-melus (Liv. XLI, 5) für Catamelus und ist die kymr. Par- tikel cet- [ced- , cyt-^ j. cycl- , eine der in der Zu- sammensetzung erscheinenden Formen der Präpos. cant^ cum, s. Zeuss 837. 875. S.). Bei den Kymern findet sich der mit jener Partikel zusammengefügte Name Cyclnerth (lolo 152. S.) z= älterem Cetnertli aus Catanert (aequipollens). Das andere Wort man- taloedis ist von mantal abgeleitet. Dieses Wort, das von inant entspringt, erscheint noch in den gall. Namen Mantala (Itin. Ant., Tab. Peut.) und Fetro-mantalwn (Itin. Ant.). Es ist das kymr. man- tawl, mantol (gl. trutina, Zeuss 1080. S.) = mantdJ. Eben so findet sich im Kymr. das mit der obigen Partikel zusammengefügte cydfantmcl (aequilibrium) ■zz. älterem cetmantaul, cetmantöl aus catamantdl. Die Bedeutung dieses Wortes ist hier im bildlichen

Cambro Brit. Saluts. 88. S.) '^^ Catu-launus, m den arm. Namen Argantiowen , Argantlon (Courson I, 37. 36) = Argento-launus, Catloxcen, Catlon (ebend. 1, 20. 24. 2. 27. 1, 1. 3) = Catu-launus, Urblun (ebend. 1, 21) = Urhi-launus (Vgl. den kymr. Na- men Urhgen ;= Urhi-genus, Nennius 72. S.), Gradion (Morice 265. S.) = Grato-launus, Loxcencar (Courson 1,8)= Latcno-carus. Es ist das jetzige kymr. llawen (hilaris, lactus), körn, lauen j.i\A'm. lowen. Vgl. Zeuss 123. S.

Catuvolcus. 47

Sinne für aequalitas, aequabilitas zu nehmen. Ca- tamantaloedis bedeutet demnach aequahüis.

Catuvolcus (V, 24. 26. VI, 31). Die besten und meisten Handschriften geben an der ersten Stelle Catuvolcus , an der zweiten Catuvidcus und an der dritten Catuvolcus. Die gewöhnliche Lesart ist Cativolcus. Schneider und Nipperdey haben die richtige Lesart Catuvolcus in den Text gesetzt. Der Name ist aus catu und volcus zusammengesetzt. Das erste Wort ist das kymr., arm. cat, jetzt cacl, kad, ir. cath (pugna, proelium) aus catu (zu altdeutsch. liathu, ahd. Itadu) und erscheint in vielen kelt. Na- men, von welchen wir hier folgende bemerken: 1) gallische a) abgeleitete: Catullus^) (Murat. 1068, 7, Orelli 2064. Nr., Steiner 1624. Nr., Hefner 280. S.), wovon Catidliäcus ') (vicus, Greg. Tur. Vita S. Aridii 24. K.), Catulla (Schriften des hist. Ver. f. Inner- österreich. 1, 69), Catuso (Momms. 62. Nr.), wo- von Catusidcwn (Itin. Ant., Tab. Peut.), Catussa (Orelli 4803. Nr., Schriften des hist. Ver. f. Lmer- österreich. 1, 36); b) zusammengesetzte: Caturtx (Orelli 1980. Nr., Momms. 70, Nr., ahd. Hadu- rich), Caturujes (Caes., Plin. IH, 20, 24, Orelli

1) Denselben Namen trägt bekanntlich der veronische Dichter; so wie auch die berühmten oberltalischcn Namen Vergilius , Lwius (Vgl. den galh Namen Lwo, Orelli 4901. Nr., und den kymr. Namen Gwynllho = Vindo-livus , lolo 110. S. u. oft.) , Plinius (Vgl. den arm. Namen Plinis , Morice 275. S.) sämmtlich gallisch sind. S. Zeuss 24. S.

2) Gleich lat. Catullidnus.

48 Catuvolcus.

626. Nr.)'), Catuslögi (Plin. IV, 17, 31) 2), Karov- yvaro^ (Cass. Dio XXXVII, 47), Catmualis^) (Steiner 1484. Nr.); 2) britannische a) abgeleitete a) kymr.

1) Bei Strabo (IV, 204) unrichtig Karöpiyii , hei Pto- lemaeus (III^ 1) entstellt Karovplyhai, wofür Wil- herg mit Recht Karovjjiyf^ in den Text gesetzt hat.

2) Die Handschriften des Plinlus haben Catusliigi , Ga- toslmji, Catoslogi, Cathosloyi. Die gewöhnliche Lesart ist Castologi. Sillig hat Catoslugi in den Text auf- genommen. Keine dieser Lesarten ist richtig. Der Name lieisst Catu-slOgi. Der zweite Theil dieses Na- mens ist das ir. sluag (gl. agmen, Zeuss 27. S.) jetzt sluagh ■-- slög, kymr. llü, arm. (exercitus) :=: sMg = sldg (Vgl. Zeuss 142. S.). Das Irische löst ö in ua auf (S. ebend. 27. S.) und das Britannische hat ü (Kurzes u wird jetzt durch w bezeichnet) für 6, das noch in dem arm. Namen BOdicus (Greg. Tur. H. F. V, 16), später Büdic, vorkommt, während ü im Brit. in i übergeht. S. Zeuss 117. S. u. f.

3) Dieser Name ist aus catu und sualis und letzteres aus der Partikel su- und alis zusammengesetzt. Die Partikel .m- , kymr. hu- (]io-, he-, hi-, hy-) = su-, ir. SU- (so-, skr. SU-, so viel als fi3, bene) erscheint häufig in gall. Namen, z. B. Su-essiones (Caes.), Su-anetes, Con-suanetes (Plin. III, 20, 24), Su-obnedo (Momms. 352, 197), Su-ausia (Steiner 1831. Nr.), Su-cartus, Sucaria (Grut. 742, 3, kymr. hygar = sucar , ama- bilis), so wie in brit. Namen, z. B. kymr. Huwel {Hoioel, Heuel, Hiuel, Hywel , s. Zeuss 109. S.) := Hu-velus , arm. Euhocar (Morice 267. S.) = Avi-su- carus (Vgl. den gall. Gottesnamen Avi-cantus, Orelli 2033. Nr., und den arm. Mannsnamen^2<ca?i< :=: Avi- cantus, Morice 307. S.), Branhucar (Courson I, 17) = Brano-sucarus,

Catuvolcu3. 49

Cadmcc (lolo 119. S.), Catöc (Lib. Land. 175. S.), Katfic (Lives of tlie Cambro Brit. Saints. 269. S.) =; Catudcns; ß) arm. Catöc (Courson 1, 53) zu Ca- tudcus\ b) zusammengesetzte a) altbrit. Catuvel- laum'*) (Wesseling in Itin. Ant. 471. S., vgl. den gall. Volksnamen Sego-vellauni^ V\m. III, 4, 5); ß) kymr. CatguaUaun (Lib. Land. 251. S.) zz: Ca- tuvellaunus (Vgl. den gall. Namen Ver-cassi-vellaunus, Caes., den altbrit. Namen Cassi-vellaunus , ebend., den kymr. Namen Casswallaion = Cassivellaunus^ Mabinog. 3, 297), Catman (Lives u. s. w. 88. S.) zz Catumanus (Vgl. die gall. Namen Ario-manus, Grut. 670, 3, Viro-manus, Murat. 1766, 1, Ceno- mani, Caes.), Catlön (Lives n. s. w. 88. S.) zz Ca- tulaunus (Vgl. die gall. Namen Cata-launi, Coh- launo, Oro-launum^ s. oben Catamantaloedis) ^ Cat- mör (Lib. Land. 267. S.) zz Catumärus (zz. altdeutsch. Hathumer'^), dhd. IIadumctr\ Catguaret (ebend. 189. 191. S.) zz Catuvaretus (Vgl. Ambivareti, Caes.), Catgen (ebend. 124. 132. 136. 140. S.) zz Catugenus (Vgl. den gall. Namen Camulo-genus , Caes., zz Martigena), Catmaüus (ebend. 124. S.) =z Catuma- glus (Vgl. die gall. Namen Taxi-magulus , Caes.,

1) Bei Ptolemäus (II, 2) entstellt KaTvivx^avoi und bei Cassius Dio (LX , 20) ebenfalls unrichtig Ka- roviWavoi für IxarovviXXavvoi.

2) Bei Tacitus (Annal. XI, 16) Chatumerus (falsch Ca- tumerus). Der Römer schrieb das deutsche h, das scharf ausgesprochen ward (ähnlich dem griech. X), mit ch (wie Cherusci =■ Herusci , Ghatti ::ii: Hatt^) und verwandelte das deutsche th in U

4

50 Catuvolcus.

Magalus '), Liv. XXI, 29, Magalms, Steiner 369. Nr.,

1) Um die deutsche Yerklcinerungsfonn ila im Galli- schen uachzuweisen, verändert der Hr. Hofrath Holz- mann (126. S.) den gallischen Namen Magalus in Magilus, „der gothisch Mehla*), Schwertchen, heis- sen würde, wenn a lang wäre." Weder ist a lang, noch ist die Endung ilus in gallischen Namen eine Verkleinerungsform. Wenn der Hr. Hofrath ferner sagt, man finde häufig gall. Namen mit der Endung ilus, wofür die Römer gern tllus geschrieben hätten, so beweist er abermals seine grosse Unwissenheit. Denn die gallischen Namen mit der Endung ilus sind nicht häufig, die desto öfter vorkommende En- dung illus aber ist nicht römische Schreibung, son- dern echt keltisch, wie die Ableitungen all, eil, ull (S. Zeuss 728. S. u. f., 731. 787. S. u. f.). Wir wollen nun dem Hrn. Hofrathe zeigen, dass das gall. magalus auch im Deutschen vorhanden ist. Magalus ist nämlich mit magulus (in Taxi-magulus) dasselbe Wort. Die Laute a und u wechseln in der Ablei- tung öfters mit einander. So findet man z. B. im Altkeltischen Camulus und Camalus (in Gamalo-dünum in einer Inschr. Orelli 208. Nr. und bei Plin. II, 75, 77; die übrigen Quellen, Tacit. Annal. XII, 32. XIV, 31, Itin. Ant., Tab. Peut., Ptol. II, 2, Cass. Die LX, 21, haben Camulodünum) , Laharus (Sil. Ital. IV, 232), Lahara (Monum. Boica XI, 91, j. Laber **) ; kymr. llafar = lahar, vocalis, sonorus, ca-

*) Hofräthliche Bildung von goth. mehis , alts. indld, ags. mece, altn. mcekir, cnsis. **) In Baiern gibt es drei Flüsschen, die Laber heissen, die grosse und kleine Laber auf dem rechten und die schwarze Laber auf dem hnken Donauufer.

Catuvolcus. 51

Maglius^), de Boissieu a. a. O. 120. S., die kymr.

norns, loquax) und Lahiras (Orelli 2017. Nr.), Isara (Cic, PHn., Lucan. ii. A., j. Isere)*) und Isura (in den ältesten baicrisclien Urkunden, s. Roth, Oert- lichkeiten des Bisthumes Freising aus Kozroh's Hand- sclirlften ausgehoben. München 1856. 14. 20. 231. 297. 298. Nr., Isara in späteren Urkunden, j. Iser); im Irischen gahid (gl. furca, patibulum, Zeuss 731. S.) und gabhal z^ gahal (ahd. gahala, furea, mittellat. gahalus , gahala, gahahmi , crux, patibulum), trehar und trehur (gl. prudens, Zeuss 743. S. u. f.), Dohur (Acta SS. Jun. 2, 207) und dohhar z=. dohar (aqua), Con-cohar (Annal. IV Mag. O'Conor 3, 365 u. oft.), Concubar (ebend. 276. S. u. oft.) und Goncohur (ebend. 314. S.), Coficubur (Annal. Buelliani ebend. 2, 10 u. oft.). Im Deutschen wechseln in der Ableitung sämmtliche kurze Vokale, weil sie tonlos sind, z. B. nebul, nebal , nebol, nebil, nebel (nebula), nabalo, na- bulo, nabolo, nabilo, nabelo (umbilicus), apful, apfol, apfil, apfel (malum; kymr. afal ■=. abal , ir. aball, ablial, ubhall), bittar, bittir, bitter, bittara, bitturu, bit- tira (acerbus). Das gall. magulus , magalus ist das brit. maglus (später niail, mael, puer, juvenis, servus, s. Zeuss 6. S. Anm., 121. S. Anm. **), ir. mug (Gen. moga, gl. puer, servus, Zeuss 17. 254. 256. S., jetzt mogli), wovon mogdn (juvenis hero), goth. magus (puer, ursprünglich mahusf), wovon magula (pueru- lus) , ahd. magu (in maguzoho, paedagogus, maguzoha, nutrix), alts. viagu, altn. mögr. 1) In Maglius ist der Vokal ausgefallen, wie in 8ap- jjlius, SappUa (Gaisberger, Böm. Inschriften im Lande

*) Ausser der südgallischen gibt es noch eine nordgal- lische Isara, die in dem Ortsnamen Briva (pons) Isarae (Itiu. Ant. , Tab. Peut.) , j. Oise , erscheint.

4*

52 Catuvolcus.

Namen Mael = Maglus, lolo 112. 122. 134. S., Giirmael zz. Ver-maglus ^ ebend. 136. S. , Ärthmaü HZ Arto-maglus, Lib. Land, 233. S., Brocmaü, BrocJi- maü zz. Broco-maglus, ebend. 124. 142. 149. S., u. s. w., die arm. Namen Maglus Conomagli fiJius, Acta SS. Mart. 1, 258. 15 , Catmaglus =; Catu-magliis^ ebend. 295. 13, u. s. w.), Catguare (Lib. Land. 140. S.) zu Catuvai^eus, Catguocaun (ebend. 249. S.) zz: Ca- tuvocaunus, Catgualatyr (ebend. 124. S.), Catgua- lader , Kadwaladrus (Lives u. s. w. 93. 283. S.) =: Catuvalatrus und Catgualart (Ancient laws and in- stitutes of Wales. Vorr. 4. S.) =z Catuvalartus (wie Belatu-cadrus und Belatu-cardus , s. oben die 6. S. Anm. 1), Cadfarch (lolo 123. S.u. oft.) =: Catuinar- cus^) u. s. w. ; y) arm. Catguallon, Catwallon (Mo- rice 338. S., Courson 2, 18) = Catuvellaunus, Cat- lowen, Catl6n (Courson 1, 20. 24. 2, 27. 1, 1. 3) zzz Catulaunus^ Catworet (ebend. 1, 1. 2, 16) = Ca- tuvoretusy Gatman (Morice 300. S.) zzl Catumanus^ Catmaglus (Acta SS. Mart. 1, 259. 13) = Catuma- glus, Catuodus, Catwodu (Morice 360. S., Courson 1, 20) zzz Catuhoduus (Vgl. die gall. Namen Äte- hoduus, Grut. 758, 11, Boduo-gndtus , Caes., Bo- dudcius^ Grut. 722, 7, die kymr. Namen Ärihhodii,

ob der Ens. Linz 1853. 62. S.) für Sappidtus, Sajo- imlia {Ygl.SapjJuIus, Sappida, Steiner 1720. 1964, Nr.). 1) D. h. puguae equiis; gall. marca {uäpua , Pausan. X, 19), kymr. march = marc, wovon der Name Marchan (Lib. Land. 188. S.) = Marcan, ir. marc, ahd. marh (equus).

Catuvolcus. 53

Artliuodu =: Arto-hoduus ^) , Lib. Land. 136. S., Gurhodu, Gurvodu, Guruodu rz: Ver-hodims, ebend. 220. 153. 170. S., Bodüc Bodiidcus, ebend. 229. S.), Cathul (Morice 302. S.) = Catuhodlus (Vgl. die gall. Namen Bodio-casses ^ Plin. IV, 18, 32, Bodic- cius, Murat. 870, 7, Teuto-hodidci, Plin. V, 32, 42, den altbrit. Namen \ßoz«c/2cca^), Tacit. Annal. XIV,

1) Kjmr. hodu, jetzt hodd (beneplacitum, voluntas), Adj. hoddus (gratuS; acceptus) =■• hoduus.

2) Dieser Name ist in den Handschriften des Tacitus verscliieden geschrieben. Die Handschrift der An- nalen bietet nämlich an der ersten Stelle Boodicia, an der zweiten Bouducea und an der dritten Boudicca; die eine Handschrift des Agricola hat Voaduca und die andere Voadicca. Bei Cassius Dio (LXII, 2), bei dem viele kelt. Namen entstellt sind, liest man Bovvhoviha. Die neueren Herausgeber des Tacitus ^eh&n Boudicea\ Nipperdey dagegen glaubt Bouduica lesen zu müssen. Diese Lesart ist jedoch falsch, denn das Stammwort hcisst houdi, gall. hodi , kymr. hud =: hod, ir. huad, huaid , (jetzt huadh, haaidh) i::^ hod aus hödi (victoria). Es handelt sich daher bloss um die Endung des Namens. Nach den obi- gen Lesarten ergeben sich die folgenden drei Formen : Boudicea, Boudicia, Boudicca. Wir kennen nun aus- ser dem gall. Namen Ceniceus (Memoires des antiquair. de France. 13, XVIII), wofern er richtig gelesen ist, keinen kelt. Namen mit der Endung iceus. Von ähnlicher Bildung wäre der brit. Gottesname Coci- deus (de Wal 93. Nr.), der jedoch in zwei anderen Inschriften (ebend. 308. 309. Nr.) Cocidius (abgeleitet wie Epidius, Bpidii, Magidius , Magidia, Togidta) heisst. Die Form Boudicca wird daher wegen ihrer

54 Catuvolcus.

31. 35. 37, Agr. 16, die kymr. Namen Büdgualan für Büdguallön^ Büchjuallann = Bödio-vellaunus, Lib. Land. 156. S. , Catuüct zu Catu-bödms, ebend. 191. S., Gurhüd -zz Ver-hödius, ebend. 153. S., BMat zu Bddmtus, ebend. 209. S., Büdic zz Bödicus, ebend. 123. S., die arm. Namen Büdiooret zz Budio- voretus, Courson 1, 14. 25. 27. 2, 28, Bödicus, Greg. Tm\ H. F. V, 16, BMicus, Courson 11, 6, Morice 174. S. u. oft., WrhiidiG zz Ver-hödicus, Courson 1, 21, u. s.w.); 3) irische a) abgeleit. Cathusach^) (Ann.

Ungewöhnlichkeit zu verwerfen sein. Dagegen gibt es mehrere kelt. Namen mit der Endung icius , wie Guticius (wovon üuticidcum, Sidon. Ep. III, 1), Är- gicms (Auson. Parent. 4, vgl. Argio-talus , Steiner 598. Nr.) , Reticius (Heiner CCLIII. Dkm.), Riticius (Greg. Tur. De glor. conless. 75. K.). Eben so fin- den sich mehrere kelt. Namen, in welchen das ab- leitende c verdoppelt ist, z. B. Andiccus , Mariccus, Maricca (S. unten Liiavicciis), "so wie auch das dop- pelte c in dem von hodi selbst abgeleiteten Namen Bödiccius {^ röm. Victorius) erscheint. Wir haben daher zwischen den beiden Formen Boudicia und Boudicca zu Avählen. Bei den Britanniern kommt der Mannsname Bödicus {-=:^ röm. Victor), später Biidic, häufig vor. Der Frauenname müste daher regelrecht Bodica (= röm. Victrix) lauten. Da nun das ableitende c, wie wir gesehen haben, öfters verdoppelt ward, so erblicken wir in der Lesart Bou- dicca die echte Form. 1) In der ir. Ableitung ach = ac hat sich ursprüngli- ches langes a in kurzes verwandelt (S. Zeuss 776. S.). Im Kymr. dagegen erscheint auc , iauc (jetzt awg, iaxcg) für ac , idc (in den altbrit. Namen Moldcus,

Catuvolcus. 55

IV Mag. O'Conor 3, 222. 255 u. oft.) zz Catusacus (Vgl. Catuso, Catusidcum)'^ b) zusammengesetzte:

Arneth a. a. 0. 61. S. XX. Taf., Galgdcus , Tac. Agr. 29, bei den Iren Calgach, Ann. IV Mag. O'Co- nor 3, 628, Caratäcus , bei den Kyniern Caratauc, s. oben die 7. S. 2. Anm., Protäcius, Orelli 2052. Nr., Segontidci , Caes., Orelli 2013. Nr., wie in den gall. Namen Caratäcus, Grut. 902, 5, Dumndcus, Caes., bei den Kymern Dyfnawc :=■ Dumnauc, s. unten Con- connetodumnus , Ärddcus, Momms. 352, 17, Gisdcus, de Wal 120. Nr., Änddcus, Steiner 1278. Nr., Neptd- cus , KejHtdcits , Orelli 4595. Nr., Divitidcus , Caes., Valetidcus, ebenda, Togidcus, Grut. 845, 5, Magidcus, Orelli 4900. Nr., hodidcus in Teuto-hodidci , kymr. hudiauc, jetzt hvddiawg , ir. huadhach =: hodiac, vi'^toriosus, 'Opvianoi, Ptol. II, 5, Parisidci^), Orelli 1993. Nr., u. s. w.), wofür auch 6c, üc vorkommt (S. Zeuss 815. S. vgl. 110. S. u. f.), z. B. Matauc, Matöc, Matüc (Lib. Land. 73. 194. 136. S., von Tnat, jetzt mad, Subst. u. Adj., bonum, beneficium; bonus; vgl. den gall. Namen Teuto-matus , Caes.), Turnoc (lolo 152. S. , vgl. den gall. Mannsnamen Turnus, Sidon. Ep. IV, 24 und den davon abgeleiteten Orts- namen Turndcum, Itin. Ant.), Bodüc (Lib. Land. 229. S.), jetzt boddawg (contentus) =; hoduauc =: gq,ll. bodudcus (Bodudctus , Grut. 722, 7). Eben so verwandelt sich im Schwäbischen d in au, z. B. Schwaub für Schwdb, Auhend für Abend, gaun für gdn = gehn, staun für std7i = stehn.

*) Nautae Parisidci (= lat. Parisiäni) von Parisii (Caes. u. A.) abgeleitet (wie Carisius , Orelli 1958. Nr., Steiner 1027. Nr., Belisia, Bilisia, Acta SS. Jul. 3, 92. Sept. 5, 596. 610, u. s. w.) von pari, kymr. peri (Inf. von param, paraf, efficio) = pari. Parisii bedeutet daher efficaces, strenui. Vgl. Zeuss 97. S.

56 Catuvolcus.

Cathhhuadhach (Acta SS. Jul. 5, 594) =: Catubödia- cus , vgl. den ir. Namen Buadhach n: Bodiacus^ Ann. IV Mag. O'Conor 3, 418, 490, und das gall. hodidcus in Teuto-bödidci) , Catliluan (O'Conor I, 1, 126) = Gatulönus, Cathinal (Ann. IV Mag. a. a. O. 355. S.) =3 Catumalus, Gathmug , Catkmugh (Ann. Tigern, a. a. O. 2, 254, Ann. IV Mag. a. a. O. 276. 300. 301. S.), Cathmogh (ebend. 488. S.) = Catumugus, Catumogus. Das zweite Wort volcus, das auch in den gall. Namen Volcae (Caes. u. A.), Volcius (Steiner 922. Nr., vgl. bezüglicli der Bil- dung Belgae, Caes. u. A., Belgius^ Just. XXXIV, 5) erscheint, ist das ir. folg (celer, velox, agilis, ala- cer, promptus, expeditus) für folch^) = volc"^) (Vgl. skr. valg^ salire, exsultare, ahd. züalgon, volvi, Wurzel tcalli). Catuvolcus bedeutet daher alacer ad pugnandum. Gleichdeutig ist der kymr. Manns- name Gatuutli (Lib. Land. 191. S., Cat-muth, jetzt mwth 1= ir. folg) =z Catumuttus^) (Vgl. den gall. Namen Mottus^ Steiner 1484. 1967. Nr.).

1) Im Irisch, erscheint häufig g für ch ■= c. S. Zenss 85. S. u. f.

2) Im Irisch, ist ursprüngliches v im Anfange der Wör- ter zu / geworden , in der Mitte und am Ende aber ganz verschwunden. S. Zeuss 65. S. u. ff.

3) Doppeltes t geht im Kymr. in th über (S. Zeuss 173. S.), z. B. Math uab (:= mah, map, ir. mac, filius) Mathomvy (Mabinog. 3, 94) Matto filius MattonU (Vgl. die galh Namen Matto, Momms. 245. Nr., Steiner 514. Nr., Hefner 280. S., Mattonius , Grut. 647, 5). Auch findet sich Matton (Lives of the Cambro Brit. Saints. 92. S.).

Cebenna. 57

Cebenna (VII, 8. 56). Die Handschriften ha- ben Cevenna. Diess ist auch die gewöhnliche und von Nipperdey beibehaltene Lesart. Sie ist jedoch falsch. Hier ist, wie diess oft vorkommt, h mit v vertauscht. Der Name heisst Cebenna. Mela (U, 5, 1. 6) hat Cehennici montes ^ Cebennae^ Plinius (HI, 4, 5. IV, 17,31) Cebenna^ Lukan (I, 435) Ge- bennae (für Cebennae)^ Solinus (21. K.) Cebenna^ Ausonius (Cl. urb. XII, 5. XHI, 8) Cebennae, Ce- benna. Bei Strabo und Ptolemaeus ist der Nam^e entstellt. Der erstere hat nämlich Kemun'ov opo^ (H, 128. 146. IV, 177 u. oft., auch bloss Keujuevov, rV, 182. 185, KEMMf'rrj^ IV, 177), liiujueva öpt) (IV, 182. 189 u. oft.) und der letztere (U, 7) Km- ju£va opt). Cebenna ist abgeleitet (wie Vmina, Caes., Mela, Plin. u. A., Clarenna, Tab. Peut., Clavenna, Itin. Ant., Tab. Peut., Ravenna, Caes., Mela, Plin. u. A., C-ebennus, Auson. Ep. XH, 23) von ceb, kymr. hefyn (Mabinog. 1 , 37 u. oft.) , cefn, arm. hefn, hevn (tergum, dorsum, im Kymr. auch mons longe extensus) zu cebin, cebn. Ungefähr gleich- deutig ist der deutsche Gebirgsname Bacenis (Caes., alts., altn. bak, ags. bäh, tergum).

Cenabum (VH, 3. 11. 17. 28. VHI, 5. 6). Die

Handschriften geben Genabum. An den beiden letzten Stellen wird jedoch von der ersten Pariser

1) Obgleich die besten Handschriften des Plinius an zwei Stellen Cebenna bieten, so hat Sillig an der dritten Stelle dennoch die falsche Lesart Gebenna in den Text aufgenommen.

58 Cenabum.

Handschrift und an der vorletzten aucli von an- deren Handschriften Cenabum geboten. Die ge- wöhnliche und von Nipperdey beibehaltene Lesart ist Genahum. Bezüglich der Lesart Cenabum stim- men alle übrigen Quellen, die des Ortes erwähnen, überein, nämlich das antoninische Eeisebuch, die peutingersche Tafel, Orosius (V, 12, Cenapum für Cenabum)^ Sti-abo (IV, 191 ^ Krjvaf^ov) und Ptole- maeus (H, 7, Krjvaßov). Die richtige Lesart ist daher unzweifelhaft Cenabum. Dieser Name ist abgeleitet (wie Arabus^), Grut. 687, 11, Orelli 4019. Nr., Ärrabo, Fluss- und Ortsname, Tab. Peut, Itin. Ant. '^), '^pafSayv, Flussname, Ptol. H, 13) ^) von cell. Seine Deutung ist jedoch schwer. Nach Strabo und Ptolemaeus ist e lang. Ist diess richtig, so wäre cen dasselbe Wort, das in dem

1) Kymr. araf (lentuS; tardus, lenis, mitis, placidus) :=-" arab von ar. Davon ist auch der bekannte Fkiss- name Arar (Caes. u. A.) abgeleitet (wie die brit. Flussnamen Ovdpap , Ptol. II, 2, Tamara Limar, Lives of the Cambro Brit. Saints. 183. S.). Er be- deutet ebenfalls lentus, tardus. Der Arar (jetzt Saone) ist nämlich nach seinem langsamen Laufe benannt. Caesar (1, 12) sagt von ihm: in Rodanum influit in- credibili lenitate , ita ut oculis , in utram partem fluit, iudicari non possit. Daher heisst er bei Klau- dian (De consul. Mallii Theodori paneg. 53): Lenlus Arar. Vgl. Zeuss 13. S. Anm.

2) Ein anderer von dem Flusse Arraho (jetzt Raab) benannter Ort ist Arrahona (Itin. Ant., Not. dign., auf der Tab. Peut. Arraho für Arrahona).

3) Wilberg hat die falsche Lesart ISapaßiav beibehalten.

Cenabum. 59

gallischen Volksnamen Ceno-mani^) (Caes. ii. A.) erscheint, ir. cian (gl. remotus; ultra, Zeuss 21. S.; in den ir. nnd gäl. Wörterbüchern auch longus, vastus; procul, longe), cein =: ce/i^). Mit diesen Bedeutungen wissen wir jedoch nichts anzufangen. Ein anderes cen aber, das hier anwendbar wäre, ist uns aus den keltischen Sprachen nicht be- kannt ^).

1) Die Griechen (Strabo, Ptol., Polyb.) schreiben un- richtig Ilivo/iiavoi für Kr)vo^avoi. Dass e lang ist, beweist auch der folgende Vers einer Mailänder In- schrift (Grut. 1161, 6): Te jubet agnatos visere Ge- nomanos. Das zweite Glied des Namens (7nan), das kurzes a hat, erscheint als eine Ableitungssilbe (S. Zeuss 735. S.). Es kommt noch in anderen gall. Na- men vor, wie Ariomanus (Grut. 670 , 3) , Viromanus (Murat. 1766, 1), so wie auch In brit. Namen, z. B. in den kymr. Namen Tecuan (Mabinog. 2, 208) = Taciomanus (S. oben die 22. S. 2. Anm.), Illiman^ lliman (Lib. Land. 193. S.) = Tlliomanus (Vgl. den gall. Namen Illio-märus , Orelli 1955. Nr. , de Bois- sleu a. a. O. 409, 17) , Catman (Lives of the Cambro Brit. Saints 88. S.), Catuanus (Lib. Land. 197. S.) zzz Catumanus (d. h. bellator).

2) Vgl. äol. Ktjvo! z=z ion. «tivcf, att. tKfn'oj, altn. hän^ hon (ille).

3) Jeder Gjmnasialschüler weiss aus Caesar , dass Ge- nabum (nach der gewöhnlichen Lesart) das heutige Orleans und Geneva (nach der gewöhnlichen Lesart) das heutige Genf ist. Hr. Mone (a. a. 0. 87. S.) dagegen sagt, Caesar nenne Genf VII, 3 Genabum und I, 6 GenevaW Und wie deutet er erst jenen Na- men! Das Wort gen ist ihm das kymr. cyn und das

60 C^nimagni.

CSnimagni (V, 21). Die Handschrift des Cujas (Cuiacius) bietet Cenomagni und am Rande Ceno-

ir. ceann. (Dem grossen Sprachforscher sind näm- lich die Laute g und c eins.) Das jetzige kymr. cyn ist ^=- cynn , eint (z. B. in dem arm. Mannsnamen Kintwallon = Cintu-vellaunus , Courson 1, 2, in den gall. Namen Cintu-genus , Momms. 352, 80, Cintu- gnätus , Inscriptlones lat. in terris Nassovicnsibus re- pertae. Aquis Mattiacis 1855. 84, 7. 48. 58. 144. 85, 49, Steiner 1449. 1484. Nr.*), Gintugnätius, ebend. 1624. Nr.) und bedeutet praecipuus, pracstans; das ir. ceann =^ cenn aber, das caput bedeutet, ist = gall., brit. penn (z. B. in dem gall. Ortsnamen Penno-lucos , Tab. Peut., im Itin. Ant. unrichtig Penne locos , In dem altbrit. Ortsnamen Penno-crucium, Itin. Ant., in dem kymr. Ortsnamen Penngioern := Penno-vernum , lolo 109. S.), wie ir. each (equus) r=: ech, ec rr: gall., brit. ep ist (Über diese Lautverschiedenheit s. Zeuss V. 77. S.). Demnach müste der Name nach dem kymr. cyn = eint Cmtabum, nach dem ir. ceann =■ gall. penn aber Pennabuni lauten. Doch es kommt noch besser. Hr. Mone hält Genahum für eine Zusammen- setzung (so wie er, da er von der keltischen Wort- bildung keinen Begriff hat, die meisten abgeleiteten Namen für zusammengesetzte ansieht) , erklärt die Endung ahum durch das kymr. afon (ßuvius) = abon und stellt in seinem sogenannten belgischen Glossare (dem närrischsten Mischmasche keltischer, deutscher und selbstgeschmiedeter Wörter und For- men) abu (m ist ihm römische Endung) mit der Be- deutung Fluss auf. (In seinen Glossaren erscheinen noch allerlei keltische Ableitungen als Hauptwörter

*) Bei Steiner an beiden Orten unrichtig Cintucnatus.

C^nimagnl. 61

manni'^ alle übrigen Handscliriften und Ausgaben haben Cenimacjm. Lipsius (zu Tacit. Annal. XII, 32) hielt diesen Namen für verdorben und machte daraus Iceni, Cangi, die Namen zweier britannischer Völker. Diesen Einfall nahm Nipperdey in den Text auf. Lipsius weiss indes für seine Meinung- weiter nichts anzuführen , als dass die Cemmagni sonst nirgends erwähnt werden. Allein auch die anderen von Caesar angeführten brit. Völker An- calites, Bibroci, Gassi werden eben so wenig als die von Tacitus genannten Ca7i(/t (Vgl. den brit. Ortsnamen Con-cangios^ Not. dign.) von einem an- deren Schriftsteller erwähnt. Jene Aenderung ist daher grundlos und folglich zu verwerfen. Unter- suchen wir nun, ob der Name Cenimagni richtig ist. Er ist aus ceiii und magni zusammengesetzt. Das erste Wort liegt in dem gall. Volksnamen Ceno-mani (S. oben Genabum) vor. Dass es dort auf i und hier auf o ausgeht, darf nicht auffallen. Diese verschiedene Endung eines und desselben Wortes erscheint auch in anderen zusammengesetz- ten keltischen Namen, z. B. i^edo in Epo-redo-rtx (Caes.) und redi in dem gleichen Namen Epo-redi- rtx (Orelli 1974. Nr.), victo in Gon-victo-litavis (Caes.) und victi in Victi-sirana (Grut. 700, 6). Was dann das zweite Wort betrifft, so erscheint in Britannien

mit Bedeutungen, wie sie eben für seine Erklärun- gen passen.) Genabum bedeutet also nach Hrn. Mone „Caput fluminis"! Nach dieser säubern Erklärung lautete der Name im Gallischen Pennahon.

62 Centrones.

zwei Mal der Ortsname Magnis (Itin. Ant., Not. dign.). Es ist diess ohne Zweifel das kymr. man (locus) zu magn^), magert, ir. wa^e/z (gl. locus, Zeuss 5. 738. S.). Wir halten daher den Namen Ceni- magni für richtig. Solche Zusammensetzungen von Haupt- und Beiwörtern erscheinen nun im Kelti- schen ganz gewöhnlich mit adjektiver Bedeutung. Cenimagni kann demnach durch locum longinquum tenentes, longinqui erklärt werden.

Centrones (V, 39). Die besten und meisten Handschriften haben (nach Oudendorp) Centrones. In den älteren Ausgaben liest man Centrones. Ouden- dorp nahm Centrones in den Text auf und diese Lesart ist seitdem die gewöhnliche. Ein Wort ceuti' aber, wovon der Name abgeleitet wäre, ist dem Keltischen fremd. Es ist vielmehr hier, wie diess oft vorkommt, fälschlich u für n gelesen"^). Der Name heisst also Centrones. Denselben Namen trägt noch ein anderes gall. Volk (Caes. I, 10, Plin. HI, 20, 243), jüj^rpov^'), PtoL HI, 1, bei Strabo IV, 204. 205. 208 unrichtig KevTpoyve^). Centrones ist abgeleitet (wie Redones, Pictones, San-

1) Früheres g geht im späteren Kymrisclien in der Mitte und am Ende der Wörter verloren. S. Zeuss 1G2. S.

2) Diess hat Zeuss (53. S.) bereits angedeutet.

3) In Handschriften des Plinius findet man ebenfalls Centrones für Centrones.

4) So mehrere Handschriften; bei Wilberg unrichtig liivrpwvis. Mehrere Handschriften des Ptolemaeus haben auch fälschlich Kivrpovif, Kevrpcovis.

Conconnetodumnus. 63

tones, Caes. u. A.), von centr, arm. heyitr (calcar), körn, hentar (Plur. hentrou, clavus), ir. cinteir (gl. calcar, Zeuss 53. 744. S.) = cinter (Vgl. griech. ■üivrpov). Der Name bedeutet daher KEVTfjogjopoi.

Conconnetodumnus (VII, 3). Die erste Pa- riser Handschrift bietet Conconnetodumnus und nach Whitte fast eben so die erste vossische und egmon- dische. Nach Oudendorp haben die meisten Hand- schriften Conconeto dunus, dunnus, domnus. In der ersten Kopenhagner Handschrift findet man Coneto- dunnus. Diese Lesart haben Whitte und Nipper- dey in den Text gesetzt. Die gewöhnliche Lesart ist Gonetodunus. Die von der trefflichen ersten Pa- riser Handschrift gebotene Lesart ist die richtige. Wir werden später bei Geidumni noch ein Beispiel, wie mn von den Abschreibern in nn, n verwandelt ward, kennen lernen. Conconnetodumnus ist aus conconneto und dumnus , das erste Wort aber aus der Partikel con- und conneto zusammengesetzt').

1) Jouauet theilt im Bulletin monumental (10, 540) eine mangelhafte Inschrift mit, deren zwei erste Zeilen also lauten:

.... ONNETODVBNI . ...

. . . AEFECTO FABEVM TRIB . . .

Jouanet hält Onnetoduhnus für einen Namen. Allein so konnte derselbe nicht lauten, da das erste Glied onneto unvollständig ist. Vor dem O stund sicher ein C, so dass der Name Connetoduhmis hiess, wenn nicht in dem ersten Gliede der Name des Sohnes und in dem zweiten der des Vaters zu suchen und folglich . . . Conneto Duhni (filio) zu lesen ist. Doch

G4 Conconnetodumnus.

Die Partikel eon-, kymr. con- {cyn-)^ ir. con- (cum- con-) erscheint häufig in keltischen Namen, wie in den gall. Namen Constianetes (Plin. III, 20, 24, vgl. Suanetes , ebend.), Condrüsi (Caes., vgl. Drü- sus)^)^ ConvictoUtavis (Caes.), Congennicus (Grut. 942, 5, vgl. Adgennia, ebend. 718, 9), Congennicia (Murat. 1778, 12), Congenüdcus , (Liv. Epit. LXI, 48"'), vgl. Ädgentms^ Orelli 2018. Nr.), Conginna (Denkschriften der k. Akad. d. Wiss. Phil.-hist. Kl. I, 2, 27 3), ^gi^ Adginnius, Grut. 13, 15. 718, 9), Contoiitus (Duchalais 17, 31, vgl. die gall. Namen Toutus, Murat. 1779, 13, Toiito, Grut. 807, 11, Touta, de Boissieu a. a. O. 118. S., Toutius, ebend. 197. S., ToovTt'ov;, Biblioth. de l'dcole des chartes. IL 4, 312, Toutw, Momms. 284. Nr., Toutia,, de

wie dem auch sei: wir haben hier jedentalls diesel- ben zwei Wörter, die in dem obigen Namen vor- kommen, nämlicli connetus und dubnus, das gleich dunmus ist. In dem letzten Worte hat sich nämlich, wie wir sogleich zeigen werden, das ursprüngliche b vor n in m verwandelt.

1) Der Name Brnsus (Horat. Od. IV, 4. 14, Ovid. Fast. 1, 12), der auch in dem Ortsnamen ^povao- juayo! (Ptol. II, 11, d. h. Bi-nsi campus) erscheint, ist bekanntlich gallisches Ursprunges (Sueton. Tib. 3). Bei den Iren findet sich ebenfalls der Name Druis (Annal. Ulton. O'Conor 4, 79) = JDrüsus , so wie noch jetzt das Wort dnis , druis (libido) vorhanden ist. Der Name bedeutet Ubidinosus. Vgl. Zeuss 29. S. Anm. *

2) Unrichtig Congentiatus.

3) Hefner liest unrichtig Gonginna. .

Concoimetodumnus. 65

Boissieu 524, 108, Toutillus, Murat. 1281, 6, Tou- tona, de Boissieu 517, 75, Toutomus, ebend. 525, 109, Touto-hocio , Duchalais 163, 448, Toutio-rtx, Orelli 2059. Nr., die kymr. Namen Tütüc Tou- tdcus, Lib. Land. 120. S., Tütnertli zu. Touto-nertus, ebend. 150. 259. S., Tütmah =z Touto-mafpus, ebend. 191. 218. S., Tum Touto-rix, ebend. 273. S., Eutüt zu Avi~toutus, ebend. 264. S. , u. s. w. , die arm. Namen Tütwal = Touto-valus, Courson 1, 5, Tiitwallon = Touto-vellaunus, Morice 275. S., Tüt- woret =: Touto-voretus, ebend. 273. 293. S., die ir. Namen Tuatlial = Toutalus^ Ann. IV Mag^ O'Conor 3, 73 u. oft., Tuathalan zz: Toutaldnus ^ ebend. 267. S. u. oft., Tuatlian zu Toutanus, ebend. 161. S., Tuatlicliar zz Touto-carus^ ebend. 334. 388. S.), Conddte (einem in Gallien öfters vorkommenden Ortsnamen^), d. h. confluentes) ') , Conddto-magus (Tab. Peilt., d. b. campus ad confluentes^) situs), Contrehia (S. oben Atrebates) , in den altbrit. Namen Conddte^) (Itin. Ant.), Congavata (Not. dign.), Con-

1) Z. B. Auson. Ep. V, 32, jetzt Condat am Zusani- mcDflusse derlsle undDordogne; Tab. Peut., Geogr. Rav. IV, 26, jetzt Seissel am Zusammenflüsse des Sier und der Rhone.

2) S. Zeuss 994. 8. 16. Das keltische conddte entspricht dem altdeutsch, gamundi (os, ostium, eigentlich Zu- sammenmündung), das als Ortsname häufig vorkommt.

3) Am Zusammenflusse des Tarn und Dourble.

4) Ein Ort der Cornovii (Not. dIgn.), bei Ptolemaeus (II, 2) unrichtig Ixopvavioi für liopvovtoi, vgl. den brit. Ortsnamen Duro-cornovium (Itln. Ant.).

5

66 Conconnetodumnus.

cangios (ebend. , vgl. Cangi, Tac. Ann. XII, 32), Condercum (Not. dign.) , in den kymr. Namen Con- guare, Conguarui (Lib. Land. 133. 180. S.) zz: Con- vareus (Vgl. Catguare =; Catuvareiis^ ebend. 140. S.), Conbresel (ebend. 202. S., vgl. die arm. Namen Bresel, Morice 465. S., Breselan, Courson 1, 24) u. s. w. , in den ir. Namen Congus (Ann. IV Mag. O'Conor 3, 266. S.) =z Congusius (Vgl. Uargus zu

Oro-gusms, ebend.), Congal, Conghal (ebend. 243. 268. 520. S.) Congalus (Vgl. Ärtgal z= Ärto-galus, ebend. 239. S.), Conghalach (ebend. 234. S. u. oft.) zz Congalacus, Concohar, Concohhar (ebend. 365. 431. S. u. oft.) := Concoharus , Conhretan (ebend. 268. 484. S.) =: Conhretdnus u. s. w.; com-^ kymr. com- {cym- cyf-)^ ir. com-, in den gall. Namen KojujuovToptc^ (Polyb. IV, 45. 46), Comhoio-mdrus (Liv. XXXVIII, 19, vgl. Borns, Muchar a. a. O. 380. S., Boil, Caes. u. A., Boionms^ Capitol. Anton. Pius 1. K., Grut. 763, 10. 785, 4. 861, 13, Boio-rtx, Liv. XXXIV, 46, Boio-bovpov, Ptol. H, 11 u. A.), Ver-combogius (Grut. 758, 11, vgl. Adhogius, Stei- ner 342. Nr., Ährextu-hogius , Mm-at. 1986, 7, Bo- gicmius, Orelli 3078. Nr.), in dem altbrit. Namen Gomhretonium (Itin. Ant., auf der Tab. Peut. ent- stellt Convetoni)^ in den kymr. Namen Gomhresel (Lib. Land. 191. S.), CimelUauc (ebend. 240. S.) = Comaltidcus ^) ^ in den arm. Namen Comalton (Courson 1, 25), Comaltcar (ebend. 1, 44) z= Go- 7naltocarus (Vgl. die gall. Namen Veni-carus, Stei-

1) S. Zeus3 106. S. Anm.*

Conconnetoduranus. 67

ner 1449. 1484. 1523. Nr., Vem'carius, ebend. 1449. Nr., Su-carms, Sucan'a, s. oben die 48. S. 3. Anm., den kymr. Namen Riuelgar^) = Ro-helo-carus, Lib. Land. 215. S., die arm. Namen HpMcar zz Seno- carus, Courson 1, 15, Loioencar m Launo-carus, ebend. 1, 8, u. s. w.)'^). Das Wort connet ist ab- geleitet (wie cinget in Cingeto-i'ix , Caes., orget in Orgeto-rzx^) y ebend., nemet in Nemeto-cenna, ebend.,

1) Jetzt rhyfelgar (belllcosiis). Dieses Beiwort ist aus i'hyfel und car , das erste Wort aber aus der Ver- stärkungspartikel rhy- (i= ry- ri- in älteren Schriften); früher ro- (S. Zeuss 867. S.), ir. ro- (ebend. 833. S.) und hei (bellum) zusammengesetzt. Jene Partikel erscheint auch in dem Namen der gall. Göttinn Ro- smerta (de Wal 236—241. Nr., vgl. den gall. Manns- namen Smertu-litanus , Orelli 188. Nr. und den brit. Volksnamen Huiprai, Ptol. 11, 2) und in dem alti;-. Volksnamen Fo-ßöyhioi (Ptol. II ; 1 , wahrscheinlich 'Po-ßönrioi, ir. ro-hocht :=■ ro-boct , nimis pauper). Die Partikel ro- ist den keltischen Sprachen eigen- thümlich.

2) Über die Partikel con- , com- s. Zeuss 836. 841. S. u. ff. 873. S. u. ff.

3) Man liest auf Münzen Orcetirix und Orcitirix (Du- chalais 125, 373. 126, 374). Allein dass dort G ent- weder ein nicht mehr deutliches oder unrichtig er- kanntes G ist, beweist nicht nur der ebenfalls auf einer Münze vorkommende gleiche Name Orgetirix (Annal. de l'inst. archdol. 17, 101. PI. K. nr. 1), son- dern auch der Fraueuname Orgetia (Grut. 345, 8). Mit orgeti und orgiti, abgeleitet von org , vgl. mogeii (in Dino-mogeti-märus , Memoires des antiquair. de France. 13, XVIII, Mogetius, Murat. 875, 2) und

5*

68 Conconnetodumnus.

Nemeto-märus , Archiv für Kunde Österreich. Ge- schichtsquellen. 13, 99, maget in Mageto-hnga, Caes., u. s. w.) von conn, wovon die gall. Namen Con- nius (Grut. 776, 1, Momms. 94. Nr.), Connonms (Grut. 775, 2) entspringen, ir. conn, con (sensus, sententia, ratio, intellectus; vgl. griech. nowLia, KOvEcd, goth. kann, novi, kunnan, nosse), Adj. con- naidlie (sollers, callidus) = connite. Das mit der Partikel con- zusammengesetzte conconn bedeutet demnach consensus, concordia und das abgeleitete conconnet consentiens, Concors. Was das Wort diimnus betrifft, so steht es für duhnus^). Diess ergibt sich aus den nachstehnden keltischen Na- men, die wir der besseren Übersicht wegen fol- gender Massen ordnen:

Gallische Namen. Brüannisclie Namen.

Kymr. Duhn, Dumn (Li- ves of the Cambro Brit. Saints. 82. 144. S., An- cient laws and Insti- tutes of Wales. Vorr.

Duhnus (Revue numis- mat. 12, 75. Anm. 1).

Duhna (Schriften des bist. Vereines f. Inneröster- reich. 1, 90. 93').

mogiti (in Mogit-märus, Sitzungsberichte der philos.- hist. Kl. der k. Akad. der Wiss. 11, 329, für Mogiti- mdrus) abgeleitet von mocj.

1) Solche Assimilationen kommen bekanntlich auch in anderen Sprachen vor, z. B. griech. crf/xfoV für aeßvös (ofßw), ahd. stimna, stimma für goth. stibna, ursprüng- lich stifna, alts. stefna, ags. stefn (vox).

2) In der zweiten Inschrift liest der Herausgeber Knabl unrichtig bvbnae für dvbnae.

Conconnetodiimnus.

69

Dumnum (Tab. Peut.)

5. S.), Duun (Lib. Land. 228. S.), Domn (Lives u. s. w. 100. S.), Dwfn (lolo 121. S.), Diofyn (Lives u. s. w. 102. S.) zu Duhnus, Dumnus, Altbrit. jJovjupa *) {vij6o<;, Ptol. II, 2).

Abgeleitete.

Duhmssiis (Mittbeilungen des bist. Ver. f. Steier- mark. 1, 60), Dumnis- sus (Flussname, Auson. Mos. 8).

Domnitms (Sidon. Ep. IV, 20).

Dumnäcus (Caes.).

Altbrit. Dumnonii (Itin. Ant.O, Solin. 22. K., Jovjuvovioi, Ptol.n, 2).

Kymr. Dyfnan (lolo 111. 119. S.) 1= Diimnanus.

Dtjfnaioc (lolo 102. 123. S.) , Byfnaiüg (Lives u. s. w. 270. S.) =: Dumndcus.

Zusammengesetzte a) mit vorausgebndem duhnus, dumnus.

Buhnweix (Annal. del'in- stitute arcbdolog. 17, lOl.Pl. L. nr.5), 2)t<5-

Kymr. Domnguaret (Lib. Land. 199. S.) ^ Domno- varetus (vgl. Ämhwareti).

1) Unrichtig ^oviiva, da ov hier ^= kurzem w ist. Da nun ov nur ein Dehnungszeichen zulässt, so musten wir jenen Namen, wie das eben (35. S. Anm.) ange- geführte (ppovrif , unbetont lassen.

2) Isca Dumnoniorum (bei Parthey und Pinder unrichtig

70 Conconnetodiimnus.

norex (Duchalais 113,

350 —2thd>)^Dumnoi'ix^)

(Caes.). Diibnotalus (Bullet, mo-

nument. 17, 310). Domnotonus^) (Auson. Ep.

V, 15. 31).

Dyfnwal (lolo 103. 106.

126. 138. S.), Dyfijn-

ical (Lives ii. s. w. 266.

S.) =1 Dmnnovalus. Dqfngarth (Lib. Land.

160. S.) = Domno-

gartus.

Dumnuniorum , auf der Tab. Peut. verschrieben Cum- norioruin).

1) Neben dem zweiten Gliede rix, wovon bereits oben (3. S. Anm.*) die Rede war, erscheinen, wie der Leser sieht, noch die beiden Formen reix und rex. Die älteste Form ist 7-eix. Aus ei ging bekanntlich e und i hervor. Auch im Kymr. findet sich rhwy, früher rui (körn, ruy) ::::i reg neben rhi, früher rt -= rig. (Im Goth. wechselt vielfältig e mit ei =. i und ei mite.) Jener Doppellaut erscheint auch in AEIOTONA (auf Münzen, Revue numism. 16, 384. 385), später Divona (in einer Inschr. ebend. 387. S. und bei Auson. Cl. urb. XIV, 32, in den Handschr. des Ptol. II, 6 entstellt ^ovt)ova, ^ovnova, auf der Tab. Peut. verschrieben Bibo7ia).

2) Der Flussname Domnotonus könnte auch abgeleitet sein (wie Carantonus , Auson. Mos. 463) von domnot (wie higotm Lugoto-rix, Caes., diirot mDurotix^), Stei- ner 1317. Nr.) und dieses von domn :=: dinnn, wovon das Kymr. die Hauptwörter diffnawd =-. dunindt und dyfnedd = dumned (profunditas) ableitet. Ist aber Domnotomis zusammengesetzt, so erblicken wir in dem zweiten Gliede das kymr. ton {-^ griech. Tovof,

") Abgeleitet wie Calitix (Revue nuraismat. 16, 16). Vgl. Än-calites (Caes.).

Conconnetoditranus.

71

^oiuvokXeio^ (Strabo Xu, 543 unriclitig Joiuvi- kXeio^ ').

b) mit nachfolgendem duhnus, dumnus.

Ver-jugo-dumnus (Orelli

2062. Nr.)

Toyobovuvo; ^) (Cass. Dio LX, 20).

Kymr. Guordubn, Guor- dumn (Lives u. s. w. 82. 144. S.), Gurdumn (Ancient laws u. s. w. Vorr. 5. S.), Guordomn (Lives n. s. w. 100. S.), Gorddwfn{lo\ol2l.^:), Gordwfyn (Lives u. s. w. 102. S.) zu Ver-duhnus, Verdumnus.

Altbrit. Gogiduhnus (Mo- num. bist. Brit. I, CXIX,

lat. to/»<s). Da das kelt. dumnus, wie wir sogleich zei- gen werden, dem griecli. /3aSi;V in der Bedeutung gleichkommt, so entspräche Domnotonus einem griech. ßa^vrovou

1) Vermuthlich ist auch das zweite Glied «Aftof, das gleich cUus wäre, unrichtig. Wahrscheinlich lautete das Wort clivus , ir. du (rumor, fama) aus cliv (S. ZeussSl. 68. S., wovon chias aus cUvas, auris, kymr. clyw '■=■ c/tv, auditus, clywed ^=^ cUvet, audire; vgl. griech. /.Atof für kAjVo^, skr. gravas , rumor, alts. hlior , maxilla, gena, eigentlich auris, altn. hier, aus- cultatio, slav. slovo, verbum, sermo, slava, gloria). Demnach hiesse der wahre Name zlovnvonXiovos (d. h. ßa^vKXtrjs , ßa'^vhoto<:)f

2) Richtiger To-^ihov/nvos vgL mit Togi-nx (Momms.

72

Conconnetodumnus.

Geidumni (Caes.).

124=iOrellil338.Nr.), Cogidumnus ') (Tacit. Agr. 14). Kymr. Conduun (Lib. Land. 182.8.)=: Co^^o- dumnus , Gunodumnus.

Irische Namen.

Domnit (Tigernachi an- nal. O'Conor 2, 257) = obigem gall. Dom- nitius.

Domangart (ebend. 136. 160. S.) , Domongart (O'Conor I, 2, 83) zz Domnogartus.

Das Wort duhnus, dummes ist das jetzige kymr. dw/n (Subst. u. Adj., profunditas; profundus), körn. doun, down (profundus, altus), arm. doun (profun- dus) zz: dumn, ir. domun (jetzt domhain, doimlnn, profundus), domnu (gl. profunditas, Zeuss 272. S., jetzt doimhie^ profundum, profunditas; im Gäl. auch oceanus. Vgl. gotb. diup aus dup, abd. tiof, pro-

139. Nr., Duchalais 236, 568. 570, Bonn. Jahrb. 21, 70), Togi-sonus (Plin. III, 16, 20), Togius (Hef- ner CCXLVI. Dkm., Steiner 274. Nr.), Tocjia (ebend.), Togionius (Denkschriften d. k. Akad. d. Wiss. Phll.- hlst. Klasse. I, 2, 7), Togidia (Grut. 675, 12 un- richtig Tocidia) , Togiäcus (ebend. 845, 5) , Togiäcia (Revue numisraat. 12, 75 Anm. 1).

1) Unrichtig Cogidunnus , Cogidimus.

Conconnetodumnus. 73

fundus). Im Irischen erscheint domun (gL, Zeuss 17. 738. S., jetzt domhan) auch mit der Bedeutung mundus (Im Gtil. bedeutet domhan mundus und oceanus). Hieraus ergibt sich, dass dem Worte der Begriff gross, iceit zu Grunde liegt. Es dient auch in der Zusammensetzung zur Verstärkung und entspricht vollkommen dem griech. ßa^v^^). So bedeutet z. B. Duhnoreix, Duhnorex, Dumnorix potens dominus, Duhnotalus') alta fronte praeditus,

1) Zeuss (835. S.) vergleicht dumnus sehr treffend mit dem altdeutschen irmin, das in der Zusammensetzung ebenfalls verstärkt, z. B. irmingod (summus deus), Irminrich (potens dominus), irminsül (in Glossen pyramis^ colossus, altissima columna). Mehr bei Grimm, D. G. 2, 448 u. D. M. 106. S. u. ff. 325. S.

2) Das zweite Glied erscheint noch in mehreren gall. Namen, wie Samo-tahis (Bullet, monument. 17, 307; von dem ersten Gliede dieses Namens entspringen der Mannsname Samaus , Orelli 4900. Nr., und der Flussname Samara in Samarohriva, Caes., Itin. Ant., d. h. Samarae pons), Vejjo-talus (Schriften des bist. Ver. f. Innerösterreich. 1, 36, vgl. Vepus , Momms. 80. 348, 13, Ve2Jomus, Vejjoma, Grut. 567, 6. 367, 4), Argio-talus (Steiner 598. Nr., vgl. Ärgicius , Auson. Parental. 4), Dano-tala (Grut. 746, 6, vgl. Danus, ebend. 804, 8, Steiner 1652. Nr.), und ist das kymr. tal (frons), das eben so wie im Gallischen in Zusam- mensetzungen vorkommt , z. B. givendal (candida fronte praeditus; gweyi = guenn, guend =. vend, fem. von gwyn —~ gutnn, gutnd ^= vt7id , ir. ßnd, finn, fionn = vind , albus, candidus) = vendo-talus, ursprünglich vindo-talus. Vgl. die gall. Namen Vindo

74 Conconnetodumnus.

Cogiduhnus, Cogidummis ^) ßaS^VTtoXejuo^, bellicosus. Sowol in diesen als in den übrigen oben angeführ- ten Namen ersclieinen die mit duhnus, dumnus zu- sammengesetzten Wörter als Hauptwörter. Da wir nun oben das Wort conconnet als ein Beiwort auf- gestellt haben, so fragt es sich, ob diess in dem Namen Conconnetodumnus zulässig ist. Im Galli-

(v. Ankershofen, Handbuch der Geschichte des Her- zogthums Kärnten. 1. Abth. Klagenfurt 1842. 568. S. Anm. b), Vindus (Steiner 1317. 1484. 1523. 1615. Nr.), Vinda (Grut. 469, 8 =: 517, 6), Vindius (Heiner XXIV. Dkm.), Vindilla (Grut. 537, 5. 989, 3), Vindillius (Steiner 590. Nr.), Vindona (Grut. 87, 7), Vindonius (Steiner 774. Nr.), Ohvhö-.uayoi (Ptol. II, 9), Vmdo-ho7ia (Itin. Ant, Tab. Peut.) u. s. w., die altbrit. Namen Vindo-gladia (Itin. Ant.), Vindo- mora (ebend.), Vindo-hala (Not. dign.) u. s. w. , die kynir. Namen Gwynn, Gwyn (lolo 123. S., Lives u. s. w. 268. S.) = Vindus, Guinan (Lib. Land. 150. 158. S. u. oft.) 1= Vindanus , Gwynnaw (lolo 117. S.) =: Vindavus , Guynlliu, Gicynllho (Lives u. s. w. 276. S., lolo 110. 170. S. u. oft.) =^ Vindo-Uvus (Vgl. die gall. Namen Lwo , Livius) , Gwyndeg (lolo 141. S.) =: Vindo-tacius , Teginynn, Teywyn (ebend. 112. 113. 139. S.) ■:= Tacio-vindus u. s. w., die ir. Namen Find, Finn (Annal. IV Mag. O'Conor 3, 648. 39) ~- Vindus , Findchar (ebend. 434. S.) - Vindo-carus. Das keltische vind gehört mit dem goth. hoeit (ahd. hwiz, albus), urdeutsch hvita, zu derselben Wurzel; es steht nämlich für cvind mit eingeschobenem n ; die Wurzel ist cvid =-: der deutschen Wurzel hvit. 1) Das erste Glied finden wir in dem ir. cogaim (hello) .:=: cogim, cogach (bellicus, bellicosus) = cogiac, co- gadh (bellum) =:: cogit, cogthach (bellator) = cogitac.

Conconnetodumnus. 75

sehen findet man viele mit et abgeleitete Beiwörter in einfachen und zusammengesetzten Namen, z. B. Caletus (Steiner 1836. Nr.), Caletl, Caletes (Caes.), Tocetus (Orelli 2049. Nr.), Dicetus (Steiner 1466. Nr.), Lusetus (ebend. 1042. Nr.), Lugetus (ebend. 1484. Nr., vgl. den ir. Namen Lugith = Liigit, Acta SS. Aug. 1, 342. 344), Nemeto (Mittheilungen des bist. Ver. für Steiermark. 3, 99, vgl. die kymr. Mannsnameii Neuet zu Nennet, Mabinog. 2, 243, Guornemet zz. Vernemcf^ Lives u. s. w. 87. S. , und den ir. Manns- namen Nemidli, Nemead zu Nemü, Tichern. annal. O'Conor 2, 37), Nemeto ^)-cenna (Caes., vgl. Sumlo- cenne, Steiner 117. 119. Nr. u. oft.), Nemeto-hriga (Itin. Ant., Ptol. 11, 5), Mageto-hriga (Caes.), Cm- geto-'^)rtx (ebend.) u. s. w. In diesen zusammen-

1) Nemet entspringt von nein, kymr. nem, jetzt nef, körn. nef , arm. nem, jetzt nev (coelum); ir. nem (gl. coe- lum, Zeuss 11. S.), jetzt neamJi, und erscheint im Gallischen als Haupt- und Beiwort, als ersteres in den Ortsnamen Ver-nemetis (,,fanum ingens", Venant. Fortunat. I, 9, 9), Äugusto-nemetum (Tab. Peut., Ptol. II, 5), Tasi-nemetum (Tab. Peut.), ^pv-vi.iurov (Strabo XII, 567). Eben so kommt es im Britanni- schen als Haupt- und Beiwort in vielen Namen vor, z. B. als Hauptwort in dem altbrit. Ortsnamen Ver- nemetum (Itin. Ant.). Das Irische leitet ebenfalls von nem das Hauptwort nemed (gl. sacellum, Zeuss 11. 766. S.) = nemet und das Beiwort nemde (gl. coele- stis, ebend. 247. 248. 764. S., jetzt neamdha, neam- haidh, coelestis, divinus) == nemte, nemite, nemete ab. Über die Ir. Ableitung s. Zeuss 763. S. 2. Nr.

2) Abgeleitet von cing (ir. cing , fortis). Davon ent- springen auch die gall. Namen ümgius (Momms.

76 Conconnetodummis.

gesetzten Namen sind die Beiwörter mit Plaupt- wörtern verbunden. Mehrere derselben sind nun mit dem Beiworte märus (kymr. maiir^ mör zu mar, ir. vidr^ mör, magnus) zusammengesetzt, wie Xemeto-mdrus (Mittheil, des bist. Ver. f. Steiermark. 3, 100), mogeti-mdrus (in dem Gottesnamen Dino- mogetimdrus , M^moires des antiquair. de France. 13, XVni, vgl. Mogetius, Murat. 875, 2, wovon der Ortsname Mogetidna^)^ Itin. Ant), Mogü-mdrus

67. Nr.); Cinges (Hefner 280. S., Gen. Cingetis , wie Drappes, Gen. Dra-ppetis, Caes., vgl. Drappus, Stelner 113. 116. 1484. 1970. Nr.); Om^efms (ebend. 645. Nr.), ir. ci7igeadh (fortis; im gäl. Wörterbuche der High- land Society of Scotland findet sich cingeadh als Hauptwort, magnaniraitas, andacia, fortitudo) = cingit. Der Name Cingetorix , der bei den Trevern*) (Caes. V, 3 u. oft.) und Britanniern (ebend. V, 22) vor- kommt, bedeutet also fortis dominus. Ginget findet sich auch in Verbindung mit der Verstärkungspar- tikel ver- (S. unten Vercassivellaunus) in dem gall. Namen Ver-cmgeto-rix (Caes., OvipKiyysTopiB, Strabo IV, 191, d. h. valde fortis dominus). Dieser Name muste dem Römer schrecklich klingen, da Florus (II, 4) von ihm sagt: nomine etiam ([uasi ad tcrro- rem composito. 1) Eben so leitet das Kymrische von persönlichen Na- men örtliche mit der Endung taun := mn ab , z. B. „Guortigirnus (=; Ver-tigirnus, Vertigernus) usque ad regioncm , quae a nomine suo accepit nomen öwor- tigirniaun (= Vertigirniän) , eff'uglt." Nennius 59. S.

*) Wer die Trever für Deutsche hält,- beweist, dass er vom Keltischen nichts versteht.

■.</^a<,(»'~

Conconnetodumnus. 77

(Sitzimgsbericlite der pliilos.-hist. Kl. der k. Akad. d. Wiss. 11, 329, vgl. Mogitus , Muchar a. a. 0. 415. S.). Mdrus ist noch mit vielen anderen Bei- wörtern verbunden und dient zur Verstärkung ihrer Bedeutung. So ist der gall. Name Nemeto-mdrus gleichdeutig mit dem kymr. Namen Guor-nemet m Ver-nemet (valde coelestis; vgl. den gall. Namen Nemeto und den kymr. Namen Neuet = Nemei). -^'-vaU^x. Andere Beispiele sind der gall. Name Vii'ido-märus (Caes., Flor. 11, 4 u. A., Virdomdrus, Orelli 3582. Nr., Propert. IV, 10, 41 *) u. A. , vgl. Virido-vix, Caes., Viridus , Steiner 1317. Nr., Virdo, Venant. Fortunat. Vita S. Mart. IV, 642, kymr. gwyrdd = vird zu lat. viridis) ') , d. h. valde vegetus, alacer, strenuus, die kymr. Beiwörter mwynfawi^^) (mioyn-mawr ; micyn iz men^ comis, urbanus) =: menomärus, d. h. percomis, perurbanus, doethfawr (doetli-mawr ; doeth zu doctj sapiens, prudens, consultus) = doctomdrus, d. h. persapiens ') u. s. w. Am häufigsten ist mdrus mit Hauptwörtern zusammengesetzt'). Im Kym-

1) Der Dichter verkürzt das d, um den Namen iu den Hexameter zu bringen.

2) Im Kymr, findet sich auch fjicrdd (fortis, robustus, strenuus) für gwerdd =■ verd , das sich von gwyrdd = vird kaum trennen lässt.

3) Dieses Beiwort kommt als Zuname vor. lolo 106. 138. S.

4) Owen übersetzt doetlifaior widersinnig mit wisely great, dagegen mwynfawr richtig mit greatly cour- teous.

5) Z. B. in den gall. Namen Nertomdrus (Orelli 2394. Nr., Archiv für Kunde Österreich. Geschichtsquellen. 13, 99),

78 Conconnetodumnus.

rischen erscheint maur in Zusammensetzungen auch als erstes Glied, z. B. maiürwerth (pretiosus; gwerth

Brogimärus y Brogimdra (ebend. 3, 170. 171), Sego- märus (Ürelli 2123. Nr., Biblioth. de leoole des Charte?. II. 4,-312), SoUmurus (Steiner 228. 2363. 2382. Nr., wovon Solimariäca, Itin. Ant.,' Bullet, monument. 17, 309), Jantumdrus (Denkschriften der k. Akad. der Wiss. Phil.-hist. Kl. I, 2, 2Q. 27), Ago- mdrus (Steiner 1449. Nr.), Litumdra (Bullet, monu- ment. 17, 310), in den kymr. Namen Catmör (Lib. Land. 267. S.) '^=- Catumdrus (= altd. Hathumer, ahd. Hadumdi-) , Glinmaur (Nennlus 72. S.) = Olünomd- riis , in den ir. Namen Eeachtmdr (Tigern, annal. O'Conor 2, 31) =. Rectomdrus , Teachtmdr (ebend.) = Tectomdrus (Vgl. den gall. Namen Tecto-sages, Caes. u. A.), Olünmdr (ebend. 20. 25. S.) ^=^ Glüno- . mdrus, Airgetmär (Annal. IV Mag. O'Conor 3, 45) = Argentomdriis (Vgl. die gall. Namen Argento-magus, Itin. Ant., Argento-7-atum , ebend. Ptol. II, 8 u. A., und den arm. Namen Argantlon, Argantiowen =: Ar- gento-launus , d. h. argento gaudens, Courson 1, 36. 37) , londdtmär (Annal. IV Mag. a. a. O. 61. S.) = Inddtiomdrus {=^ gall. Indüttomdrus*) , Caes., vgl.

*) DerIIr.HofrathIIolzmann(124. S.) sagt: Indutiomarus könne mit keinem deutschen Namen verglichen werden. Aber da das Wort Indutio nur in diesem Namen vorkomme, so bezweifle er, ob es richtig gelesen sei.. Die Schreiber hätten sehr leicht an das lateinische Wort Indutiae denken können. Er möchte daher, an den deutschen Namen Inguiomerus denkend, etwa Inguvio mdrus lesen ! ! Wieder ein schönes Pröbchen von des Hrn. Hofrathes Gelehrsamkeit. Dass das Wort indutio, zusammengesetzt aus der Partikel in-.

Concounetodumnus. 79

=: vert^ pretium, valor; vgl. alid. loerd) zzl maro- vei'tus (und gioerthfaior =z vertomdrus, pretiosus),

Zeuss 19. S. Aiim.**, 31. S. Anm.* und unsere Be- urtheiluug der liefnerischen Schrift „Das römische

kymr. yn- = m , ir. in- (ion-, lat. in-, deutsch in-, s. Zeuss 836. 847. S. u. fF. 877. S.), die auch in dem gall. Volksnamen Insubres (Liv. V, 34 u. oft., Plin. III, 17, 21, "hxsovßpoi, Strabo V, 212 u. oft., Ptol. III, 1, Polyb. II, 17. 21 u. oft., bei Schweighaeuser falsch "löoußpi^) erscheint, und aus dütio von ddt (S. unsere Beurtheilung der hefnerischen Schrift a. a. O.), vollkommen richtig ist, beweisen nicht nur die in Inschriften vorkommenden Namen Indütus (Grüt. 687, 11, Momms. 293. Nr., Steiner 574. Nr.*), Indüta (Bonner Jahrbuch. 13, 79), sondern auch der auf mehreren Münzen erscheinende Name indytiiii, worin man den Namen Tnduttomärus selbst erkennen will (S. Schneemann, Die im Trierischen zu Tage

*) Nach Steiner hat die Inschrift indvttvs. Ist das zweite r nicht ein verlesenes /, so haben wir hier eines jener Beispiele, dass ein und dasselbe Wort bald mit einem langen bald mit einem kurzen Vo- kale erscheint, wie Brlto (Auson. Epigr. 109. 110. 112 114, kymr. hrith =^ bnf, variegatus) und Briito, Brittones (in Inschr.), Scötus (Claudian. Bell. Get. 417, De III. cons. Honor. 55), Scott (ebcnd. De IV. cons. Honor. 33) und Scottus (gall. Mannsname, Stei- ner 1449. Nr., de Boissicu 442. S.), Scotti (Ammian. XXVI, 4, 5. XXVII, 8, 5 u. A.). Dergleichen Bei- spiele finden sich auch im Deutschen, wie goth. hlCUr, ahd. hliitar , alts. Iduttar , ags. hluttor (purus), goth. hveit, ahd. hwiz, alts. huit und huitt (albus).

80 Conconnetodumiius.

maiorddoetli (persapiens) =i märodoctus, mawrdeg (ma- gnificus; teg iz. tec aus taci^ s. oben die 22. S.

Bayern'' a. a. 0. G. Nr.). Im Kymrisclien und Iri- schen findet man eine Menge mit mar zusammenge- setzter Wörter. In den meisten derselben entspricht die Bedeutung des Wortes mär der lat. Endung osus. Im Kymrischen sind daher jene Wörter meist gleich- deutig mit den mit der Endung auc, taue (jetzt awg, iavjg) =^ de , iäc abgeleiteten Beiwörtern. Owen stellt in seiner Grammatik mawr geradezu unter die Adjektiveiidungen. Ist diess auch unrichtig, so er- scheint es doch in der That wie eine Ableitungssilbe. Diess ist besonders im Irischen der Fall, wo sich die mit mär zusammengesetzten Wörter bezüglich der Bedeutung von den mit der Endung ach (der ge- wöhnlichsten Endung, womit Beiwörter von Haupt- wörtern gebildet werden) abgeleiteten Beiwörtern in den meisten Fällen nicht unterscheiden lassen. Diese Erscheinung erklärt sich durch den häufigen Gebrauch des Wortes. Wir wollen zur Erläuterung einige Beispiele anführen 1) aus dem Kymrischen: gicerth- fawr = vertomärus gleichdeutig mit gwerthiawg (pre- tiosus) = vertiäcus (Vgl. die gall. Namen Vertico, Vertiscus, Caes.), clodfawr {clod ■-= clot, ir. cloth =^

gekommenen Münzen gallisch-belgisch. Ursprunges, in den Bonn. Jahrb. 21, 71 74). Bei Cicero (pro Font. 8, 17. 12, 26. 17, 36) führt auch ein Allobrog jenen Namen, der jedoch dort unrichtig mit c ge- schrieben ist. Eben so findet man in den Handschrif- ten Caesars an mehreren Stellen Incluciomärus, indem c und t häufig mit einander verwechselt werden. Bei Cassius Dio (XL, 11, 31) und ürosius (VI, 9) ist der Name richtig mit t geschrieben.

Concoimetodumnus. 81

2. Anm.) = mdrotacius , mawrgall (valde prudens; call, prudens, sollers) m mdrocallus^ mawrfalch (valde superbus; halch zu halc, superbus) =: mdro- halcus. Es zeigt sich demnach zwischen mdrus und duhms, dumnus in der Zusammensetzung be- züglich der Bedeutung kaum ein Unterschied. Wie nun im Gallischen mdrus sowol mit Haupt- als

cht, fama; vgl. grlech. nXvxö^, ahd. Mud-, Mod-j ur- deutsch Tilutha, fama) = clotomärus {-= ahd. Hlodo- märj vgl. den kymr. Namen Clotri :=^ Clotrig, Clo- torvx, Lib. Land. 168. 169. S., und den ahd. Namen Hlodorich, In einer Inschr. Hlodericus , Steiner 1755. Nr.) gleichdeutig mit dem kymr. Namen Clotüc (Lib. Land. 194. S.) =:: Clotäcus (famosus, inclytus, ir. clo- thach = clotac), nerthfawr (nerth := nert, potentia, vis, robur) =i nertomärus (Vgl. den gall. Namen Ner- tomärus) gleichdeutig mit nertkawg (potens, validus, robustus, fortis) = nertdcus (Vgl. die gall. Namen Nertonius, Steiner 1508. Nr.^ Esu-nertus , Momms. 80. Nr., Coh-nertus, Momms. 351, 7, Steiner 1484. Nr., Uro-geno-nertus , Grut. 570, 6, die kymr. Namen Gurnerth = Ver-nertus , Lives u. s. w. 267. S., Cyd- nerth = Cata-nertus , lolo 152. S., Tvtnerth = Touto- nertus, Lib. Land. 150. S., Judnerth = Judo-nertus, ebend. 207. S., u. s. w.), huddfawr (budd = hod aus bodi, victoria, quaestus) =^ hodiomdrus (Vgl. den gall. Namen Bodio-casses , Plin. IV, 18, 32, den kymr. Namen Büdgualan für Bitdgualldn, Büdgual- laun z= Bodio-vellaunus , Lib. Land. 156. S. , den arm. Namen Büdworet = Bodio-voretus , Courson 1, 14 u. oft.) gleichdeutig mit hüddiawg (vlctoriosus, quaestuosus) = hödiäcus (Vgl. die gall. Namen Teuto- hodidci, Plin. V, 32, 42, Bödiccius, Murat. 870, 7,

6

82 Conconnetodumnus.

Beiwörtern zusanimengesetzt ward, eben so konnte auch duhnus, dumnus mit Beiwörtern zusammenge- fügt werden. Wir können daher conconnet aller- dings für ein Beiwort nehmen. Es kann aber auch eben so wol ein Hauptwort sein, dem ein irisches

den altbrlt. Namen Boudicca, Tac. Annal. XIV, 31 n. oft., den kymr. Namen Büdic = Bodicus, Lib. Land. 123. S., den arm. Namen Bodicus, Greg. Tur. H. F. V, 16, Büdicus, Courson II, 6); 2) aus dem Irischen: neartmhar (gäl. neartmhor' nert, jetzt neart =■ kymr. nerth) ■=. nertomärus (=: kymr. nerthfaivr, nerthawg), huadhmhar (gäl. huadhmhor huad , huaid, jetzt huadh, huaidh ■=:■ hud aus hodi, vlctoria) = hodiomärus gleichdeutig mit huadJiach (victoriosus) ;:= hodiacus (Vgl. die ir. Namen Buadhach =: B6- diacus, Annal. IV Mag. O'Conor 3, 418. 490, Cath- hhuadhach := Catu-hodiacus , Acta SS. Jul. 5 , 594, und den gall. Namen Teuto-hodidci) , gJormhar (gäl. glormhor ] gloir zzz glori ■=. lat. gloria) = glorimärus gleichdeutig mit glorach (gloriosus) =^ gloriacus, aosmhar (gäl. aosmhor', dis , gl. aetas, Zeuss 37. S., jetzt aos, aois) = aisomärus gleichdeutig mit aosach (grandaevus, antiquus) =: aisacus , iuhnliar (gäl. iid~ mlior ; iul, eol, sclentia, sapientia, eula, eola , gl. sa- piens, Zeuss 42. S., vgl. den gall. Namen At-eula, Orelli 3274. Nr., Bonn. Jahrb. 21, 70, und den brit. Namen dolus , Orelli 1965. Nr.) :^ iulomdrus {eolo- mdrus) gleichdeutig mit eolach (sapiens, prudens, sagax) =^ eolacus , siolmhar (gäl. siolmhor ; sil, siol, semen) = silomdrus (über, fecundus, vgl. die ober- ital. galL Flussnamen SUus*), Monum. Boica XXXI,

*) Dieser Flussname kommt auch in anderen ehemals von Galliern bewohnten Ländern vor.

fe

Conconnetodumnus. 83

Verbalsubstantiv conconnid (consensio, von einem Verb, conconnim, consentio) entspräche. Conconneto- dumnus bedeutet daber wörtlich valde Concors. Wir finden auch bei den Eömern die Namen Concordius (Grut. 840, 2), Goncordia (ebend. 310, 1 u. oft), Concordianus (680, 4). Sollte vielleicht conconnet hier so viel als constans bedeuten?

205. 250, Silarus, Tab. Peut.)^ sluaghpihar (gäl. sluaghmhor ; sluag , jetzt sluogh , agmen, multitudo, popuhis) =" slogomärus gleichdeiitig mit gäl. shiaghach (populosus) := slogacus (Vgl. den gall. Namen Catu- slogi, Plin. IV; 11, 31; mid den ir. Namen SluagJia- dkach z=z Slögitacus, Ann. IV Mag. O'Conor 3, 558). Im Irisehen und Gällschen hat mar, mör alle die Bedeutungen; die das lateinische magnus hat. Das gäl. Lexikon der Highland Society of Scotland zählt sie alle einzeln auf. Es bedeutet daher auch inclj- tus, illustris, praeclaruS; insignis; eximiuS; nobilis. Im Kymr. dagegen kommt maur bloss mit der Be- deutung magnus^ grandis; amplus vor. Im Deutschen findet sich dasselbe Wort; goth. merz, ahd. märi, mit der Bedeutung famosuS; illustris, praeclarus. Man höre nuU; was der Hr. Hofrath Holzmann (123. S.) sagt: „mär komme zwar eben so im Brittischen (Darunter versteht er auch das Irische; denn dem Unwissenden gilt alles gleich) wie im Deutschen vor, sei aber dort ei7i ganz anderes Wort. Deutsch mä7'i sei illustris ; praeclarus; irisch mar sei magnus." So arg hat die Einbildung; die Gallier und Deutschen wären dasselbe Volk , den Hrn. Hofrath , der ein Sprachforscher sein will, eingenommen, dass er ein und dasselbe Wort bloss darum für ein anderes hält, weil es in der einen Sprache nicht dieselbe Bedeu-

6*

84 Convictolltavis.

Convictolitavis (VII, 32. 33. 37. 39. 42. 55. 67). An der ersten und zweiten Stelle lautet der Akk. in Handschriften, wie in der ersten Pariser, Con- victolüavem , in der ersten Leydner Convictolitavim ; an der dritten Stelle der Nom. in den Handschrif- ten AB CD Convictolitavis; an der vierten Stelle der Abi. in der ersten bongarsischen Handschrift Convictoliiavi, in vier anderen Convictolitave, in der ersten Pariser und der ersten vossischen Convicto- litano^); an der sechsten Stelle der Akk. in Hand- schriften Convictolitavem avim ahim^ so in der ersten Pariser (Von der zweiten Hand ist h getilgt und n darüber geschrieben); endlich an der sechsten Stelle der Abi. in Handschriften Convicto- litavi abi, so in der ersten Pariser. Die ge- wöhnliche Lesart ist Convictolitanis, anem^ ane. Nipperdey hat Convictolitavis, avem (an der er-

tung wie in der anderen hat. Hätte er übrigens ein irisches oder gälisehes Wörterbuch nachgesehen, so hätte er dort unter mor dieselben Bedeutungen, die das deutsche Wort hat, getimden. Allein der Hr. Hofrath macht es sich bequem und schwätzt lieber in den Tag hinein. Aus dem Obigen aber kann er sehen, dass das Brittischc bezüghch des Gebrauches und der Bedeutung des Wortes mär mit dem Galli- schen durchaus übereinstimmt und folglich mit dem- selben auch zu einem Sprachstamme gehört. 1) Wie die Handschriften an der fünften Stelle, wo der Name im Nom. steht, lauten, ist uns nicht bekannt. Nipperdey sagt bloss: Conuictolitanis u (d. h. vul- gata) et cum u super is sec. m. posita B tacente de n ultimae Beyerlio.

Convictolitavis. 85

sten und zweiten Stelle) avim (an der sechsten Stelle), avi in den Text gesetzt. Es handelt sich darum, ob in dem zweiten Theile des Namens der ableitende Laut v oder n heisst. Das Stamm- wort ist lita, kymr. lit, let, jetzt Uyd, lled, arm. let^ led (latitudo, extensio). Davon entspringt re- gelrecht sowol Iitavus (abgeleitet wie Lacavus, Orelli 2018. Nr., Cassavus, Zeitschr. für die Alter- thumswiss. 1853. 88 c. S., Saravus, Auson. Mos. 367, u. s. w.) als lüanus (abgeleitet wie Baianus, Liv. XLIV, 14, Bodanus, Caes. u. A. , garanus in tri- garanus^), Orelli 1993. Nr., u. s. w.). Dass Iitavus vorhanden war, zeigt das Wort litavia (S. unten Litaviccus). Litanus aber erscheint in mehreren gall. Namen, wie Litana (silva, Liv. XXIII, 24.^) XXXIV, 22. 42), Litania (Grut. 479, 4), Litano- hriga (Itin. Ant.), Smertu-litanus (Orelli 188. Nr., vgl. den Namen der gall. Göttinn Bo-smerta, de Wal 236 241. Nr., und den brit. Volksnamen Zjuf'pTai^ Ptol. II, 5), Koj'KoXiravo^ (Polyb. 11, 22, 31), und ist in allen kelt. Sprachen vorhanden, kymr. Iita7i, letan, jetzt llydan, lledan, körn., arm. ledan (latus, amplus, spatiosus), ir. leatlian (latus) =z letan. Wir finden bei den Kymern den Namen Letan (Lib. Land. 190. S.) und mehrere mit litan

1) TABvos (kymr. tarw, taurus) trigaranvs (zusammen- gesetzt aus tri, kymr. tri, tres und garanus, kymr. garan, grus; vgl. griech. yipavo? , ags. cran, ahd. kranuch) := griech. ravpos rpiyeparoi.

2) ;, Silva erat vasta Litanam Galli vocabant ".

86 Convictolitavis.

zusammengesetzte Wörter, z. B. llydangarn (Mabinog.

2, 50, d. li. latas ungulas habens; carn, ungula) zu litano-carnus , so wie bei den Iren die Namen Mmllethon (Tichern. annal. O'Conor 2, 52. 54) Mulo-letamis, Ailtlethan (Annal. IV Mag. O'Conor

3, 56. 58) zu. Alto-Ietanus, das Beiwort troiyhleathan (d. li. latipes; troigh, traigli, altir. traig^) zu trag., pes; vgl. goth. thragjan, currere, griech. rpix^iv) zu trago-letanus (Vgl. das gall. ver-tragus, Martial. XIV, 200'), d. h. celeripes, a't öl TtobioKEi^ kvve^

1) S. Zeuss 6. 272. S.

2) Bei Schneidewin richtig vertragus nach Handschriften, in den andern Ausgaben falsch vertagus.

Der Hr. Hofrath Holzmann (114. S.) behauptet, dass es auch ein dentsches Wort drag pes gegeben haben müsse und führt aus dem alamannischen und baierischen Gesetze das Wort tautragil , tautregil an. In dem ersten heisst es: „si quis in geniculo trans- punctus fuerit, ita ut claudus permaneat, ut pes eius ros tangat, quod alamanni tautragil dicunt", und eben so in dem anderen: „si quis aliquem phigaverit, ut exinde claudus permaneat, sie ut pes eius ros tangat, quod tautregil vocant." Hier, sagt nun der Hr. Hof- rath, sei tau ros, und in tragil , tregil (Er schreibt dregil) müsse pes enthalten sein. Das Wort gehöre ohne Zweifel zu goth. thragjan currere. Der Pro- fessor der deutschen Sprache aber ist hier, wie diess ilim gar oft begegnet, auf den Holzweg gerathen. Das ahd. tragil hat, wie er schon aus den Lautver- hältnissen hätte erkennen sollen, mit dem goth. thrag- jan gar nichts zu schaffen, sondern gehört zu goth. dragan (trahere), ags. dragan (trahere, gerere), alts. dragan (portare, ferre, gestare), altn. draga (trahere.

Convictolitavis. 87

al mXriKai KaXovvrai juh ovc'prpayoi kvv£^ cpisuvrj rrj KeXriKi/y Arrian. de venat. 3. K.), also diesel- ben Bildungen wie bei den Galliern. Es erclieinen nun mehrere gall. Namen mit der Endung w, z. B. Taranis^), (Lucan. 1, 446), Andeclünis, (Arneth

ducere); alid. tragan (portarC; ferre; gestare, gerrere). Tragil helsst also nicht der Fuss, sondern vielmehr der Träger und folglich tautragü der Tauträger, Tau- schlepper, ein wahrhaft dichterischer Ausdruck für lahm. Das Wort tragil kommt noch in vielen Zu- sammensetzungen vor (S. GrafF 1 , 501) , z. B. scild- tragil (Schildträger, scutarius). Was der Hr. Hof- rath sonst noch über das gall. vertragus , das er in velhtragus verpfuschen will, faselt, werden wir in un- serer Gegenschrift beleuchten. Wir wollten hier dem Leser bloss eine kleine Probe geben, wie gründlich er die deutsche Sprache, die sein eigentliches Fach ist, versteht. 1) Taranis ist bekanntlich der keltische Juppiter tonans, in Inschriften Taranucus (Orelli 2056. Nr.) und Ta- ranucnus (ebend. 2055. Nr., Steiner 769. Nr.), von taran, kjmr. körn, arm. taran (tonitru), wovon das kymr. Beiwort taranus (tonans, fulminans), das Zeit- wort taranu (tonare, fulminare), von taraiv (icere, ferire) = tarau aus der Wurzel far. Der Hr. Hof- rath Holzmann weiss, dass der Taranis der gal- lische Donnergott ist, hütet sich aber wol, ihn in seiner säubern Zusammenstellung der gallischen und deutschen Götter (83. S.) anzuführen, weil das Wort taran auch im Britannischen vorkommt und einen jener vielen schlagenden Beweise von der Stammes- einheit des Britannischen und Gallischen bildet, son- dern stellt den in einer hritannischen Inschrift (Orelli

88 Convictolitavis.

a. a. 0. 28. S. 1. Taf.), Catusualis (Steiner 1484. Nr.), Vennah's (ebend. 149. Nr.), Laxtucis (Momms. 252, 112). Hieraus ergibt sicli, dass litavis und litanis gleich richtig gebildet sind. Nach den Handschriften müssen wir die erste Form für die echte halten. Bezüglich der Bedeutung aber wird zwischen litavis und dem obigen litanus kaum ein Unterschied sein. Was nun den ersten Theil convicto betrifft, so ist er aus der uns bereits bekannten Partikel con- und victo zusammengesetzt. Das letztere Wort erscheint nur mit einem anderen Endvokale in dem brit. Frauennamen Victi-sirana (Grut. 700, 6). Es ist das kymr. gueith, gweith, jetzt gwaith (opus, labor, opificium, pugna) iz: vect^). In einer Glosse er-

2054. Nr.) dem Juppiter beigelegten Namen Tanarus (Wir werden darüber in unserer gegen den Hrn. Hof- rath gerichteten Schrift sprechen) mit dem deutschen Donnergotte Thunar zusammen, weil er geeignet ist, dem unkundigen Leser zu zeigen, dass „die gal- lischen Götter keine anderen als die Deutschen sind." 1) Die Lautverbindung et erscheint im Kymr. in der Form etJi, ilk, yth (S. Zeuss 179. S. u. f.), z. B. llaeth (lac) = lacf, reith, reyih, jetzt rhaith (lex) = rect (ir. rect, recht, jetzt reacht) , noeth (körn, noyth, nudus) = noet (ir. nocJit, jetzt nochd z=z noct] vgl. goth. nakvath, ags. nacud, ahd. nachot), mvyth (mi- rum commentum, ineptiae, nugae, insulsitas) = nuct, wovon mvythus (ineptias captans, nugatorius, insulsus) ^^ mictus (Vgl. den gall. Mannsn^men Nuktus , Stei- ner 116. Nr.), llwytli (familia, populus; onus, pondus) =: luct (ir. luct, lucht, gl. copia, agmen, pars, Zeuss 78. 180. 370. S., bei O'Reillv luchd, populus, ho-

Convlctolitavis. 89

scheint guith in dem mit der Partikel guo^) zu vo zusammengesetzten Worte guoguith (victus: Minos

mines; onus). Von diesem Worte entspringt der gall. Name Lucterius (Caes.). . Der Hr. Hofratli Holz- mann (127. S.) meint; dieser Name habe bei Caesar eiu c zuviel bekommen (Er weiss freilich nicht, dass der Name Lucterius auch in einer Inschrift und zwar zwei Mal vorkommt. De Boissieu a. a. 0. 95. S.) und findet darin, wie in dem gall. Namen Lufärms (Liv. XXXVni, 16), den deutschen Leutharius {Liut- hari). Hier stellt er wieder Namen, die wie die Faust aufs Auge passen, zusammen. Liccferius ist abgeleitet (wie die gall. Namen Cimherius, Caes., Vinderia , Acta SS. Februar. 3, 692, vgl. den ir. Flussnamen Vinderis , Ovivhipio^ noran ov Ihßo- Aai, Ptol. II, 1, die brit. Namen BoXfpiov, Bobipia, ebend. II, 2) von luct und Lutdrius (wie DucdriuSj Liv. XXII, 6, Sil. Ital. V, 645, Saväria, Grut. 245, 9, Orelli 1789. Nr., Vocdnum, Tab. Peut., u. s. w.) von lut, der ahd. Name Liutliari aber ist aus Hut (populus, Wurzel luth) und hari (exercitus) zusammengesetzt und müste folglich im Gallischen Leuto-carius lauten. So faselt der Hr. Hofrath, be- nebelt von der Einbildung die Gallier und Deutschen wären dasselbe Volk, ohne alle Kenntniss des Gal- lischen, in den Tag hinein. 1) Die Partikel guo- {go- gu-), ir. fo- (sub, s. Zeuss 844. 876. S.) = vo findet sich auch im Gallischen, nämlich in Vo-bergensis (Genio juventutis Vohergensis, Steiner 298. Nr., vgl. die gall. Namen Bergimus, Orelli 1971. Nr. u. f., Bergomum, Plin. , Itin. Ant. u. A., Bergusia, Itin. Ant.). Im Kymrischen er- scheint auch das mit jener Partikel zusammenge- setzte Wort gorwydd (equus, caballus) = vo-rtd

90 Convlctolitavis.

a bove victus erat, Zeuss 1088. S.) zz vovict. Im Kymr. findet man den Namen Gwaitli (lolo 102. S.) zzL Vectus und mehrere damit zusammengesetzte Namen und Wörter, z. B. Gueithgual (Lib. Land. 170. S.) = Vecto-vahis, Matgueith (ebend. 268. S.) = Mato-vectus , giceitJifüddig (victoriosus) uz vecto- hödicus, giceithgar (industrius) =: vecto-cmms. Im Kornischen findet sich ebenfalls gueid (für guei'th)^ gweith (opus). Davon entspringt ^zee/c?/mr (für gueifJmr^ operarius, opifex) =z vectur ') (Vgl. Vecturms, „opifex ferrarius", Trebell. Poll. Trig. tyr. 7. K.), gwjthor zz. Victor (Plur. guytliorion zz victortoii'^) zz dem altbrit. Volksnamen Vecturiones, Ammian. XXVII, 8, 5). Der Wechsel zwischen e und i ist im Kel- tischen sehr gewöhnlich^). So findet man z. B. im Gallischen Cissonius (ein Beiname Merkurs, de AYal. 89. 90. Nr.) und Cessomus (ebend. 91. Nr., Steiner 760. Nr.), BeUniis (de Wal 36. 37. 43. 46. Nr.), Belenus (ebend. 38. 42. 44. 45. 47— 50. Nr.) und Büienus (Reinesius, Synt. inscr. 1, 89, vgl. den

(Vgl. gall. reda^ Redones, Epo-redii, Ejjo-redta, Epo- redo-rix, s. unten reda). Das lat. veredus , das man lächerlicher Weise durch vehens r^dam erklären will, ist; wie wir glauben, dasselbe Wort für voredus und folglich von den Galliern entlehnt. Sollte sich vielleicht Jemand an dem ve dem vo gegenüber stossen, so erinnern wir hier an secors und socors, versus und vorsus u. s. w.

1) Über die brit. Ableitung ur s. Zeuss 796. S. u. ff.

2) Über die brit. Pluraliorm ion s. ebendas. 293 S. u. if.

3) S. ebend. 100. S. u. ff.

■-^i -^ r.>^i^'. u^i^4,^(^i

ConvictoHtavIs. 91

kymr. I\Iannsnanien Beli, Lib. Land. 209. 215. 230. S., und den arm. Mannsnamen Bi'li, Courson 1, 7). Das Kymrisclie hat die mit der Partikel CO- jetzt cy- ') (= con-) zusammengesetzten Wörter cyiceitlii (cooperatio) zz covecti, cijweithas (societas, commercium, auch expeditio, Mabinog.) = covectas, das Komische coiveth (socius, comes) = covect, co- weihas, coicethe (societas, s. Zeuss 873. S.) zu co- vectas, covecte. Die Deutung des Namens Convicto- litavis ist jedoch nicht leicht. Bezeichnet er viel- leicht so viel als societate, comitatu amplus^)?

Dänuvius (VI, 25). Die gewöhnliche Lesart, die auch Nipperdey beibehalten hat, ist Ddnubius. Diese Form ist zwar, wie die auf dieselbe Weise abgeleiteten kelt. Namen Manduhii (Caes.), Esuhü (ebend.) , Viduhium (Tab. Peut.) , üssuhium (Itin. Ant., Tab. Peut. , Mem. des antiq. de France 11, 283), OvspovfSiov^ (anpov ^ Ptol. H, 2) zeigen, an sich nicht unrichtig. Allein die echte Form ist Dänu- vius^ wie sie nicht nur in Inschriften') und auf Münzen^), sondern auch in Handschriften anderer

1) Über diese Partikel s, Zeuss 873. S.

2) Man vergleiche die ahd. Namen Diotswind, Folcsivind, Liutswind.

3) Wir finden Ddmivius 1) als Flussnamen (Grut. 448, 3. 490, 2, Orelll 648. Nr., Gaisberger, Eöm. Inschr. im Lande ob der Enns. Linz 1853. 31. S.), 2) als Gottesnamen (Orelli 1651. Nr.), 3) als Menschen- namen (Grut. 1125, 1, Orelli 3924. Nr.), endlich 4) in der Ableitung Transddnuviani (Grut. 453, 1).

4) Rasche, Lex. rei numar. veterum und Supplem. u. d. N. Dänuvius.

92 Dänuvius.

Schriftsteller (Plin. , Tac. ii. A.) ersclieint. Sie ist daher auch bei Caesar an die Stelle der gewöhn- lichen Lesart zu setzen. Ddnuvius^) ist von ddnu abgeleitet (wie Seguvii^ Orelli 626. Nr., von segu, desuvia, wovon Desuvzates, Plin. III, 4, 5, von desu). Zeuss (994. S. Anm.) hat den Namen durch das ir. ddna, gäl. dein (fortis, audax, intrepidus) be- reits erklärt. Der Fluss ward also von seinem starken Laufe benannt^).

1) Die Länge des a zeigen die römischen Dichter Horat. Od. IV, 15, 21, Ovid. Pont. IV, 9, 80. 10, 58.

2) Um sich den gall. Namen verständlich zu machen, setzten unsere Vorfahren an die Stelle der Ableitung ihr ouua (sprich ouica, früher auvxi , goth. ahva , flu- vius) und verwandelten so den abgeleiteten Namen in den zusammengesetzten Tuon-otma. (Der Hr. Hot- rath Holzmann mag die Frage lösen, warum die Deutschen, wenn sie mit den Galliern dasselbe Volk waren, den Namen Dännvius nicht verstunden!) Un- sere Voreltern waren keine Sprachforscher, hatten aber doch so viel Sprachsinn, dass sie das Stamm- wort als ein selbstständiges Wort erkannten, so wie denn heutzutage schwerlich Jemand den jetzigen Namen Donau anders als in D6n-au abtheilen wird. Der grosse vSprachforscher Mone (Urgeschichte des badischen Landes. 2, 79) dagegen, welcher Danohms schreibt (Diese Form fand er in «iner alamannischen Urkunde von 790 bei Neugart, Cod. diplom. Alemann. 1, 100)^ theilt den Namen in da und nobius ab und erklärt ihn also: „da ir. und dau kymr. heisse zwei, nov kymr. ein Fliessendes, ein Fluss*), und

*) Das Wort nov '=■ noh ist im Kymrischen gar nicht vorhanden, sondern bloss von Owen mit der selbst-

DIablintres. 93

Diablintres (III, 9). Die Handschriften haben Diahlintres (ABE), Dialmtres (C), Diahlintes (f), Diablindes (b c). Die gewöhnliche Lesart ist Diahlintes. Schneider und Nipperdey haben Diahlintres aufge- nommen. Die Handschriften des Plinius (IV, 18, 32) geben Diahlintis^ Diahlinti, Diahlindi und jene des Orosius (VI, 8) Diahlintres , Diahlintes, Diahintes. Bei Ptolemaeus (H, 7) liest man JiaßXirai. Welche Lesart nun die richtige sei, Diahlintes oder Diahlin- tres, ist nicht gar leicht zu entscheiden. Was

non'^^ ein Bach, also kymr. dau-nov zwei Bäche, das sei die Donau, die aus der Breg und Brigach gebildet werde"!! Diese Erklärung, die ihres Gleichen sucht, ist niclit bloss für Monens Sprachforschung, sondern auch für seine Geschichtstorschung bezeichnend. Die Gallier, die sich an der Donau ansiedelten, musten also erst die winzigen Quellen derselben aufsuchen, um dem gewaltigen Strome einen Namen zu geben! Ister ist bekanntlich der thrakische Name der Donau (S. Zeuss, Die Deutschen. 12. S. Anm.). Hr. Mone (Die gallische Sprache. 99. S.) hält auch diesen Na- men für keltisch , theilt ihn in I-ster ab und erklärt ihn durch den kpnr. Artikel y und das arm. ster, Flu SS, d. h. der FlussV.

gemachten Bedeutung that is moving or flowiug auf-, gestellt. *) Der Leser wird wahrscheinlich nicht begreifen, wie Hr. Mone nov und no7i zusammenstellen kann. Allein dem grossen Sprachforscher ist die Sprache bloss ein bunter Mischmasch, in welchem alle Laute für ein- ander stehn können.

94 Diablintres.

Diahlmtes betrifft, so wäre es eine Zusammen- setzung aus di und ahlintes. Das Kymrisclie hat die Privativpartikel di- (S. Zeuss 865. S. u. f.), z. B. in dhierth (impotens, infirmus; nerth = nert, potentia, vis, robur) zz dmert, dthoen (impunis; poen, lat. poena) =i dipoen, diioertli (vilis; gwertli zu vert, pretium) = divert Im Irischen findet sich dieselbe Partikel dt- (S. Zeuss 832. S.). Das zweite Wort ahlintes ist abgeleitet (wie Lurcintus, Steiner 1994. Nr., Fusintus, Pusinta'), Hefner CCLXXVIH. Dkm., Bellinfum^ Itin. Hierosol.) von ahli (Vgl. Är-ahUa, Steiner 1793. Nr., Ähilus, ebend. 1449. Nr., Ahileia, de Boissieu a. a. O. 523, 104). Jenes Wort aber wissen wir aus dem jetzigen Keltischen nicht zu deuten. Demnach Hesse sich gegen die Lesart Diahlmtes in sprachlicher Hinsicht nichts einwenden. In der anderen Lesart Diablintres finden wir da- gegen eine Zusammensetzung aus dia und hlintres. Vergleichen wir die Formen der kymrischen und irischen Partikeln mit jenen der gallischen (S. Zeuss 835. S. u. ff.), so dürfen wir annehmen, dass die oben erwähnte Privativpartikel di- im Gallischen noch einen Endvokal hatte, der eben so wol a als e lauten konnte. Wir halten daher dia für die gall. Form jener Partikel. Das zweite Wort hlintres aber ist abgeleitet von hlin^ kymi\ hlin (gl. iners, Zeuss 1098. S., bei Davies fatigatus, lassus, de-

1) Vgl. Pusinna (de Boissieu a. a. O. 513, 61^ Momms. 112. 213. 214. Nr.), Pusinnio (Hefner CXXVIL Dkm.), Pusinmomus f Steiner 1233. Nr.).

Esiibil. 95

fessus, molestus). Von diesem Worte leitet das Kymrisclie mit der Endung ter das Hauptwort hlinder (lassitudo, fatigatio, molestia) zu hlinter und davon das Beiwort hlmderus (lassus, defessus, fati- gatus) iz: hlinterus ab. Auf diese Weise ist hlintres {hlin-ter-es) gebildet. Im Kymr. findet sich auch das mit der Privativpartikel di- zusammengesetzte Beiwort c?f/7m (impiger) zu diblin. Der^^meDiablintres ist also riclitig gebildet und bedeutet impigri, alacres, strenui. Da nun die besten Handschriften des Caesar Diahlintres bieten und von den Abschreibern weit eher ein r weggelassen als eingeschoben wird^), so zweifeln wir nicht, dass jene Lesart den wahren Namen enthält. 5^' »v....i -^ ^^v

Esubü (H, 34. HI, 7. V, 24).^An der ersteä Stelle bietet die skaligersche Handschrift Eshii\ die übrigen guten Handschriften haben Sesuvn; an der zweiten lautet der Name in den besten Handschriften (AB ODE) Esubü; endlich an der dritten Stelle geben die Handschriften Essui. Die ' gewöhnliche Lesart ist an der ersten Stelle Sesuvn, an der zweiten Esuhii und an der dritten Essui. Schneider hat an den beiden ersten Stellen Sesuvü und an der dritten Essui. Whitte dagegen liest überall Esuvii und Nipperdey ist ihm hierin ge- folgt. Dass an den drei Stellen von dem gleichen

v-wvA. y> \0

1) So ward auch in dem gall, Ortsnamen Bergintrum (Itln. Ant.; Tab. Peut.) von Abschreibern des anto- nluischen Relsebuclies das r in der Ableitung weg- gelassen und Bergintum geschrieben.

96 Esubii.

Volke die Rede ist, hat Ukert (a. a. O. 329. S. u. f.) bereits bemerkt. Seine Vermutliung aber Essui sei der richtige Name, der durch Abschreiber entstellt worden wäre, ist irrig. Denn diese Les- art ist so falsch als Sesuvii. Das hier im Anfange stehnde s rührt, wie diess Whitte bereits richtig bemerkt hat, von dem Endlaute des vorausgehn- den Namens Curiosolüas her '). Es handelt sich daher lediglich um die beiden Lesarten Esuvii und Esuhii. Li sprachlicher Hinsicht sind beide gleich richtig. Esuvii nämlich ist abgeleitet wie Seguvn, Ddnumus , und Esuhii wie Manduhii, Viduhium, Ussuhium, Veruhiiim (S. oben Dänuvius). Es ist daher bei der bekannten Vertauschung der Laute h und V schwer zu entscheiden, welche Lesart die echte ist. Wir glauben indes am sichersten zu gehn, wenn wir uns an die Lesart Esubii, welche die besten Handschriften geben, halten, um so mehr, als auch die von der skaligerschen Handschrift an der ersten Stelle gebotene Lesart h haf^). Esuhii ist von esu abgeleitet. Dasselbe Wort er- scheint auch in dem abgeleiteten Namen Esuggius (Orelli 2062. Nr.) und in den zusammengesetzten

1) Eben so ist in den besten Handschriften des Caesar (111,3) dem Namen /ccjMs ein s fälschlich vorgesetzt: legatos Siccium.

2) Für die Lesart Esubii könnte auch der bei Plinius (III, 20, 24) vorkommende gall. Volksname Esuhiani augeführt werden; allein sehr wahrscheinlich ist diess dasselbe Volk, das in einer Inschrift (Orelli 626. Nr.) Vesuhiani heisst. Vgl. Ukert a. a. 0. 311. S.

Esubii. 97

Esu-nertus (Momms. 80. Nr., vgl. die gall. Namen Cob-nertus, Cohnerta für Cohi-nertus, Cohinerta^ s. oben die 45. S. 2. Anm. , Uro-geno-nertus , Nerto- mdrus, die kymr. Namen Gurnerth z= Ver-nertus, Cydnertli :=; Cata-nertus, Judnerth zu Judo-nertus, Tüt-nerth zu Touto-nertus, s. oben die 81. S. Anm.) und Ät-esui') (Plin. IV, 18, 32). Es ist eins mit dem Namen des galliscben Kriegsgottes Esus (Orelli 1993. Nr.), der bei Lukan (I, 445) Hesus'^) heisst. Hier haben wir wieder ein Beispiel, wie der Rö- mer das li vor den reinen keltischen Vokal setzte. Den Namen Esus zu deuten ist jedoch nicht leicht. ^)

1) Das erste Glied ist die Partikel ate- (kymr. at- ad-, ir. aith- , atJi- , lat. re-^ s. Zeuss 836. S. u, f. 840. 872. S.), die in mehreren kelt. Namen erscheint, wie in den gall. Namen Ät-eula (Orelli 3274. Nr.), Äte- hoduus (Grut. 758, 11), Ätehodua (Schriften des hist. Ver. für Innerösterreich. 1, 37), Äte-gndta (Grut. 758, 11. 763, 6) und in dem brit. Volksnamen Ate-cotti (Not. dign., Atacotti, Ammian. XXVI, 4, 5. XXVII, 8, 5).

2) Teutates , horrensque feris altaribus Hesus.

3) Der Hr. Hofrath Holzmann (83. S.) sagt Hesus sei (der deutsche Kriegsgott) Eru. Er ist aber wieder auf dem Holzwege. Da bei den fränkischen Anna- listen für Ereshurg auch Hereshurg vorkommt, so meint Grimm (D. M. 184. S. u. f.) Eru stehe für Heru j goth. kairus (ursprünglich hirus) , ags. heor^ alts. herUy altn. hiör (ensis) und zieht ebenfalls den gall. Hesus herbei. Die beiden Namen aber haben nichts mit einander zu schaffen. Denn ein Mal kann kurzes i keinem keltischen langen e gegen- überstehn; dann steht das goth. r nie einem s ge-

7

98 :&subü.

Vollmer, mit welchem wir über jenen Namen spra- chen, meint, dass wenn sich im Keltischen Bei- spiele fänden, dass dort langes e langem a in den verwandten Sprachen gegenüberstehe, so dass Esus

genüber; endlich müste, wenn Grimms Meinung, Eru stehe für Heru, richtig wäre, der gall. Kriegsgott Cesus lauten. AVir müssen jedoch Grimme wider- sprechen. Was die Form Eru betrifft , so ist sie nirgends belegt. Die Grundform ist, wie mir mein verehrter Freund Vollmer, ein äusserst gründlicher Sprachforscher, sagte, viehuehr erh , ursprünglich irlia, Stamm arh , irh , urli. Wie nun das ahd. durh (früher thurh , per) in die Formen durah, dureli, durih , duroll, duruh, dure, duri, dur übergeht, eben so nimmt auch das Wort erh, das noch in dem Na- men Erchtag (dies Martis) erhalten ist, die Formen Ereh- , Erik-, Eri- , Er- an (S. Schmeller, Baierisch. Wörterb. 1, 96). Die Einschiebuug von Vokalen und der Wegfall des h sind, wie jeder Kenner weiss, im Deutschen gewöhnliche Erscheinungen. Das oben erwähnte Eresburg steht also für Erheslurg und in Hereshurg ist, wie diess hundertfältig der Fall ist, das h bloss vorgesetzt. Die Wurzel arh ist = fctfh, wovon ferh (anima, vita). Der Name scheint auf schnauben, toben hinzuweisen. Der deutschen Wur- zel arh entspricht eine ältere Wurzel arc, die sich auch in den verwandten Sprachen findet. Das jetzige Irische hat arg , earg (heros, pugnator, Mars) =-• arc (arcc in ehiem Gedichte des Gildas Modudlus bei O'Conor I, 1, 157, wovon arghda = arcte, arcite, belllcosus, fortis), erc. Wir finden bei den Iren auch den Mannsnamen Erc (O'Conor I, 2, 83. 84), Ercc (Annal. IV Mag. ebend. 3,. 150), der dem deutschen Erh entspricht.

Esubii. 99

zz Asus und somit die Wurzel as wäre, der Name durch das skr. asu (lialitus , spiritus , atfectus , ai- fectio) erklärt werden und so viel als anlielans, d. h. fremens, tumultuans bedeuten könnte. Solche Beispiele gibt es allerdings, wie kjmr. dicyn, körn. doyn, doen, don, arm. doe/i, doan (portare, ferre, gerere, gestare) = den^)^ ir. denom^ denum (gl. facere, Zeuss 22. 461. S.), skr. dhd (ponere, dare, tribuere, ferre, gerere, habere, sustentare), deutsch da im alts. ge-ddn, ddd, dh^. ge-tdn, tat, goth. deds'^ ir. tren (gl. fortis, Zeuss 22. S.), ti-eun für stren, griech. 6rpr)v6^^ lat. strenuus (dor. 6rpäv6^\ kymr. micyn (tener, mollis, lenis, comis), körn, muin, moin, arm. moen, moan (tenuis, gracilis, exilis, sub- tilis) rz: men'^)^ gr. iuclvo^. Indes lässt sich Esus vielleicht durch ein dem jetzigen Keltischen ange-

1) Über die verscliiedeuen Umgestaltungen des langen e im Britannischen s. Zeuss 113. S. u. fF.

2) Das Irische hat min, mion (gracilis, subtilis, tener, delicatus, mollis, mitis, comis). Im Kymrischen findet sich auch main (tenuis, gracilis, exilis, sub- tilis) = ?mn*), das offenbar mit dem obigen mwyn ■=■ men dasselbe Wort ist. Im Altbrlt. erscheint min in dem mit der Partikel ad- (S. oben die 39. S.) zu- sammengesetzten Namen Ädimnius (Sueton. Calig. 44. K.). Auch im Kjmr. findet man die mit derselben Partikel zusammengefügten Wörter addfwyn (mitis, mansuetus) :n:= admen und addfain, addfeinus (tenuis, gracilis, delicatus) =:: admhi, admimis.

*) Im Kymr. erscheint für t auch ei , ai. S. Zeuss 116. S.

100 Esubn.

hörendes Wort erklären. Im Irischen findet sich nämlich das Wort eis (vir) i= es. Hier ist zwar das e kurz; allein abgesehen davon, dass in den Sprachen unseres Stammes kurze Laute in lange übergehn (z. B. a in a), finden sich im Keltischen Beispiele, dass sich e in e verwandelt'). Die An- wendung jenes irischen Wortes ist daher hier al- lerdings zulässig. Was nun dasselbe ursprünglich bedeutet, wissen wir freilich nicht (vielleicht halans vgl. mit skr. asu). Dagegen dürfen wir aus dem Begriffe vir die Bedeutung heros wol ableiten. Man vergleiche griech. "Äpr); für Fäpr^i; mit skr. vara , kymr. gw7' für (/wer zz ver , ir. fer , fear =z ver, goth. vair, ahd. wer , lat. vir, ferner mit ifpodi; gleich einem skr. vdrds (Wurzel var mit der ur- sprünglichen Bedeutung crescere). Wie nun "Apr)(,^ Mars für bellum, proelium, pugna gebraucht ward, so wird auch Esus in den obigen Namen in jenem Sinne zu nehmen sein. Demnach bedeutet z. B. Esu-nertus so viel als der ir. Name Äig'^)-nert (Annal. IV Mag. O'Conor 3, 439} = Ägo-nertus

1) Z. B. ir. learnli (ulmus) ■— lern, kymr. Uwjif ■=. Um. Eben so vei'wandelt sich kurzes e in langes a, wie ir. hreih (Judicium) = hret, das in dem gall. Vergo- hretus (Caes.) erscheint, In hrdth '.z=. hrdt, kymr. brawd =:^ hrdt. Vgl. Zeuss 13. S.

2) Aig = ag, jetzt agli (proelium, pugna, certamen; vgl. griech. ayoJi). Im Irischen erscheint nicht sel- ten ai für a, z. B. maith und math. (bonüs) := mal, kymr. mal, jetzt mad, gall. matus (in Teuto-matus, Caes.). Vgh Zeuss 6. S.

Esubii. 101

(d. h. piigna validus). Eben so erscheint Camulus ^) (de Wal 21. 71 -75. 307. Nr.), ein anderer Name

1) Camulus ist abgeleitet (wie Sappulus , Sappula, Stei- ner 1720. 1964. Nr., Itulus , Grut. 807, 7. 838, 14, u. s. w.) von cam, ir. camh (potestas, potentia), cam, cama (potens, validus, fortis), camacM'*) , cumacU, cumachd (potestas, auctoritas, vis) =■ camact, cumact. Camulus bedeutet demnach potens, fortis. Bei den Iren findet sich der Mannsname Cumhal (O'Conor I, 2, 103) =r Cumal, Camal, so wie auch im Altkelti- schen Camalus (in dem brit. Ortsnamen Camalo-dünum) neben Camulus erscheint (S. oben die 50. S. 1. Anm.). Der Hr. Hofrath Holzmann (83. S.) sagt, Camulus sei Humhlus, Hamal. Wir bedauern , dass er die Quelle, die von diesem deutschen Kriegsgotte be- richtet, nicht angegeben hat. Wir kennen wol das ahd. humhal {humhel , jetzt Ixumm^eV), ursprünglich humfla und das ahd. hamal (mutilus; vervex), altn. hamal (cuneiformis ; aries). Von einem deutschen Kriegsgotte Humhlus oder Hamal aber haben wir noch nichts gehört. Ist er vielleicht ein Kind der hof- räthlichen Einbildung? Nur müssen wir uns wun- dern, wie ein Professor der deutschen Sprache Humhlus und Hamal zusammenstellen kann. Die Wurzel des ersten Namens ist hamf, jene aber des anderen ham. Dem Humhlus müste ein gallischer Cumplus gegen- überstehn. Wenn der Hr. Hofrath deutsche und gal- lische Namen zusammenstellen will, dann lerne er doch vor allen Dingen erst die Lautverhältnisse.

'*) O'Eeilly, der viel Unrichtiges hat, schreibt camach (power). Die Ableitung act findet sich ebenfalls häufig im Kymrischen , wo sie aeth lautet (S. Zeuss 812. S.), so wie auch im Gallischen, z. B. Bihracte (Caes., s. oben die 43. S.).

102 Geidumnl.

desselbenGottes , in mehreren Namen , z. B. Camulo- genus (Caes.) zu röm. Martigena, kymr. Catgen (Lib. Land. 124. 132. 136. 140. S.) = Cahi-genus, Camulo-gndta ^) (Mdm. des antiq. de France 19, 23) zu Gatu-gndta {Karovyvaro^, Cass. Dio XXXVII, 47) d. h. Marti, pugnae adsueta. Wir können daher den Volksnamen Esuhii wol durch dpeioi, mavortii, bellicosi erklären.

Geidumni (V, 39). Die Handschriften haben Geidumni (B C 9 D) , Geidunni (A C o d) , Gedumni (nach Schneider), Geudunni (bc). Die gewöhnliche Lesart ist Geiduni. Schneider hat Geidumni und Nipperdey Geidunni in den Text gesetzt. Die rich- tige Lesart ist Geidumni Dieser Name ist aus gei für geio (wie deio in Deio-tarus, Caes., hoio in Boio-rix, Liv. XXXIV, 46, Boio-dürum, s. oben die 22. S.) und dumni zusammengesetzt. Das erste Wort, das in dem Namen Geius (Steiner 1624. Nr.) erscheint, entspringt von ge (wie deio von de, hoio von ho) und ist noch in dem jetzigen kymr. gai (spuma), früher gei = ge'^) aus geio^) vorhanden.

1) Das zweite Glied ist das ir. gncith, gndd (gl. solitus, consuetuS; Zeuss 19. S.) = gndt.

2) Im Kymr. geht ai , früher ei öfters aus e hervor. S. Zeuss 101. S.

3) Das ableitende j erscheint im Kymrischen bloss noch in der Endung ei, jetzt ai (S. Zeuss 798. S.) , z. B. Gemei (in Lann-Gemei = Landa-Gemei , Lib. Land. 132, S.) z=z Gemeius, Tegei (Lives of the Cambro Brit. SS. 267. S.) = Taceius, Garäi (lolo 146. S.) := Gareius, Clydai (ebend. 121. S.) ^= Cliteius. Diese

Geidumni. 103

Von diesem Worte leitet das Kymrische das gleich- deutige geian ab. Seine Bedeutung ist jedoch hier im bildlichen Sinne für aestus, ardor, vehementia, impetus zu nehmen (wie z. B. das kymr. hrocli rz hroc, spuma, bildlich ira, ferocia). Das zweite Wort ist das bereits oben bei Conconnetodumnus be- sprochene dumnus. Wie dort, so ward auch hier mn von Abschreibern in nn, n verwandelt. Eben so findet man in den besten Handschriften des Caesar Garunna für Garumna. Ein anderes Bei- spiel der Art werden wir noch später bei Namnetes kennen lernen. Geidumni für Geiodumni bedeutet daher so viel als aestuosi, impetuosi. Wie das Gallische das Wort dumnus, so verband das Kym- rische das Wort maur mit geio in geifaior (valde spumans, spumosus) zi- geiomdrus. Das gallische geiodumnus und das kymrische geiomdrus sind also gleichdeutig und ein neuer Beleg für die Richtig- keit unserer obigen Behauptung, dass zwischen dumnus und mdrus in der Zusammensetzung be- züglich der Bedeutung kaum ein Unterschied ist.

Ableitung findet sich häufig in gall. Namen, wie Nammeius (Caes. , vgl. Nammius , Grut. 626, 4, Momms. 100. Nr., Nammonia, Grut. 625, 6 =: 1033, 7), Emaceius (Steiner 175.' Nr.), Trouceteius (Momms. 80. Nr., vgl. Troucillus, Steiner 179. Nr.), Careius , Careta (Grut. 428, 9 ::= 468, 6), Cariseius (Momms. 343, 11, vgl. Carisius , Orelli 1958. Nr., Steiner 1027. Nr.), Malehis (Grut. 878, 8), Verleia (Orelli 2061. Nr.), Segeia (Murat. 1276, 8), Äbileia (de Bolssieu 523, 104, vgl. Abilus, Steiner 1449. Nr.) u. s. w. ,

104 Genava.

Genava (I, 6. 7). Die Handschriften geben Genua. Die gewöhnliclie Lesart ist Geneva. Schneider und Nipperdey haben an ihre Stelle Genua gesetzt. Diese Lesart ist jedoch falsch und lässt sich wol durch die Verwechselung mit dem ligurischen Genua erklären '). Oudendorp hat daher ganz Recht, wenn er sie ine-pta nennt. Der richtige Name ist Genava. Diess zeigen nicht nur zwei im Genfischen selbst gefundene Inschriften (Morams. 83. Nr. u. f.), in welchen riCAxis genavensibvs steht, sondern auch die übrigen Quellen, die des Ortes erwähnen. Die Handschriften des antoninischen Reisebuches nämlich haben Genaha, Genava für Genava (Par- they und Finder haben mit Recht mit Bezug auf die Lischrlften Genava in den Text gesetzt), die peutingersche Tafel Gennava und das aus des Kai- sers Honorius Zeit stammende Verzeichniss der galli- schen Provinzen civitas Genavensium. Der richtige Name erscheint noch in späteren sowol einheimi- schen als anderen Quellen. So findet man z. B. in einem Briefe des römischen Bischofes Leo L (450) Genava'^) und in den Unterschriften der Sy- noden, welchen genfische Bischöfe beiwohnten, episc. civitatis Genavensis'^)., civ. Genavensium'') , ecclesiae

1) Fredegar (Chrou. 71. K.) nennt umgekehrt das llgu- risclie Genua Genava und fügt diesem Namen mari- tima bei, um es von dem allobrogischen zu unter- scheiden.

2) Bei Sirmond , Conc. Galliae. 1 , 91.

3) Conc. Epaon. 517 und Conc. Aurelian. V. 549 ebend. 201. 286. S.

4) Conc. Paris. IV. 573 ebend. 352. S.

Genava. 105

Genavensis^), Genavensis urbis'). Wir müssen uns daher in der That wundern, wie man die von der Unwissenheit der Abschreiber herrührende Lesart Genua dem Caesar aufbürden konnte'). Genava ist abgeleitet (wie die gall. Ortsnamen Ausava, Itin. Ant., Massava, Tab. Peut., Amblava, Fredegar Chron. 106. K., der Flussname Saravus , Auson. Mos. 367, die Mannsnamen Calava, Steiner 218. Nr., Cassavus Zeitschr, f. d. Alterthumswiss. 1853. 88 c. S. , der brit. Ortsname Galava, Itin. Ant., u. s. w.) von gena, kymr. ^e?i (os^), maxilla, mandibula, mentum),

1) Conc. Valent. IL 584, Conc. Matiscon. 11. 585 und Conc. Cabilon. 650 ebeiid. 380. 389. 493. S.

2) Conc. Matiscon. 627 ebend. 477. S.

3) Wohin Leute, die von Sprnchentwickelung nichts wissen, gerathen, das zeigt uns Hr. Becker (Ztschr. f. d. AUerthumswiss. 185L 452. S. u. f.), wenn er sagt, aus Genua hätte sich später Genava und Gena- hum (Orleans) entwickelt. Je später die Städte aus dem Dunkel der Geschichte hervorträten, desto mehr wäre die fortschreitende Entwickelung an den Na- men oder deren Ableitungen ersichtlich; die beiden Inschriften mit Genavenses gehörten also gewiss einer Zeit an, wo der Name der Stadt nicht mehr Genua, sondern Genava gelautet hätte i !

4) Im Kyrarischen wird gewöhnlich genau in der Be- deutung OS gebraucht. Es ist diess der Plur. von gen, von dem wieder ein Plur. geneuau gebildet wird. Die Mehrheitsendung lautet früher ou {genou ir pant, OS vallis , Lib. Land. 231. S.), später eu, jetzt au (S.Zeuss29L S.). In dem bei Zeuss (1100—1124. S.) abgedruckten alten Vocabularium cornicum kommt ebenfalls genau (os) vor. Dort erscheint aber die

106 Genava.

ir. gen (S. Zeuss 12. S.), gin^ gion (os; vgl. skr. Jianu, gr. j'fVu,', lat. gena, goth. hinnit). Genava

Mehrheitsendung ou imd e?<. Die Endung au in genau kann daher nicht Mehrheitsendung, sondern muss Ableitung sein (S. Zeuss 152. 1101. S. Anm.), die eben so im Altkyrarischen (jetzt aw) , ursprüng- lich aber av lautet. Im Britannischen verwandelte sich nämlich v durch den Wegfall des ursprünglichen Endlautes in u. So ging z. B. das altkymr. diu (deus) aus divo hervor (Vgl. die gall. Namen Divo, Divo-dürum, Dwona , Divito , Divitidcus , s. oben die 4. S. Anm.*), Im (jetzt lliw , color, körn, liu, color, splendor, glorla, ir. li , color, splendor) aus livo (Vgl. die gall. Namen Livo, Orelli 4901. Nr., Livius*) und das lat. livor), anau (jetzt anaio , harmonia, poesis) aus anavo (Vgl. den gall. Frauennamen Änavö^), Steiner 1991. Nr., den arm. Mannsnamen Änau =■ Änavus , Courson \, 48; Morice 272. S. , die kymr. Namen Anauoc ::= Änaväcus , Lib. Land. 156. S-, Anaugen ^=^ Anavo-genus , ebend. 194. S.), Teliau, Teliaus (ebend. 117. 118. 119. S. u. oft.) aus Teliavus, Eliau (ebend. 217. S.) aus Eliavus (Vgl. den kymr. Namen Eli, ebend. 177. S. , und die gall. Namen Elius, Elia, Steiner 1754. 1891. Nr.), Litau (jetzt Llydaiv, Britannia minor) aus Litavia (Vgl. den gall. Namen Litavicus , Litaviccus), Minau (insula, Vita

*) Auch ein Beiname Apollos: Apollini Livio (Orelli 2021. Nr.) d. h. splendido.

**) Bei den Galliern erscheinen mehrere auf o ausgehnde weibliche Namen, z. B. Diceto (Grut. 940, 11, vgl. Dicetus, Stelner 1466. Nr.), Artio (dea, Momms. 215. Nr.).

Genava. 107

entspricht dem röm. Ortsnamen Ostia (Liv. , Mela, Plin. u. A.). Bekanntlich liegt Genf da, wo die Rhone aus dem Lemanner See mündet. Daher sein Name ').

Gobaimitio (VII, 4). Die meisten Handschriften, darunter die erste Pariser, bieten Gobannitio. Die

S. Gildae In Nennius und Gildas 119. S.) aus Minavia. Dieselbe Endung au findet man auch in mehreren gall. Ortsnamen , die in mittelalterlichen Schriften vor- kommen, z. B. Calau (Polyptique de l'abbd Irmion a. a. O. 79. S.) aus Calava, Bisau (ebcnd. 131. S. u. oft.) aus Bisava, Peciau (ebend. 128. S.) aus Pe- ciava (Vgl. Zeuss 150. 746. S.). Das körn, genau ist daher gleich altem genava, so wie auch Im Kor- nlschen jenes Wort als Ortsname vorkommt (S. das Verzelchniss der körn. Ortsnamen bei Pryce, Ar- chaeologia Cornu-Britannica). 1) Hr. Dilthey, der zu jenen Wortschürfern, welche die Wörter wie Kraut und Rüben durcheinander werfen, gehört, sagt (Archiv für das Studium der neuereu Sprachen. 3, 40 Anm. f): Knie, wozu hiicken und hnacken, kehre auch im Keltischen wieder: Genahum das alte Orleans, Geneva Genf und Genua Genua seien drei Kniestädte, an denen sich das Gewässer in Kniebeugung umwinde!! Das jetzige deutsche Knie lautet ursprünglich kniva (gebildet aus dem Stamme knu), woraus später durch den Abfall des Endlautes kniu, knio ward; die Wurzel von knacken ist knak, daneben knik, wovon knicken, knuk, wozu das ags. cnucjan (pulsare); die Wurzel des gall. Ce- nahum (falsch Genahum) ist cen (S. oben die 58. S.), jene des gall. Genava und des llgur. Genua gen. Dass Hrn. Becker (a. a. O.) das diltheyische Gebräue vortrefflich mundet, Ist sehr begreiflich.

108 Gobannitio.

gewölmliclie Lesart ist Gohanitio. Wliitte und Nip- perdey haben Gobannitio aufgenommen. Die Rich- tigkeit des doppelten n bezeugt der von dem glei- chen Stammworte abgeleitete gall. Mannsname Go- hannicno^) (Murat. 1384, 4 unrichtig Gohannüno), so wie der brit. Ortsname Gohannium (Itin. Ant.). Gobannitio ist abgeleitet (wie Togitius, Steiner 228. Nr., Domnitius, Sid. Ep. IV, 20, BüHio , Greg. Tur. H. F. X, 3) von gobann und dieses (wie Lemannus, Caes. u. A., Carvanna^ Mabill. Acta SS. 1, 217, u. s. w.) von gob, kymr. gof (opifex, faber ferra- rius), gof an, gof ant (faber ferrarius) i= gob, goban, gobant, körn, gof (faber, Vocab. corn. Zeuss 1106. S.), arm. gof (faber ferrarius) = gob, ir. goblia, gobhan, gäl. goblia, gobliann (faber ferrarius) zu goban, go- bann. Bei den Kymern findet sich der Mannsname Gouannon (Mabinog. 2, 222) r= Gobanton und bei

1) Abgeleitet wie der ir. Volksname Ov^wininoi (Ptol. II, 1). Vgl. den gall. Ortsnamen Vennum (Tab. Peut.) und den Volksnamen Ovlvvovii (Strabo IV, 204. 206 unrichtig Oviwwvii), der bei Plinius (III, 20, 24) Vennoneles heisst. Obgleich sich die ganz richtige gewöhnliche Lesart in den besten Hand- schriften findet, so hat Sillig dennoch Vennonenses, das ganz falsch ist, eigenmächtig in den Text gesetzt. Vennonetes (wie Sarunetes, Plin. a. a. 0.) ist nämlich die echte gallische Namensform mit der Mehrheits- endung et, die auch im Britannischen erscheint (z. B. arm. Bretonet] Britanni, s. Zeuss VI, 297. 299. S.) und einer jener schlagenden Beweise ist, dass die gallische Sprache mit dialektischer Verschiedenheit keine andere als die britannische war.

Gorgobina. 109

den Iren der Mannsname Gohanus (Acta SS. Aug. 1, 349). Gohannitio entspricht daher ungefähr dem röm. Namen Fahricius (Fabritius).

Gorgobina (VII, 9). Die Handschriften geben Gorgohina (AB CD), Gortona (ab cd). In den Aus- gaben vor Aldus und bei Stephanus liest man Ger- gohina, bei Aldus Gergohia, bei P. Manutius Ger- govia. Die letztere Lesart ist die gewöhnliche. Nipperdey hat an ihre Stelle Gorgohina gesetzt. Die Bildung dieses Namens ist uns nicht ganz klar. Auf den ersten Blick scheint er aus gorgo und hina zusammengesetzt zu sein. Im Irischen findet sich das Wort gorg (atrox, ferox, crudelis; vgl. griech. yopyö;). Das andere Wort dagegen wissen wir nirgends nachzuweisen. Der Name kann aber auch aus gor und gohina zusammengesetzt und gor eine verlorene Partikel sein oder für goro stehn (Vgl. Vodo-goriäcum , Itin. Ant.), so wie in mehre- ren zusammengesetzten keltischen Namen der End- laut des ersten Wortes abgeworfen ist, z. B. Lug- dünum (de Boissieu 199, 27. 305. 403. 527, 120 u. oft.) für Lugu-dünum (ebend. 31. 128. 136. 139. 148. S. u. oft, vgl. den brit. Ortsnamen Lugu- valhüu (Itin. Ant.), Cat-melus (Liv. XLI, 5) für Cata-melus (S. oben Catamantdioedis) ^ Coh-nertus für Cohi-nertus (S. oben die 45. S. 2. Anm.), Mogit- märus (Sitzungsberichte der phil.-hist. Kl. der k. Akad. der Wiss. 11, 329) für Mogiti-mdriis (Vgl. Dino-mogeti-mdrus^ Me'm. des antiq. de France. 13,

xvni).

110 Gutruatus.

Gutruatus (VII, 3. VIII, 38). An der ersten Stelle haben die Handschriften Cotuatus und an der zweiten, wo der Name zwei Mal vorkommt, zuerst Gutruatus (d u. a.), Gutruatius (A), Gutu- atrus (B), Guttruatus (b')e) und dann Gutruatus (ABCbd). Die gewöhnliche und von Nipperdey beibehaltene Lesart ist an der ersten Stelle Cotuatus und an der anderen Gutruatus. Dass hier dieselbe Person gemeint ist, unterliegt keinem Zweifel. Caesar (VII, 3) sagt nämlich : „Ubi ea dies venit, Carnutes Cotuato et Conconnetodumno ducibus, desperatis ho- minibus, Cenahum signo dato concurrunt civesque Eomanos interficiunt bonaque eorum diripiunt", und Hirtius (VIII, 38): „Cum (Caesar) in Carnutes venisset, quorum in civitate superiore commentario Caesar exposuit initium belli esse ortum, prin- cipem sceleris illius et concitatorem belli Gutru- atum ad supplicium deposcit". Welcher Name nun der wahre ist, Cotuatus oder Gutruatus^ ist um so schwerer zu entscheiden, als beide gleich richtig gebildet sind. Cotuatus nämlich ist von cotu abge- leitet (wie Nantuates, Caes., von nantu, s. oben die 8. S. 3. Anm., Magiatus^ Orelli 1987. Nr., von magi, Eiatus^ Grut. 670, 3, von tli^ s. oben die 21. S.). Eben so ist Gutruatus von guti^u ab- geleitet. Wir stimmen indes Nipperdey bei, wenn er (88. S.) den letzteren Namen, der bei Hirtius zwei Mal vorkommt, für den rechten hält. Denn

1) In der ersten Leydner Handschrift ist ein M vor- gesetzt.

Helvii. 111

aus Gutruatus konnte von den Abschreibern eher Cotuatus als umgekehrt aus Cotuatus Gutruatus ge- macht werden. Im Kymrischen findet sich wol di^^^QiwoYt giütliriis (quod repellit, offendit, pungit) ') = guttrus von guthr"^) z= guttr , das abgeleitet ist von gwth (pulsus, impulsus) m gutt, wovon auch gwthiaw (pellere, pulsare, obtrudere) zz guttiau. Den Namen Gutruatus aber zu deuten vermögen wir nicht.

Helvii. Helviis, Cadurds (VII, 75). Die Hand- schriften geben Eleuteris (B), Eleutetis, Helvetetis Cadurds. Die gewöhnliche und von Nipperdey beibehaltene Lesart ist Eleutheris Cadurds. Man hielt Eleutheri für einen Beinamen der Cadurd und muthmasste allerlei über seine Bedeutung. Eleutheri aber ist ein UngethUm, an dessen Stelle der Name eines anderen Volkes stund, den Ukert (a. a. O. 265. S.) in den Helvüs bereits richtig erkannt hat. Die ganze Stelle lautet nun also : parem numerum Arvernis adjunctis Helvüs, Cadurds, Gahalis, Vel- lavüsj qui sub imperio Ärvernoi'um esse consuerunt. Die Helvii waren Nachbarn der Arverni (Caes. VII, 7. 8) und konnten daher eben so wie die benach- barten Cadurd, Gahali und Vellavii unter der Herrschaft jenes mächtigen Volkes stehn. Zwar werden bald darauf die Helvii genannt : octo Picto-

1) Gair gwthrus (verbum contumellosum) r:^ ger guttrus.

2) Owen hat das unbelegte Wort gwthr (that pushes or drives off). Das Kymrische leitet mit der Endung us von Hauptwörtern häufig Beiwörter ab.

STWWJi^

m 'm

f f

110

Gutratus.

Gutruatus (VII, 3. HI, 38). An der ersten Stelle haben die Handsoriften Cotuatus und an der zweiten, wo der Naie zwei Mal vorkommt, zuerst Gutruatus (d u. a^ Gutruatius (A), Gutu- atrus (B), Guttruatus (b e) und dann Gutruatus (ABCbd). Die gewöhnlibe und von Nipperdey beibehaltene Lesart ist ander ersten Stelle Cotuatus und an der anderen Gutratus. Dass hier dieselbe Person gemeint ist, unterliet keinem Zweifel. Caesar (VII, 3) sagt nämlich : „Ui ea dies venit, Camuies Cotuato et Conconnetodumti ducibus, desperatis ho- minibus, Cenahum signo lato concurrunt civesque Romanos interficiunt bnaque eorum diripiunt", und Hirtius (VIII, 38): „(am (Caesar) in Carnutes venisset, quorum in civitaj superiore commentario Caesar exposuit initium blli esse ortum, prin- cipem sceleris illius et cncitatorem belli Gutru- atum ad supplicium deposit". Welcher Name nun der wahre ist, Cotuatus oer Gutruatus^ ist um so schwerer zu entscheiden, ils beide gleich richtig gebildet sind. Cotuatus nhilich ist von cotu abge- leitet (wie Nantuates, Caes von nantu, s. oben die 8. S. 3. Anm., Magiatus . OvoiM 1987. Nr., von magi, Iliatus^ Grut. 670, >, von ili^ s. oben die 21. S.). Eben so ist Gtruatus von gutru ab- geleitet. Wir stimmen ines Nipperdey bei, er (88. S.) den letzteren Tarnen, der zwei Mal vorkommt, für en rechter

1) In der ersten Leydner lanc gesetzt.

->«*

>

i t t f g i i i t i

i f i I t I i § i i i, f 1 i f

1 t i ff § I t

« i ff i I f f i 1

« n t

^^^i^f'^fCx!:

HeH

aus Gutruatus konnte von en Abschreibern eher Cotuatus als umgekehrt SiUiCofuatus Gutruatus ge- macht werden. Im Kymi chen findet sich wol das Beiwort gwthrus (quod roellit, ofi'endit, pungit) *) z= guttrus von guthr"^) =: "ttr , das abgeleitet ist von gwth (pulsus, impulsu; zz gutt, wovon auch gwthiaw (pellere, pulsare, ol rudere) =r ^wÄz/. Den Namen Gutruatus aber zi deuten vermögen wir nicht.

Helvü. Ilelvüs, Caduris (VII, 75). Die Hand- schriften geben Eleuteris \ ) , Eleutetis, Helvetetis Cadurcis, Die gewöhnlich und von Nipperdey beibehaltene Lesart ist Emtheris Cadurcis. Man hielt Eleutheri für einen Beiamen der Cadurci und muthmasste allerlei über seie Bedeutung. Eleutheri aber ist ein Ungethüm, an dessen Stelle der Name eines anderen Volkes sturi, den Ukert (a. a. 0. 265. S.) in den Helvns beiits richtig erkannt hat. Die ganze Stelle lautet nu also : parem numerum Arvernis adjunctis Helvns , Cadurcis , Gahalis, Vel- laviisj qui sub imperio Anrnorum esse consuerunt. Die Helvii waren Nachbar der Arverni (Caes. VII, 7. 8) und ko* m so wie die benach-

barten (1

f t r #' « « i «,t t t^t T

1 t f f n i, * I %J "it^

} f t i.« f^t- il,t t 1

! % 1 fit ff* *^1l J t » I 1*1 » i t « «

. r % < i t t t^l^t "»'„1 » f f i t * t'.t t' « t

t i t t f t

111 «ri l; n

/

/

nWr

Vellavii unter der

olkes stehn. Zwar

genannt : octo Picto-

>>um) :=; </ey guttrvs. 'hl- (that pushes or .nit der Endung us .iwörtcr ab.

i t

M"'"^

112 Helvli. ''■—' '«'-'^

nibus et Turonis et Parisiis et Helviis. Allein die Handschriften haben Helvetiis^ Elvetiis. Nipperdey hat diese Lesart mit Recht an die Stelle der ge- wöhnlichen gesetzt. Helvii steht, wie wir bereits oben (10. S.) bemerkt haben, für Elvii (bei Strabo IV, 190 unrichtig 'EXovoi für "EXovioi). Man findet in Inschriften die Namen Elvus (Steiner 1876. Nr.) Elvius (Grut. 728, 9), Elvia (Mittheil, des bist! Ver. für Steiermark. 6, 168), Elvima (ebend. 1, 52. Anm. **) , Eko-rix (Grut. 12, 10), auch Helvo-rtx (Stei- ner 1903. Nr.) und auf Münzen Elviona (Mittheil, des bist. Ver. für Steiermark. 1, 52. Anm.**), Elvio- mdrus (Duchalais 396, 88). Von derselben Wurzel eh ist auch der Volksname Helvetü für Elvetii (na- tione Elvetius^ Orelli 480. Nr.; bei den Griechen unrichtig 'EXoviJtioi^ bei Strabo gar 'EXovtJttioi für 'EXovhioi) abgeleitet (wie die Namen Cingetius, Steiner 645. Nr., Tasgetius, Caes., Mogetius, Murat. 875, 2, Taretius, Steiner 1638. Nr., u. s. w.). Jenes Wort aber suchen wir im Britannischen und Irischen

vergebens.

'^>' Latovici (I, 5. 28. 29). Die Handschriften bieten

Latovici (A), Latohici (BCDEd). An der zweiten und dritten Stelle haben (nach Schneider) mehrere Handschriften Latohrigi. Diess ist die gewöhnliche Lesart, die auch Nipperdey beibehalten hat. Bei Orosius (VI, 7) liest man Latohrogii. Die von der ersten bongarsischen Handschrift gebotene Lesart Latovici ist die richtige. Auch in Pannonien er- scheint der Volksname Latovici (Plin. HI, 25, 28, Praetorium Latovicorum^ Itin. Ant.), der jedoch in